Riederich Der Makel schafft das gewisse Etwas

Erich Geiger (links) und Susanne Beckh feiern Premiere: Ihre erste gemeinsame Ausstellung ist am Wochenende.
Erich Geiger (links) und Susanne Beckh feiern Premiere: Ihre erste gemeinsame Ausstellung ist am Wochenende. © Foto: Anne Laaß
Riederich / Anne Laaß 30.08.2018

Harter, kalter Edelstahl mit silbergrauen Farbfacetten trifft auf szenische, warme Malerei. Zumindest in Riederich, und zwar im Atelier von Erich Geiger. Der Ur-Riedericher hat sich gemeinsam mit seiner Künstlerkollegin Susanne Beckh für eine offene Ausstellung entschieden. Malerei trifft am Samstag, 1. September, von 11 bis 20 Uhr und Sonntag, 2. September, von 11 bis 18 Uhr auf Edelstahl. Platz dafür gibt es im Atelier. Dort wird bereits gewerkelt, schließlich sollen auch die Gemeinsamkeiten dieser beiden Kunstrichtungen verdeutlicht werden. So werden Bilder von Beckh auch in der Werkstatt zu sehen sein. Wo es sonst zu staubig ist, hängen nun die Gemälde. Denn, verbunden sind beide durch die Kunst, und vor allem durch die Leidenschaft der Perfektion.

Gespickt mit dem gewissen Etwas, erklärt Susanne Beckh. „Manchmal fehle es einfach an einem Punkt, der scheinbar gar nicht in das Bild passt, es aber dadurch zu etwas Besonderem macht“, so die Künstlerin. Bei Erich Geiger ist dieser Punkt das Material, mit dem er arbeitet. „Edelstahl macht nicht alles mit, was man im Kopf erdacht hat“, sagt Geiger. Darin liegen für den 64-Jährigen die Herausforderungen. Eine penible Planung ist bei seiner Arbeit wichtig, retuschieren ist nicht möglich. Im Besonderen bei den Wandobjekten, die kleinteiliger sind, sei eine gewissenhafte Planung das A und O.

„Das Auge des Betrachters ist mehr fixiert“, erklärt Geiger. Je kleiner etwas ist, desto mehr Einzelheiten würden auf den Betrachter wirken. Ein Teil des Kunstwerkes ist mit der Zeichnung bereits fertig, doch es tatsächlich in den Händen zu halten, zu sehen, ob das Material biegsam genug ist, gibt den nötigen Kick, um das Werk fertigzustellen. Außerdem, so Geiger, „muss das Objekt fertig werden, ich will wissen, wie es aussieht.“ Diese Faszination treibt den 64-Jährigen schon lange an. Angefangen hat es in Riederich, seiner Heimat. Zwar haben ihn verschiedene berufliche Angebote aus der Gemeinde locken können, doch Geiger blieb ihr treu. Auf die Frage warum, gibt es zunächst ein Lächeln. „Es ist das Bauchgefühl“, erklärt der 64-Jährige. Riederich habe etwas, dass ihn dazu bewogen habe, zu bleiben.

So hat er bereits an diversen Ausstellungen in der Region teilgenommen, unter anderem in Metzingen und Stuttgart. Für seine Metallobjekte erhielt Erich Geiger mehrere Preise. Noch während seiner Ausbildung zum Metallgestalter und den Gesellenjahren wurde er 1973 mit dem ersten Preis beim internationalen Wettbewerb in Dornbirn ausgezeichnet. 1989 wurde er zudem Dritter beim internationalen Schmiedewettbewerb in Stia, Italien. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat Geiger sich auch im Lehrerbereich etabliert. So unterrichtete er als Werklehrer an der freien Waldorfschule in Stuttgart, zuvor arbeitete er mit Hör- und Sprachbeeinträchtigten zusammen. 1982 gründete er sein Atelier, das heute in der Carl-Benz-Straße in Riederich angesiedelt ist. Für Edelstahlobjekte brauchte es schließlich ausreichend Platz.

Inspiriert wird Erich Geiger durch Improvisation. „Bei den feinen Objekten gibt es keine Zeichnung“, man mache einfach etwas daraus. Im Gegensatz zur Malerei, hakt Susanne Beckh ein. Für sie gibt es zahlreiche inspirierende Möglichkeiten. Eine philosophische Idee, ein Gedicht, eine bestimmte Farbe und auch ein Windobjekt Geigers, „in dem sich die unterschiedlichsten Farben widerspiegeln“, so die 64-Jährige. Bei ihr liege der Hang zum Künstlerischen in den Genen. „Ich kann es einfach“, sagt Beckh. Ihre Portraits sehen aus wie Fotografien, sind jedoch in detailreicher Kleinstarbeit gemalt worden.

Wichtig ist beiden Künstlern, dass sie zu ihren Arbeiten stehen können. Für sie zählt nicht nur die Idee, die ein Kunstwerk braucht, sondern auch die Umsetzung. Neben einem hohen Anspruch an sich selbst, sei es wichtig, Spannung in das Werk zu bringen. Wie eine Komposition für die Philharmonie. „Ein Kunstwerk muss genauso ansprechen, wie ein Musikstück“, sind sich beide einig. Denn dann mache Kunst auch glücklich. Davon können sich die Besucher an diesem Wochenende nun selbst ein Bild machen.

Detailreiche Arbeiten

Susanne Beckh lebt und arbeitet in Esslingen am Neckar. Ihre Bilder sind teils spontane und sehr farbkräftige Schöpfungen, die zwischen abstraktem Spiel und Bilderfindung hin- und herpendeln. Die 64-Jährige will mit ihren szenischen, abstrakten Bildern und der Landschaftsmalerei auch dazu anregen, die Gemälde nicht nur zu betrachten, sondern sie auch zu erkunden. Außerdem befasst sich Beckh mit Portraitmalerei in Öl. Eine diffizile Aufgabe, bei der die Künstlerin besonderes Augenmerk auf kleine Details hat.

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