Hengen/Wittlingen Die Stadt übernimmt

Hengen/Wittlingen / KIRSTEN OECHSNER 08.11.2013
Die Kindergärten Hengen und Wittlingen bleiben im Dorf, wenn auch unter anderer Trägerschaft: Die geht von der evangelischen Kirche auf die Stadt über. Ziel ist ein reibungsloser Übergang.

Die Kindergärten in Wittlingen mit ihren 26 Kindern und derjenige in Hengen mit 40 zu betreuenden Jungen und Mädchen gelten als kleinteilig, doch die Flut an steten Veränderungen in der Betreuungslandschaft macht auch vor kleinen Einheiten wie in den beiden Bad Uracher Stadtteilen nicht halt.

Eine Aufgabe, die Pfarrer Jörg Sautter und zahlreiche in den beiden Kindergartenausschüssen ehrenamtlich aktive Bürger zunehmend an ihre Belastungsgrenzen brachte. Nun geht die Trägerschaft von der evangelischen Kirche auf die Stadt Bad Urach über, dort kümmert sich mit Annette Ullrich eine Mitarbeiterin ausschließlich um die Kindergartenarbeit: "Sie kann auf ganz andere Strukturen zurückgreifen", macht Dekan Harald Klinger bei einem Pressegespräch deutlich. Dadurch sei eine andere Form der Professionalität gesichert in einem Bereich, der sich in den vergangenen Jahren immer dynamischer ändere und einem extremen Wandel unterliege.

"Wir haben die Situation des Trägers gesehen und offen miteinander diskutiert", meint Bürgermeister Elmar Rebmann zu dem bereits seit längerem dauernden Gesprächsprozess. An dessen Ende stand ein wegweisendes Ergebnis: Die Trägerschaft beider Kindergärten soll an die Stadt übergehen, diese Entscheidung wurde letztlich im Gemeinderat sowie in den zuständigen kirchlichen Gremien befürwortet.

Die Betriebsübergabe soll bis zum 1. April abgeschlossen sein, wobei die Stadt der Kirche in Bezug auf vertraglich gesetzte Fristen entgegenkommt und früher als erforderlich die Trägerschaft übernimmt: "Eigentlich sind die Verträge ein Jahr vor Ablauf des Kindergartenjahres zu kündigen", erklärt Dekan Klinger, dann hätte die Übernahme erst 2015 stattfinden können.

Ziel sei, so Bürgermeister Rebmann, den Übergang so zu gestalten, dass es zu keinem Bruch in der Betreuung komme: "Der Betriebsübergang darf nicht spürbar sein und sich für die Kinder die Bezugspersonen nicht ändern." Die Stadt beabsichtige, alle zehn Mitarbeiter der beiden Kindergärten zu übernehmen - nun werden mit ihnen Einzelgespräche wegen der Übernahmeverträge geführt. Der Dekan dazu: "Ein fließender Übergang liegt in Interesse beider Seiten."

Der Blick von Hengens Ortsvorsteher Gerhard Stooß geht bereits in die weitere Zukunft: Ihm sei nach wie vor eine enge Beziehung des Kindergartens zur Kirche wichtig und entsprechende Strukturen sollten fortgeführt werden - er dachte unter anderem an das Erntedankfest oder die Besuche der Kinder beim Seniorenmittag "Wir gehen davon aus, dass die Einbettung des Kindergartens in die Dorfgemeinschaft so weiter geht."

Das sieht auch Konrad Hölz so, wenn er als Ortsvorsteher wie auch der Ortschaftsrat die Entscheidung der Kirche bedaure: "Wir hätten es gerne anders gesehen", meint er. "Wir respektieren und akzeptieren die Entscheidung aber." Mit der Übergabe der Trägerschaft würde Wittlingen ein weiteres kleines Stück Eigenständigkeit abgeben: "Wir haben aber ein großes Vertrauen in die Arbeit der Stadt mit Kindern."

Auch Pfarrer Jörg Sautter fällt der Schritt nicht leicht, vor allem aus persönlichen Gründen: Seine beiden Kinder besuchen den Kindergarten. Beide Einrichtungen würden jedoch in gute Hände kommen, da sei er sich sicher.

Die Kindergärten sollen laut Annette Ullrich nicht "fremdgesteuert" werden und Häuser des Gemeinwesens bleiben: "Wir werden sie nicht entwurzeln", erklärt sie. Man werde aber zum Teil andere und neue Wege gehen. 93 Prozent der Betriebskosten beider Kindergärten - die Gebäude gehören bereits der Kommune - wurden unter anderem von der Stadt bereits getragen, mit der Übernahme der Trägerschaft wird der städtische Haushalt laut Rebmann jährlich etwa mit 70 000 bis 100 000 Euro belastet.

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