Bad Urach Die Bilanz nach 50 Jahren: "Wir hätten viel früher heiraten sollen"

In der Altstadt hats gefunkt: Das Ehepaar Hildegard und Gotthilf Klöble feiert heute seine Goldene Hochzeit. Foto: Kirsten Oechsner
In der Altstadt hats gefunkt: Das Ehepaar Hildegard und Gotthilf Klöble feiert heute seine Goldene Hochzeit. Foto: Kirsten Oechsner
KIRSTEN OECHSNER 07.04.2012
Auf den Tag genau fünf Jahrzehnte nach ihrer Trauung in der Amanduskirche treten Hildegard und Gotthilf Klöble dort wieder vor den Traualtar: Das Ehepaar feiert heute Goldene Hochzeit.

Der Stiftskirche St. Amandus sind beide Goldene Hochzeiter eng verbunden: Schlossermeister Gotthilf Klöble hat dort viele schmiedeeisernen Arbeiten unter anderem am Brauttor ausgeführt, seine Ehefrau Hildegard wirkte dort 16 Jahre als Mesnerin. Und in diesen beiden Funktionen sind sie auch vielen Bad Urachern bekannt: Gotthilf Klöble ging nicht nur als Handwerker in vielen Haushalten ein und aus, er ist auch ein Alt-Uracher - geboren, aufgewachsen in der Stadt und ihr ein Leben lang eng verbunden. Davon zeugen auch die vielen Fotos aus alten Zeiten, die Gotthilf Klöble mit vielen Geschichten garnieren kann.

Nach fünf gemeinsamen Jahrzehnten mit Ehefrau Hildegard Klöble zieht er zufrieden Bilanz: "Wir hätten viel früher heiraten sollen", meint er rückblickend. Denn den Bund der Ehe gingen die Klöbles recht spät ein, der Ehemann war bereits 34 Jahre und seine Frau 36 Jahre alt. Geboren und aufgewachsen ist Hildegard Klöble im Danziger Umland, in den Wirren des Zweiten Weltkrieges flüchtete sie mit ihrer Familie über die Ostsee nach Dänemark. Nach zweijährigem Aufenthalt in einem Lager wurde die Schwäbische Alb zur neuen Heimat.

Gearbeitet hat die Ehejubilarin in der Buchhandlung Benz, die sich einst in der Kirchstraße befand. Und dort begegnete sie zwangsläufig immer wieder dem Handwerkersohn Gotthilf Klöble, der um die Ecke in der Altstadt lebte und arbeitete. Ihre Liebe für Bücher hat Hildegard Klöble später auch im Ehrenamt nicht losgelassen: Fast 30 Jahre war sie in der Bücherei im Hartensteinhaus aktiv, bevor sie vor wenigen Jahren in die Schlossmühle umzog.

In dritter Generation führt Gotthilf Klöble die Schlosserei, auch mit 84 Jahren kann er das Arbeiten nicht lassen und führt mit einem Gesellen Auftragsarbeiten aus. Die Familientradition endet jedoch mit Gotthilf Klöble: "Ich habe leider keinen Nachfolger." Auch Ehefrau Hildegard Klöble ist mit ihren 86 Jahren sehr aktiv und ist regelmäßig in der Stadt unterwegs: "Ich bin sehr beschäftigt, mache im Haushalt alles selber."

Die gemeinsamen fünf Jahrzehnte des Ehepaars sind wie im Flug vergangen, darin sind sich die beiden einig. Einen Wunsch hätten sie noch: Gerne würden sie Hildegard Klöbles Heimat noch einmal besuchen. "Mein Mann war schon drei Mal mit mir dort", freut sich die Jubilarin. Doch inzwischen wäre die Reise doch etwas anstrengend und die Enttäuschung eventuell groß: Der elterliche Hof existiert nicht mehr, wurde abgerissen.

Heute wird in großem Kreis gefeiert: Viele Verwandte und Freunde begleiten die Goldenen Hochzeiter zum Traualtar, später gehts zum gemeinsamen Essen ins Gasthaus.