Bauhofleiter Georg Schnitzler wäre gut beraten, er würde morgendliche Fahrten zu den Baustellen im Ort gegen eine Stunde Yoga eintauschen. Kleiner Sonnengruß, tief durchatmen. Vielleicht wäre Dettingens Bauhofchef dann besser gerüstet für das, was er und seine Leute neuerdings immer öfter feststellen: In der Ermsgemeinde fehlen Verkehrsschilder. Nicht nur da, wo saniert und gebaut wird – auch dort, wo die Tafeln generell das Tempo für Autofahrer vorgeben, finden die Verantwortlichen gerne nur noch kopflose Metallpfosten vor. Oder allenfalls die Löcher, in denen die Schilder verankert waren.

Was soll das, fragen sich auch Autofahrer und Anlieger, die die Schilder am Vortrag noch gesehen haben. „Die Tafeln werden definitiv geklaut“, ärgert sich Dettingens Bürgermeister Michael Hillert. Und die Gemeindevorderen wissen neuerdings auch weshalb. Gerade Temposchilder mit 30er, 40er, 50er und auch 70er-Aufdruck seien stark en vogue als Geschenk bei runden Geburtstagen.

So kann sich der Jubilar gleich sein Alter über die Sahnetorte pinnen, während draußen der Verkehr mit 60 Stundenkilometer durch die 30er-Zone brettert.

Bei allem Verständnis für nette Präsente – der Rathauschef ist über die Vorgänge not amused. „Das ist ein Unding, man kann doch nicht einfach die Schilder vom Masten nehmen“, regt sich Hillert auf.

Was nämlich wie ein Dummejungenstreich anmutet, kann ernste Folgen haben. Zum Beispiel, wenn wegen eines widerrechtlich abmontierten Verkehrsschildes ein Unfall geschieht. Nicht umsonst mahnen die Tempotafeln die Autofahrer gerade vor Schulen oder Kindergärten, auf die Bremse zu drücken. Und auch rund um Baustellen geht die Sicherheit vor.

„Wenn da etwas passiert, das wäre schlimm.“ Dabei ist es fast unmöglich, den Langfingern auf die Schliche zu kommen. „Es sei denn, man erwischt sie auf frischer Tat“, sagt Michael Hillert. Und dann kann das Vergehen richtig teuer werden, denn es handelt sich nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um Diebstahl. Das gilt übrigens nicht nur für Temposchilder, sondern auch für das Dettinger Ortsschild, das Unbekannte neulich beim Heiligenbrunnen entwendeten.

Wie Lenz oder Fucking

Dettingen ist indessen nicht die einzige Gemeinde, in der Schilderdiebe umgehen. Besonders hart trifft dieses Schicksal das Dörfchen Fucking in Öberösterreich – dort müssen die Einwohner regelmäßig das Ortsschild neu beschaffen und aufbauen. Ähnlich geht es den Verantwortlichen des Örtchens Lenz ins Sachsen. Begehrt ist dieses Schild laut der dortigen Bürgermeisterin vor allem als Geschenk für angehende Rentner: Die machen sich ja künftig gerne einen lauen Lenz.

Wie dem auch sei, die Verantwortlichen bei der Gemeinde Dettingen halten nun die Augen auf im Straßenverkehr. Wer etwas Verdächtiges entdeckt, möge sich im Ordnungsamt melden. Und wer erwischt wird, dem droht eine Anzeige, stellt Hillert klar.

Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, bietet Dettingen einen besonderen Service an: Wer unbedingt ein Temposchild zu einem runden Geburtstag verschenken will, den vermittelt Bauhofleiter Georg Schnitzler gerne an die zuständige Firma. Zahlen muss er allerdings selbst.

Verkehrsschilder: Finger weg von Tafeln und Tempoansagen


Ein Stoppschild ist für so manchen Autofan die perfekte Zimmerdekoration, und viele Eisenbahnerfreunde würden sich wohl über richtig ein „echtes“ Andreaskreuz über ihrer Modelleisenbahn freuen.

Wer sich seinen Wunsch mit dem Diebstahl von Verkehrsschildern erfüllt, begeht in vielen Fällen nicht nur einen einfachen Diebstahl, sondern einen Eingriff in den Straßenverkehr, der mit Geldstrafen und sogar Freiheitsentzug geahndet werden kann.

Das genaue Strafmaß hängt von den Umständen ab. Wer nicht wegen seines Wohnzimmerschmucks mit dem Gesetz in Konflikt geraten will, sollte nach legalen Wegen suchen.

Ab etwa 20 Euro können neue Verkehrsschilder im Internet bestellt werden. Auch der Dettinger Bauhof vermittelt bei Bedarf.