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Schäferlauf
Bad Urach / Regine Lotterer

Schäferlauf – Das Wort umfasst eine ganze Welt, beschreibt 300 Jahre Tradition und lässt jeden Uracher unwillkürlich strahlen. Generation um Generation begeistert sich immer wieder aufs Neue für das Heimatfest. Auch dieses Jahr rechnen die Kurstädter wieder mit 40 000 Gästen zum großen Umzug am 23. Juli. Damit der Besuch für sie zu einem unvergessliches Erlebnis wird, müssen viele Fäden beim Organisationsteam um Eberhard Knauer und Bernd Mall zusammenlaufen. Die erste Hürde ist dabei bereits genommen: 40 000 Flyer sind gedruckt, ein Teil wurde schon auf der CMT, der großen Stuttgarter Touristikmesse, verteilt.

Der Flyer ist dabei ein noch recht junges Kind der Uracher, 2015 wurde er zum ersten Mal aufgelegt, mit neuem Logo und frischem Design, um die Marke Schäferlauf zu stärken. Geschickt wird er beispielsweise an die Tourist-Informationen der Region, ins Gestüt Marbach oder ins Biosphärenzentrum. Der Gedanke dahinter: Wie viel Anfahrtszeit nimmt der Durchschnittsgast auf sich, um beim Schäferlauf dabei zu sein? Die Uracher gehen von etwa einer Stunde aus, auf diesen geografischen Kreis konzentrieren sie deshalb ihre Werbestrategie, wie Bernd Mall schildert.

Inzwischen haben die Uracher auch alle Trachten- und Musikgruppen angeschrieben, die sie beim großen Festumzug am Schäferlaufsonntag dabei haben wollen. Bis Ende März, so hofft das Orga-Team, sind die meisten Rückmeldungen im Rathaus eingetrudelt. Dann lässt sich abschätzen, ob die Mischung zwischen Laufgruppen, Kapellen und Gespannen passt oder ob nachzujustieren ist.

Wenn sich der Zug am Festsonntag in Bewegung setzt, dann folgt er einem straffen Zeitplan, erklärt Eberhard Knauer. Um 11 Uhr geht’s los, um 13 Uhr soll das Programm in der Zittelstatt beginnen. Damit die Gruppen, Kutschen und Wagen zügig vorankommen, begleiten sie etwa 30 Ordner. Viele sind seit Jahrzehnten dabei und wissen, was zu tun ist. Zu ihren Aufgaben gehört es nicht zuletzt, für den gleichmäßigen Fluss des großen Zuges zu sorgen. „Gerade für die Tiere ist es wichtig, dass es stetig vorwärts geht“, sagen die Organisatoren. Abbremsen, Stillstehen und den Festwagen dann wieder anziehen, das stresst die Pferde und kostet sie viel Kraft.

Damit die Tiere am Festwochenende tatsächlich parat stehen, müssen die Kurstädter frühzeitig in Marbach und bei erfahrenen Pferdehaltern vorstellig werden. Gleiches gilt  für die Verhandlungen mit den Schaustellern, die den Rummel in der Elsachstraße bestücken, auch ein Festwirt will gefunden sein. Bereit stehen müssen außerdem zahlreiche Helfer von DRK, Feuerwehr oder Bergwacht sowie die Festbändelverkäufer: Rund 600 sind am Schäferlaufsonntag in den Straßen der Altstadt, auf dem Festplatz und in der Zittelstatt unterwegs.

