Bad Urach Die zwei, die die Prinzen nach Bad Urach holen

Sebastian Hauenstein (links) und Alexander Aberle freuen sich auf die Prinzen. Foto: Thomas Kiehl
Sebastian Hauenstein (links) und Alexander Aberle freuen sich auf die Prinzen. Foto: Thomas Kiehl
PETER KIEDAISCH 07.11.2012
Fast ausverkauft. Auf die Abendkasse sollte niemand hoffen, der die Prinzen sehen und hören möchte. Die beiden Macher des Konzerts freuen sich schon jetzt über diesen Coup. Es lebe das Nachtleben.

Noch gibt es Karten für das Konzert der Prinzen am 17. November. Aber nicht mehr viele, weswegen Sebastian Hauenstein, der das Konzert eingefädelt hat, nicht versprechen kann, dass es an der Abendkasse noch welche gibt. Hauenstein ist Prinzen-Fan seit er Kind ist. Man nennt ihn auch "Hansa" wegen seiner Vorliebe für den früheren Fußball-Bundesligisten aus Rostock. Es östelt eben in der Gefühlswelt des in Sachsen-Anhalt geborenen Mediengestalters, Kameramannes, Filmproduzenten und, neuerdings, Konzertveranstalters. Zusammen mit Alex Aberle, dem Wirt der "Café-Bar Zill" hat er seine Lieblingsband nach Bad Urach geholt und hilft ihm, die Nacht zu beleben.

Herr Hauenstein, Herr Aberle: Über Geschmack lässt sich ja nicht streiten, aber warum mussten es ausgerechnet die "Prinzen" sein. Gegen die wirkt jeder Waschmaschinen-Weichspüler wie ein Ausbildungslager der Fremdenlegion in der algerischen Wüste.

SEBASTIAN HAUENSTEIN: Ich habe schon immer die Musik der Prinzen sehr geschätzt. Es ist ein alter Traum von mir, sie irgendwann auf die Bühne zu bringen. Dazu hat viel Planungszeit gehört, das war nicht mit ein paar lockeren Anrufen getan. Als die Nachricht der Prinzen kam, "wir kommen!" gabs eine Party. Da haben wir die Anlage im Zill aufgedreht.

Wie läuft der Vorverkauf? Es heißt, es gebe nur noch wenige Karten.

HAUENSTEIN: Wir sind nicht ganz ausverkauft, aber fast. Die letzten Karten gehen dieser Tage über den Tisch, ich glaube nicht, dass es eine Abendkasse geben wird. Deswegen: ran an die Buletten.

So gut kommen also die Prinzen an.

HAUENSTEIN: Viele sagen: Prinzen, das ist nicht meine Musik. Ich sage: Das ist ein Event in einer Größenordnung, da gilt die Devise: Dabei sein ist alles. Das ist schließlich auch hochprofessionelle Musik. Und du kannst hinlaufen! Manche rechnen mir vor: In Stuttgart bei diesen oder jenen kostet es nur soundsoviel. Dazu kommen aber Fahrtkosten und all die Zeit, die man auf dem Weg lässt.

ALEXANDER ABERLE: Wir sind ja froh über all die positive Stimmung hier, aber etwas mehr Resonanz speziell in Urach haben wir uns doch erhofft.

HAUENSTEIN: Das stimmt. Über die Online-Bestellung haben wir etwa 150 Karten verkauft. Nach Frankreich, nach Bayern, die Leute kommen von der Schweizer Grenze, aus Kempten, Freiburg, Günzburg.

Dafür kommt die Vorgruppe aus der Region, teilweise sogar aus Bad Urach.

HAUENSTEIN: Vor den Prinzen treten Booghk de Doo auf. Die passen musikalisch hervorragend zusammen. Übrigens ist das eine Seltenheit. Normalerweise spielen die Prinzen ohne Support-Band. Für uns haben sie eine Ausnahme gemacht.

