Sie gehört zum Schäferlauf wie der Metzgertanz, der Festzug oder der Bürgermeisterwalzer: „D’Schäferlies“. Ohne das Theaterstück von Hans Reyhing wäre das Uracher Traditionsfest nicht denkbar. Seit 1923 gehört der volkstümliche Konflikt zwischen Ackerfurche und Schäferweide zum festen Bestandteil des Festes.

Wie ist das Festspiel „D´Schäferlies überhaupt entstanden?

Als 1909 in Markgröningen das im Schäfermilieu spielende Theaterstück „Der treue Bartel“ gezeigt wird, steht für die Uracher Schäferlauforganisatoren fest: „So ein Stück brauchen wir jetzt auch.“ Neu ist dieser Wunsch beileibe nicht. Schon seit die Stadt Urach ab 1829 den Zunfttag der Albschäfer unter dem Namen „Schäferlauf“ weiterführt, hält man Ausschau nach einem festspieltauglichen Theaterstück.

Der Ursprung des Schäferlaufs

Davon erfährt 1869 auch der Direktor des „Uracher Sommertheaters“, das für einige Wochen in der Stadt gastiert. Geschäftstüchtig arbeitet er kurzerhand das Schauspiel „Der Graf von Urach“ zu einem Volksstück unter dem Titel „Der Ursprung des Schäferlaufs“ um, und lässt dieses im Garten des Gasthauses „Zum Schwanen“ aufführen. Obwohl das Ereignis groß angekündigt und bei der Vorstellung ein lebendes Lamm ausgelost wird, ist der Besuch der Vorstellung so schlecht, dass das Stück nie wieder aufgeführt wird. Vielversprechender erscheint das 1905 vom Ulmer Theater uraufgeführte Stück „Der rechte Weg“, eines aus dem Ermstal stammenden Autors, der sich hinter dem Pseudonym Theodor Paul verbirgt. Es spielt in Urach und seiner Umgebung und hat am Schäferlauf-Tag seinen dramatischen Höhepunkt.

Ein Stück fürs Jubiläum

Das Stück weist zweifellos Parallelen zum späteren Uracher Festspiel „D‘ Schäferlies“ auf. Aber die Übernahme der Ulmer Produktion scheitert an den hohen Kosten. Im September 1922 findet in Heidenheim an der Brenz erstmals seit 1828 wieder ein Schäferlauf statt. Der Uracher Schäferlauf-Organisator und Stadtpfleger Paul Neff ist dazu eingeladen und besucht am Schäferlauf-Nachmittag eine Vorstellung des Volksstücks „Am Brunnen vor dem Tore“. Er findet das Stück zwar nicht besonders ansprechend, wird aber in seiner Meinung bestärkt, dass Urach nun endlich auch ein Schäferlauf-Festspiel braucht. Und zwar schnell. Schließlich steht der Jubiläumsschäferlauf 1923 vor der Türe.

Nach seiner Rückkehr aus Heidenheim bespricht er sich mit seinem Freund Johannes Widmann. Dieser bringt als Autor gleich den Heimatdichter Hans Reyhing ins Spiel, ein ausgewiesener Kenner der Mittleren Alb und ihrer Bewohner. Oberreallehrer Johannes Widmann setzt sich umgehend mit Reyhing in Verbindung. Dieser teilt dann anfangs Dezember 1922 mit, dass er zwar „Lust dazu habe und allen guten Willen“, aber ihm verblieben ja nur wenige Monate um das Stück zu verfassen. Unter solchem Zeitdruck könne er beim besten Willen nicht schreiben.

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Hans Reyhing macht sich aber doch ans Werk und liefert das Manuskript des Festspiels rechtzeitig. Die kurzfristige Zusage von Reyhing bringt Stadtpfleger Hans Neff in Zeitnot, denn dieser muss nun für Kulissen, Bühnenausstattung, Kostüme, Beleuchtungseinrichtungen und vieles mehr sorgen und dies mitten in der Inflation, bei einer fast leeren Stadtkasse. Auch muss er nach Laienschauspielern Ausschau halten. Dabei kommt ihm zugute, dass es im Turnverein Urach 1847, dessen Vorsitzender er ist, viele Mitglieder gibt, die bei Vereinsveranstaltungen gerne ihr schauspielerisches Talent zeigen. Er bittet sie erfolgreich um ihre Mitwirkung bei der Uraufführung. Mit Feuereifer machen sich nun alle ans Werk, unterstützt auch von vielen Bürgern, deren Namen der Besetzungszettel nicht nennt. Trotz des Zeitdrucks stehen am 24. Juli 1923 die Kulissen auf der provisorischen Theaterbühne in der Turnhalle, die geliehenen Kostüme sind angeliefert, die ausgeborgten Scheinwerfer montiert und vor allem – das Stück ist einstudiert. Die Uraufführung wird ein großer Erfolg.

