An diesem Wochenende steigt der Bad Uracher Schäferlauf. Und rund 40 000 Besucher werden erwartet. Die Hoffnungen auf ein friedliches Fest sind groß – etwa auch aufgrund der Initiative „fair feiern“, im Rahmen derer sich etwa die Gastronomen am Marktplatz dazu verpflichtet haben, im Außenbereich in den Abendstunden auf Glasflaschen und Gläser zu verzichten. Außerdem ruft die Aktion bereits seit geraumer Zeit zu Toleranz und Respekt auf.

Aber auch wenn es gesittet zugeht – bei so vielen Menschen auf engstem Raum kann immer etwas passieren, auch angesichts der zu erwartenden hohen Temperaturen an diesem Wochenende. Die Rettungskräfte jedenfalls haben bei den früheren Schäferläufen schon einiges erlebt. Und sie sind vorbereitet, wie Thomas Leopoldt sagt. „Es gibt nichts, was es beim Schäferlauf nicht schon einmal gegeben hat. Umgeknickte Personen, allergische Reaktionen auf Schminke oder auch Insektenstiche“, berichtet der Bereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes in Bad Urach. „Nur eine Geburt hatten wir beim Schäferlauf noch nie – aber auch darauf sind wir vorbereitet.“ Zwischen 15 und 50 Einsätzen gab es in den vergangenen Jahren.

Leopoldts Zahlen beeindrucken: Mit mehr als 100 Einsatzkräften wird das Rote Kreuz den Schäferlauf sanitätsdienstlich absichern. Fünf Notärzte tun dabei ehrenamtlichen Dienst für das DRK, zehn Mann kümmern sich um die Feldküche, welche die Einsatzkräfte von Polizei, Rotem Kreuz und Freiwilliger Feuerwehr versorgen wird. Acht erfahrene Kräfte sind in der DRK-Einsatzleitung tätig, federführend gehört zu diesem Team neben Leopoldt selbst auch Heiko Kalmar vom DRK-Ortsverein Münsingen. Zusammen koordiniert das Führungsteam die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die vor Ort als kundige Ersthelfer bereit stehen.

Auch die Bergwacht hilft

Neben den 28 Mitgliedern der Bad Uracher Bereitschaft kommen zahlreiche ehemalige und aktive Freiwilligendienstleistende von der Rettungswache der Kurstadt, die eigens zum Schäferlauf das DRK vor Ort unterstützen. Was auch zahlreiche weitere Bereitschaften des Roten Kreuzes tun: Aus Münsingen, Metzingen, Pfullingen, Engstingen, Hülben und Römerstein kommen die Rettungskräfte zum Schäferlauf, außerdem unterstützt die Bergwacht Bad Urach das Rote Kreuz.

Am Rathaus, im Amtsgerichtshof, an der Festhalle sowie an zwei Stationen in der Zittelstatt richtet das DRK Sanitätsstellen ein, an die sich Hilfesuchende wenden können. Beim Festumzug selbst werden zudem 14 Fahrzeuge des Roten Kreuzes entlang der Route in Stellung gehen, 23 Trupps werden sich zu Fuß unter die Zuschauer mischen. Freigehalten wird zudem auch der Parkplatz des Finanzamtes. Sollte es doch zu einem größeren Aufkommen an zu versorgenden Personen kommen, dient dieser Platz als Aufstellfläche für weitere Kräfte und Fahrzeuge. Die Koordination der zahlreichen Einsatzkräfte erfolgt in erster Linie über Handfunkgeräte. Um eine optimale Erreichbarkeit zu gewährleisten, baut das Technische Hilfswerk aus Ofterdingen einen transportablen Funkmasten auf. Übrigens: Auch die Ofterdinger Helfer rücken nach der Vermittlung des DRKs ehrenamtlich und kostenfrei an.

Gesamtwehr im Einsatz

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Urach wird am Wochenende mit allen Abteilungen im Einsatz sein. Aufgabe der Feuerwehr ist unter anderem die Absicherung des Festzuges sowie der Notausfahrten. Zudem werden einige Löschfahrzeuge samt Mannschaft einsatzbereit gehalten, um bei Einsätzen trotz des Trubels in der Stadt schnell ausrücken zu können.

Auch für das Polizeipräsidium Reutlingen stellt der Schäferlauf ein Großereignis dar. Schon zur Laurenzia hatten Beamte den Marktplatz im Auge. „In den letzten Jahren kam es, abgesehen von den üblichen kleineren Zwischenfällen bei solchen Großveranstaltungen, wie etwa Ruhestörungen oder alkoholbedingten Körperverletzungsdelikten, zu keinen besonderen Vorkommnissen. Vergleichbare Vorfälle wie in Schorndorf hatten wir bis dato nicht zu verzeichnen“, blickt Pressesprecher Björn Reusch vom Polizeipräsidium Reutlingen zurück und ergänzt: „Auch zeichnet sich derzeit keine solche Lageentwicklung ab. Letztlich können aber bei solchen Festivitäten Gewalt- und Diebstahlsdelikte ebenso wie sexuelle Übergriffe nie gänzlich ausgeschlossen werden – und zwar gänzlich unabhängig von der Nationalität.“

Welche Kräfte das Polizeipräsidium mobilisiert, kann Reusch aus „taktischen Gründen“ nicht verraten. Die Polizei könne aber jederzeit „lageorientiert und flexibel reagieren“. Alle beteiligten Organisationen seien in die Vorbereitungen des Schäferlaufs und das Sicherheitskonzept intensiv eingebunden worden.

„Wir sind auf Einsatzmaßnahmen jedweder Art gut vorbereitet“, ist sich Reusch daher sicher. Zudem lobt der Pressesprecher ausrücklich die Initiative „fair feiern“, da diese „einen Beitrag zur Verhinderung des Alkoholmissbrauchs und dadurch bedingter Exzesse leistet“.