Ein Programm, an dem man immer wieder schluckt: „Weil’s enna drenn en Ruck duat, wenn’d tiafer gucksch.“ Weil jeder zweite Hit eine neue Albhymne sein könnte. Weil die Kulisse von „dr Oma Bäbale aus Grabastetta, dia guate Seel“ hinter so viele Älbler-Türen blicken lässt. „Die Traufgängerinnen“ aus St. Johann waren am Sonntag zu Gast bei der Bürgerstiftung in Bad Urach.

Eingestreute Ur-Weisheiten wie: „Liaber über sich nauswachsa als drüber neikomma“ gehören zum „Jetzt-Aber-Gefühl“ der Revue wie die karstig-garstigen Liebeserklärungen „an da Hurgler, Rotzlappa, liabschta Nasabär“. Ich liebe dich heißt „dohoim oifach: Dätsch me nemma wenn I di wett?“. Und eins ist ohnehin klar: „Schwäbische Liebesgedichte können tragisch sein.“ Dazu kommen kulinarische Unglücklichkeiten, zotige Mundart-Tiraden, zungenbrecherische Aufzählreime oder die verzwickten Hülbener Verwandtschaftsverhältnisse: All das im Programm der „Traufgängerinnen“ hat ergründlichen Tiefgang, wie die Zuhörer schnell merken.

Das erste Programm der „Traufgängerinnen“ ist reif. Es ist wertig und wichtig und es lacht so viel über sich selbst. Ein paar echte Kracher sind darin, dann hört das Publikum wieder Lyrik, die ganz tief berührt: melancholisch, hintersinnig, karg, echt und ein wenig anarchistisch: „Wunderbar, dia Alb. Am beschta lernt ma se kenna z’Fuaß oder mit am Flozzabedle.“ Weil: „Wenn de uff d’r Alb romlaufsch, no halt d’Gosch ond guck mit Hend ond Fiaß. No hörsch, riachsch ond schmeck’sch se“.

Wenig einfache Worte neu zusammengesetzt erzeugen diese wunderbare Melancholie: „An Sommerdag uff dr Alb – dia Schtille senkt sich aus blauer Luft ond schtreichlat di da ganza Dag.“ Auch der Albschäfer wird gewürdigt: „So schtill, aloi mit Wolka, Schof, Gras ond Schtoi.“ Mundart ist der Saitenklang der Seele, führt Til Eder in der Schlossmühle in die Alb-Revue ein, „des Menschen Eigenstes hat viel damit zu tun“.

Jede Gegend hat ihre Sagen, die ganz tief in der Kultur verwurzelt sind. Was an dera G’schicht von „Klopfjörgles Hütte uffam Kischpl“ dran ist, bleibt im Programm offen. Allgemeingut ist: Wenn es vor Tür und Fenster grausig stürmt und wettert „goht d’r Nachtgrapp om. No leg de ens Nescht ond ziag d’Decke über’n Grend“.

Die rasante Parodie „Aim tuu sexy for my Kiddlschuuz“ lässt das Publikum jubeln, der Ausflug zweier wortkarger Weiber nach „Aurich, om noch’m Onderstock gugack z’lau“ ist eine einzige seufzende Karikatur.

„D’r Mensch braucht a Scheible en da Ofa, sonscht friart’s sogar da Philosopha“, reimt sich Susanne Wahl zum eigenen Programm zusammen. Etwas ganz Besonderes an der Alb-Revue sind auch Wahls Alblandschaften, die sie aus dem eigenen Atelier als Kulisse ins Programm einbaut.