Reyhing als Glücksgriff

Die Verpflichtung von Hans Reyhing, „dem bekannten und beliebten Dichter und Verfechter des Heimatgedankens“ (Der Ermstalbote), erweist sich als Glücksgriff. Reyhing hat die anrührende Geschichte in eine Zeit hineingestellt, in der die Alb eine Umwälzung erlebt. Die Schäfer kämpfen um die Erhaltung der Weiden und damit um ihre Existenz. Die Bauern bemühen sich um eine sinnvolle Vergrößerung der Ackerflächen. Schäfer und Bauern werden unerbittliche Feinde. Unter dieser Feindschaft haben auch die Lies, die Tochter des Schäferbauern, und der Hannes, der Sohn des Kirchenbauers zu leiden. Aber Ende gut, alles gut. Die Familien versöhnen sich und der Hannes und die Lies werden ein Paar.

Schäferlauf Bad Urach 2019 Ansturm auf Schäferlauf-Tickets

Bad Urach

Seit 44 Schäferlauf-Jahren lädt der Schäferlies-Büttel zum „Spiel vom Schäferhannes und seiner Schäferlies“ ein. Und Hans Reyhings Theaterstück, in dem er Schicksale, Sitten und Gebräuche des frühen 19. Jahrhunderts auf den Dörfern rund um Bad Urach festgehalten hat, ist so sehenswert wie eh und je. Und dies ist 94 Jahre nach der Uraufführung nur möglich, weil die Bad Uracher ihre „Schäferlies“ von unzeitgemäßem Ballast befreien und in einen neuen Rahmen stellen. Im Auftrag der Stadt besorgt dies 1972 der Stuttgarter Theaterregisseur Klaus Heydenreich. Seine behutsame Überarbeitung, wird am Schäferlauf 1973 erstmals gezeigt. Mit großem Erfolg. Das Bühnenbild wird 1993 von Susanne Wahl erneuert, die Heydenreich-Inszenierung 1998 für eine Fernsehproduktion von Regisseur Jörg Ehni aufpoliert. Was es heißt, ein Festspiel nicht rechtzeitig dem Zeitgeschmack anzupassen, müssen vor einigen Jahren die Markgröninger erfahren, als plötzlich viele Stuhlreihen leer bleiben. Sie „entstauben“ (Stuttgarter Nachrichten) zu ihrem Schäferlauf im Jahre 2011 ihr Festspiel und bringen es erfolgreich „in neuem Gewand“ auf die Bühne. „Jetzt ist das Festspiel einem Musical nicht unähnlich“ schreibt die Bietigheimer Zeitung.

Aufführungstermine und Preise 2019

Aufführungsort ist die Festhalle in Bad Urach. Die Spielzeit beträgt zwei Stunden ohne Pause.

Termine
● Freitag, 12. Juli, 19:30 Uhr
● Montag, 15. Juli, 19:30 Uhr
● Mittwoch, 17. Juli, 19:30 Uhr
● Freitag, 19. Juli, 19:30 Uhr
● Sonntag, 21. Juli, 16:00 Uhr

Preise
●Logenplätze: Erwachsene 11 Euro, Kinder 6 Euro
●Parkettplätze: Erwachsene 9 Euro, Kinder 5 Euro

Vorverkauf täglich ab 10:30 Uhr in der Entdeckerwelt Bad Urach, Tel. 07125-943231.

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Die Aufführungstermine von „D’Schäferlies“


Heute Abend feiert das Stück die diesjährige Premiere in der Festhalle Bad Urach. Weitere Aufführungstermine: 17. Juli, 19. Juli, 21. Juli und 23. Juli. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten in der Entdeckerwelt (Bismarckstraße 21). Infos unter (0 71 25) 94 32 30. wag