An sechs Nachmittagen tauchten neun Jungen und Mädchen für jeweils anderthalb Stunden mit der Künstlerin Miriam Madaus-Kuhn tief ein in die Welt des Graffiti. Zunächst theoretisch: Bis die erste Spraydose in die Hand genommen wurde, vergingen erst einmal ein paar Kursstunden. Nun ist es fertig, das wohl erste Streetart-Kunstwerk, an dem junge Uracher mit deutschen oder anderen Wurzeln und Kinder aus Flüchtlingsfamilien miteinander gearbeitet haben. Organisiert hatten das Gemeinschaftsprojekt die Volkshochschule Bad Urach, der Arbeitskreis Asyl und das Jugendhaus. Finanziert wurde die Aktion durch Fördermittel aus dem "Jugend engagiert sich"-Topf. Und weil das Kunstwerk einerseits, aber auch die Zusammensetzung der Künstlergruppe andererseits etwas Besonderes ist, wurde zur Vernissage eingeladen und die Graffiti-Kunst offiziell enthüllt - vielmehr die Tür zum Musikraum, wo es sich an einer Wand befindet.

Zur Freude von Evelin Vogel von der Volkshochschule hatten zahlreiche Familienmitglieder, Ehrenamtliche des AK Asyl und Besucher des Jugendhauses Lust auf diese kleine, aber feine und doch außergewöhnliche Feier: "Wir möchten den Flüchtlingen die Möglichkeit geben, sich zu integrieren", machte sie deutlich. Es sei auf vielen Wegen möglich, miteinander in Kontakt zu kommen und die Kunst sei eben eine: "Die Sprache ist zwar der Schlüssel zur Integration", erklärte Evelin Vogel. "Wichtig sind aber auch Angebote im kulturellen und beruflichen Bereich." Der Kurs sei für die Teilnehmer eine große Herausforderung gewesen, die Dank stets anwesender ehrenamtlicher Helfer des AK Asyl gemeistert wurde: Immerhin mussten sprachliche Barrieren überwunden werden.

Auch Elmar Rebmann zeigte sich begeistert vom Projekt: "Die Teilnehmer haben toll zusammengefunden und sich kennengelernt", sagte der Bürgermeister. Er machte eines deutlich: "Integration ist keine Aufgabe, die morgen oder übermorgen endet. Sie fordert die ganze Nation über eine lange Zeit." Er sicherte VHS, AK Asyl und dem Jugendhaus zu, entsprechende Projekte gerade im Kinder- und Jugendbereich zu unterstützen. Denn sie seien für die jungen Flüchtlinge vor allem aus einem Grund wichtig: "Man bekommt den Kopf frei nach dem, was man alles mitgemacht hat."

Ein gelebtes Miteinander entwickelte sich während der Vernissage im Jugendhaus, die jungen Künstler präsentierten in dem einen Raum stolz ihr Kunstwerk und im anderen unterhielt eine international besetzte Trommelgruppe die Besucher. Auch kulinarisch gab es keine Grenzen: Neben klassisch deutschen Donauwellen gab es Süßes aus Syrien und italienisch angehauchte Pizza-Wecken.