Wittlingen Die Situation ist ernst

Vorstand und Ausschussmitglieder halten die Fäden des TSV Wittlingen zusammen, doch die viele Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt (von links): Holger Mess, Holger Wahl, Igor Sparwasser, Uli Krohmer, Konrad Hölz, Gerd Anstätt und Birgit Gross. In der Mitte Margot Rueß, die nach 20 Jahren aus dem Amt der Finanzverwalterin ausgeschieden ist.
Vorstand und Ausschussmitglieder halten die Fäden des TSV Wittlingen zusammen, doch die viele Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt (von links): Holger Mess, Holger Wahl, Igor Sparwasser, Uli Krohmer, Konrad Hölz, Gerd Anstätt und Birgit Gross. In der Mitte Margot Rueß, die nach 20 Jahren aus dem Amt der Finanzverwalterin ausgeschieden ist. © Foto: Kirsten Oechsner
Wittlingen / Von Kirsten Oechsner 19.06.2018

Krisenstimmung beim TSV Wittlingen: Im Fußball seit jeher ein Aushängeschild in der Region und auch in Sachen ehrenamtliches Engagement ein Vorbild über den Ort hinaus, hat den Verein nun auch ein gesellschaftliches Problem erreicht: Es finden sich zu wenige Mitglieder, die Verantwortung übernehmen. Konrad Hölz würde nach 38 Jahren als Vorsitzender gerne sein Amt sofort abgeben, macht nun aber für maximal ein Jahr weiter. Der vakante Posten des zweiten Vorsitzenden bleibt unbesetzt und auch für die ausgeschiedene Finanzreferentin Margot Rueß konnte kein Nachfolger gefunden werden. Immerhin hat sich mit Gerd Anstätt ein Jugendleiter gefunden

 Dabei hatte die Hauptversammlung mit einer eher positiven Bilanz begonnen: Der Fußball-Bezirksligist hat sein Minimalziel Nicht-Abstieg erreicht und auch in der Turnabteilung läuft es rund. Abteilungsleiterin Birgit Gross berichtete von konstanten Teilnehmerzahlen in den verschiedenen Gruppen, im Eltern-Kind-Turnen sei sogar ein Zuwachs zu verzeichnen. „Wir sind gut besetzt“, bilanzierte sie und berichtete von einer eindrucksvollen Jahresfeier als Höhepunkt. Eine feste Größe im Verein ist zudem die Seniorengruppe und das nicht nur aus sportlichen Gründen: „Wenn wir sie nicht hätten, könnten wir so manche Festivitäten nicht mehr durchführen“, machte Konrad Hölz deutlich. Die verschiedenen Veranstaltungen sowie die Sportheimbewirtschaftung – für beides werden immer weniger Helfer gefunden – sind aber die finanzielle Basis für einen reibungslosen Spielbetrieb und den Verein insgesamt: „Es fehlt aber an jungen Menschen, die sich einbringen“, bedauerte Hölz. Doch nur wenn alles rundlaufe könne der eingeschlagene Weg fortgesetzt und der Verein auf diesem hohen Niveau geführt werden: „Wir wollen doch alle, dass der TSV ein Aushängeschild bleibt.“ Dazu sei es unter anderem dringend notwendig, einen potenziellen Nachfolger für den Posten des Vorsitzenden zu finden, um ihn einarbeiten zu können: „Ich würde gerne schon heute Platz machen“, verdeutlichte Hölz. „Wir brauchen neue Gesichter und neue Ideen.“ Fakt ist, dass der Vorstand des TSV Wittlingen nun lediglich mit dem Posten des ersten Vorsitzenden besetzt ist und das ist laut Satzung in der Regel kein Dauerzustand. Für das Amt des Finanzreferenten gebe es eventuell eine Interessentin aus dem Kreis der Fußball-Eltern: „Es kommt einiges an Arbeit und Gespräche auf uns zu“, erklärte Hölz. Immerhin wird eine Mitarbeiterin auf Stundenbasis einige Aufgaben übernehmen, um vor allem die Stelle des Kassierers zu entlasten.

 Die bisherige Amtsinhaberin Margot Rueß verabschiedete sich sichtlich bewegt nach 20 Jahren aus dem arbeitsintensiven Ehrenamt, rund zwei Millionen Euro habe sie laut Konrad Hölz in dieser Zeit bewegt. Es sei an der Zeit, für jüngere und dynamische Menschen Platz zu machen, erklärte Margot Rueß: „Ich habe viel gelernt im Ehrenamt, das wird mich mein Leben lang begleiten.“ Sie habe viele positive Moment erlebt, die negativen seien schnell vergessen: „Ich möchte keinen Augenblick missen“, meinte Margot Rueß zum Abschied. Ehrenamt lohne sich, man müsse aus der bequemen Komfortzone raus und Verantwortung übernehmen.

 Diese Ansicht teilte auch Uli Krohmer, der angesichts des zunehmend mangelnden Interesses an einer Mitarbeit sogar von einem Armutszeugnis sprach. „Die viele Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt“, so seine ernüchternde Bilanz. „Wir müssen wieder zu mehr Gemeinsamkeit zurückkommen“, richtete er den dringenden Appell vor allem an die vielen Mitglieder, die nicht zur Hauptversammlung gekommen waren.

Knapp 1100 Einwohner hat Wittlingen, 643 Mitglieder zählt der Verein: „Da müsste sich doch jemand finden, der Verantwortung übernimmt“, gab Konrad Hölz die Hoffnung auf einen Nachfolger und die Besetzung der anderen Posten nicht auf. Noch müsse der TSV nicht in Panik ausbrechen: „Aber die Situation ist Ernst.“

38

Jahre bekleidet Konrad Hölz das Amt des TSV-Vorsitzenden. Weil für ihn kein Nachfolger zu finden ist, hängt er nun gezwungenermaßen noch ein Jahr dran.

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