Bad Urach / REGINE LOTTERER Jeder Motorradfahrer träumt von kurvenreichen Strecken. Doch der Spaß findet ein jähes Ende, wenn der Mensch die Maschine nicht beherrscht. Wer üben will, kann sich nun für entsprechende Kurse anmelden.

Fallstricke für Motorradfahrer finden sich überall: Gullydeckel, nasse Fahrbahnmarkierungen oder Flickstellen auf dem Belag. Ein erfahrener Kempe weiß, in solchen Fällen ist Obacht geboten. Horst-Rüdiger Meyer auf der Heyde bringt diese Erfahrung mit. Der Bad Uracher Rechtsanwalt sitzt selbst jeden Tag auf seiner Suzuki, um zur Arbeit und zu Terminen zu gelangen. Den Motorradführerschein erwarb er einst bei der Bundeswehr, seither legte er mehrere 100 000 Kilometer auf zwei Rädern zurück.

Den meisten Motorradfahrern fehlt diese Routine jedoch. Von all jenen, die im Frühjahr ihre Zweiräder aus der Garage holen, fahren die wenigsten mehr als 5000 Kilometer in einer Saison. Damit bleiben sie unter der Grenze, die bei Experten als notwendig gilt, um sich sicher auf der Straße und im Verkehr zu bewegen. Ihnen möchte Meyer auf der Heyde einen Teil seines reichen Erfahrungsschatzes weitergeben, weswegen er seit kurzem Kurse für Motorradfahrer anbietet. Wer sich anmeldet, sollte auf mindestens 1000 Kilometer Fahrpraxis mit der eigenen Maschine zurückblicken können.

In Gruppen, die nicht mehr als vier Köpfe zählen, schult Meyer auf der Heyde das Bewusstsein für potenzielle Gefahrenquellen. Darüber hinaus zeigt er, wie ein Fahrer richtig auf seiner Maschine sitzt, um im Fall der Fälle rasch und richtig zu reagieren ("Locker bleiben, nicht verkrampfen"). Auch die Blickführung ist Thema: Wer nach links schaut, zieht sein Gefährt automatisch in diese Richtung, sagt der Fachmann. Weswegen sich ein Motorradpilot unter Umständen schneller als gedacht auf dem harten Asphalt wiederfindet.

Besonderen Wert legt Meyer auf der Heyde in seinen Kursen auf die Kurventechnik: Wer lernt, seine Maschine auf der richtigen Linie hineinzulenken hat Reserven, die helfen, einen Sturz zu verhindern. Wem die Übung fehlt, der landet mit seinen zwei Rädern im Zweifel an der Leitplanke. Das lässt sich beispielsweise in der Hanner Steige besichtigen, hier zeugen etliche Streifen und herumliegende Plastikteile vom Scheitern der Fahrer. Die Strecke nutzt Meyer auf der Heyde während seiner Kurse nicht zuletzt aus diesem Grund als Trainingspiste. Morgens darf sich die Gruppe an der Steige nach Sirchingen erproben, weil sie weniger knifflig ist als jene hinauf nach Bleichstetten. Diese steht erst am Nachmittag auf dem Programm.

Seine Kurse, betont der Rechtsanwalt, ersetzten kein Sicherheitstraining. Ihm gehe es darum, die Fahrer für die Herausforderungen des Alltags zu sensibilisieren: "Damit sie immer sicher ans Ziel kommen." Schließlich, sagt er, berge die Fahrt mit einem Motorrad durchaus Risiken. Die schmale Silhouette der Maschine wird von anderen gerne übersehen. Dazu kommen Rüpel, die aus einer Kolonne heraus rücksichtslos überholen, obwohl sie erkennen, dass ihnen ein Motorrad entgegen kommt.

Wenn Meyer auf der Heyde eine solche Kolonne entdeckt, bremst er meist schon bevor er die Situation richtig erfasst hat: "Das ist Intuition." Er hat in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, die Straße zu lesen, wie er sich ausdrückt. Sieht er etwa einen Zebrastreifen oder einen Metallgully weiß er, dass ihm hier das Rad ratzfatz wegrutschten kann: "Wenn's regnet, ist es dort tierisch glatt." Außerdem kennt ein routinierter Fahrer die unfallträchtigen Stellen in seiner Region, weswegen sie in den Kursen durchaus Thema sind.

Jene Biker, die dank ihrer Fahrtechnik und ihrer Übung entspannt und gelassen auf ihren Gefährten sitzen, dürfen dann all jene Privilegien in vollen Zügen genießen, die Motorradfahrern vorbehalten sind. Mit der Maschine durch enge Bergtäler fahren etwa, mit dem würzigen Duft der Freiheit in der Nase. Entlang schmaler und vor allem kurvenreiche Straßen zu gleiten, lässt pures Glück durch die Adern der Fahrer pulsieren. Zumal sie dabei die Natur mit allen Sinnen erleben. Schöne Ausblicke an lauschigen und abgelegenen Stellen inklusive. Der Genuss indessen kostet Kraft. Wer eine Stunde lang Zickzack fährt, ist durchgeschwitzt, sagt Meyer auf der Heyde lachend, "aber dafür auch gerne mal ein paar Kilo leichter."

Kurse und Anmeldung

Motorradfahrer, die einen Tageskurs bei Horst-Rüdiger Meyer auf der Heyde besuchen wollen, können sich per E-Mail unter info@ak-motorradsicherheit.de melden. Teilnehmen können Motorradfahrer, die mindestens 1000 Kilometer Fahrpraxis mit ihrer Maschine besitzen. Für Anfänger sind die Kurse nicht geeignet. Die Kurse sollen ein Sicherheitstraining nicht ersetzen. Ziel ist, den Fahrern zu helfen, täglich sicher durch den Verkehr zu kommen.

SWP