Das Zill ist ja durchaus eine gute Adresse für hochprozentigen Genuss. Werden die Prinzen da nicht belächelt?

ABERLE: Von wegen, wenn am Samstag unsere Prinzen-Warm-up-Party ist, singen bestimmt einige mit.

HAUENSTEIN: Da läuft dann auch Klaus Lage, die Fantastischen Vier, Falco, Tote Hosen und Après-Ski-Hits. Vielleicht erzähle ich etwas über die Prinzen.

Die vergangene Musiknacht haben Sie, Herr Hauenstein, ja auch organisiert. Früher hat das Holger Graf gemacht, der ja auch Wirt im Zill war, was jetzt Sie, Herr Aberle, sind. Sie beide sind also seine legitimen Nachfolger in Sachen Nachtleben-Beleben.

HAUENSTEIN (lacht): Ja, wir sind Holgers Erben. Ich wollte schon immer mal etwas Großes in Bad Urach aufziehen, und Alex hat vor zwei Jahren Mc Sunday in die Festhalle gebracht. So sind wir zusammengekommen.

Was würden sie denn über die Prinzen erzählen wollen?

HAUENSTEIN: Etwa, dass sie pro Jahr etwa 50 Konzerte geben. Ihre aktuelle Tour hat in Erfurt begonnen, die Bad Uracher Festhalle wird der Abschluss sein. Süddeutschland ist übrigens kein gutes Pflaster für deutsche Bands. Weil im Radio hauptsächlich englischsprachige Gruppen gespielt werden. Die überlegen sich zwei Mal, ob sie herkommen oder nicht.

Fragen die Prinzen hin und wieder, wie der Kartenverkauf läuft?

HAUENSTEIN: Die wollen schon regelmäßig wissen, wie es aussieht. Sie sind guter Dinge, weil sie sehen, dass wir schon so weit sind.

Übernachten die Prinzen in der Stadt?

HAUENSTEIN: In der Stadt nicht, aber in der Region. Die Uracher Hoteliers waren irgendwie von den Prinzen nicht zu überzeugen oder haben ordentliche Zuschläge verlangt.

Wo wohnen sie denn?

HAUENSTEIN: In Lonsingen im Grünen Baum. Aber ich weiß nicht, ob wir das veröffentlichen sollten.

Sonst stehen an dem Abend Teenies als Groupies vor dem Baum.

HAUENSTEIN (lacht): Wohl eher deren Mütter.

ABERLE: Man muss eines sehen, und deswegen ist auch die Sache mit dem Promi-Zuschlag nicht fair: An so einem Konzert ist nicht viel verdient.

Besteht die Chance, dass die Prinzen nach ihrem Konzert noch Lust auf einen Streifzug durch Bad Urach haben oder ist das Nachtleben gar nicht vorzeigbar?

HAUENSTEIN: Das Uracher Nachtleben lohnt sich. Das glaubt vielleicht niemand, aber zwei bis drei Mal die Location wechseln, dann kommt man durch bis morgens um sechs.

ABERLE: Ja, das Nachtleben hier ist aktiv. Sonntagabends hatte ich mal Gäste, die unbedingt nach Reutlingen wollten. Nach eineinhalb Stunden kamen sie geläutert zurück. In Reutlingen sei nichts los.

Also haben wir die Chance, die Prinzen auf Kneipentour zu erleben?

ABERLE: Wir versuchen schon, sie zu überreden.

HAUENSTEIN: Aber ehrlich: Die werden froh sein, wenn sie in ihren Betten landen nach dem Konzert.

Prinzen-Warm-up- im Zill

Am Samstag, 10. November, findet in der Cafe Bar "Zill" die Warm-Up Party zum Prinzenkonzert statt. Höhepunkt des Abends ist eine kleine Tombola, in der es die neue Mercedes A-Klasse für ein Wochenende zu gewinnen gibt. Motto des Abends sind die Prinzen. Für die Musikvielfalt sorgen DJ Hansa und DJ Golle.