Ein Sieg verleiht Prestige

Derzeit kümmert sich das Orga-Team um das Thema Holzschäfchen. Noch ist nicht spruchreif, ob dieses Jahr wieder eine Herde an der Burgstraße weidet, die Chancen stehen aber wohl nicht ganz schlecht. Auch die Schulen können sich mit Ideen einbringen. Damit trägt das Orga-Team die Schäferlauf-Tradition bewusst in die junge Generation, die das Erbe der Altvorderen zumeist begeistert aufnimmt und neu für sich entdeckt. Dabei, sagt Bernd Mall, gehe es den Bad Urachern nicht einfach darum, ein Folklorefest zu zelebrieren. Vielmehr wolle die Stadt ihr großes Heimatfest nutzen, um den Schäfern im Land eine Plattform zu bieten: „Wir möchten Stellung beziehen und die Schäfer wieder stärker in den Fokus rücken.“ Das geschieht mit zunehmendem Erfolg beim Leistungshüten in Wittlingen. Der Wettkampf der Schäfer, sagt Mall, hat innerhalb der Berufsgruppe große Bedeutung. Ein Sieg verleiht Prestige und spricht nachdrücklich für die Fertigkeiten, die Schäfer und Hütehunde mitbringen.

Stress für Vereine

Während die Schäferlaufbegeisterung unter den Uracher Bürgern ungebrochen ist, schwächelt der traditionsreiche Marktplatzhock. Neun Vereine beteiligten sich 2015, weniger dürfen es nicht sein, sagen Knauer und Mall. Beide treffen sich demnächst mit den Vereinsvertretern, um über ein passendes Konzept zu beraten. Denkbar wäre beispielsweise, Kooperationen anzubieten, damit der Auf- und Abbau schnell klappt. „Auf den Vereinen lastet am Sonntag natürlich ein Riesendruck“, sagt Bernd Mall. Sobald der Festzug durch ist, fragen schon die ersten Kunden nach Roter Wurst und Steak.

Die enge Verbundenheit der Uracher mit ihrem Fest lässt sich nicht zuletzt an den vielen Fahnen ablesen, die die Häuser in der Stadt schmücken. Dazu pflegen viele Familien oder Freundeskreise ihre eigenen Schäferlauftraditionen, mit Fahnenweihe, Grillfesten, dem Ausflug zur Schäferlies oder zur Hauptprobe des Reigens. Und wenn erst einmal die Schäfermusik den Martha-Marsch spielt, sind auch beim Orga-Team alle Mühen vergessen. Die Melodie, sagen Knauer und Mall einmütig, „elektrisiert uns immer wieder“. Das berühmte Schäferlauffieber packt also auch erfahrene Verwaltungsmitarbeiter. Spätestens am Sonntagmorgen, schildert Bernd Mall, wenn die ersten Trachtenträger auf den Marktplatz strömen, die Kapellen mit klingendem Spiel durch die Straßen ziehen und spontane Platzkonzerte geben, „kribbelt es“. Der Schäferlauf ist eben etwas  ganz Besonderes, oder wie es der Büttel formuliert: „Da hat das Leben einen anderen Schlag.“

Das Programm des Festwochenendes

Gefeiert wird der 143. Schäferlauf vom 21. bis zum 24. Juli. Eröffnet wird das große Heimatfest, von dem die Uracher sagen, es sei das schönste im ganzen Land, am Freitag, 19.30 Uhr, im Festzelt. Auch die Schäferlaufgruppen sind an diesem Abend dort zu Gast. Am Samstag ist ab 7 Uhr auf dem TSV-Gelände in Wittlingen des Leistungshüten der Berufsschäfer. Der TSV bewirtet in gewohnter Weise mit Lammbraten und Leckereien vom Grill.
Die Bad Uracher Vereine laden von 16 bis 24 Uhr zum Hock auf dem Marktplatz ein. Am Schäferlaufsonntag spielt die Festmusik ab 5 Uhr zur Tagwacht, um 6 Uhr ertönen von den Höhen rund um Bad Urach Böllerschüsse.  Der kleine Festzug beginnt am Sonntag um 8.30 Uhr auf dem Marktplatz, der große Festzug startet um 11 Uhr. Das Programm in der Zittelstatt startet um 12 Uhr, das Ende ist gegen 15 Uhr. Das Festspiel Schäferlies feiert Premiere am 14. Juli, weitere Vorstellungen sind am 17., 19., 21. und 23. Juli in der Festhalle. Zuschauer erleben den Konflikt zwischen einem Bauern und einem Schäfer.

Weitere Informationen  gibt es unter www.badurach-schaeferlauf.de oder unter ☎ (0 71 25) 156 103.