Bad Urach Der Ideengeber tritt ab

Die Ehrennadel des Landes gab es für Gerhard Schwenninger.
Die Ehrennadel des Landes gab es für Gerhard Schwenninger. © Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / Von Kirsten Oechsner 15.04.2018

Gerhard Schwenninger und der Verschönerungsverein sind seit 15 Jahren untrennbar miteinander verbunden, am Samstag endete nun die Ära des umtriebig-beharrlichen Gründungsvorsitzenden. Zum Abschied vom offiziellen Amt gab’s bei der Hauptversammlung gleich zwei Würdigungen für seine Verdienste: Der 79-Jährige wurde mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet, die Mitglieder ernannten ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.

 Mit der Himmelsleiter hatte 2002 alles angefangen: Gerhard Schwenninger machte sich auf die Suche nach dem früher beliebten Weg hinauf zum Haus auf der Alb – einst hatte er durch Streuobstwiesen geführt, nun war der Pfad vom Wald überwuchert. Schwenninger wollte ihn wieder freilegen, suchte per Anzeige Mitstreiter und Willy Teufel meldete sich. Es folgte eine rasante Entwicklung: Zur Gründungsversammlung am 12. November 2003 kamen 30 Uracher, heute zählt der Verschönerungsverein 280 Mitglieder und ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Spektakulär zum Teil die Aktionen – erinnert sei an die Hubschrauberaktion im Jahr 2006 zur Renovierung des Michelskäppele – und vielfältig die Einsatzorte – ob nun Brunnen und die Skisprungschanze gerichtet, Bänke aufgestellt oder Grillstellen gesäubert werden. Die Mitglieder, die Blumenfrauen wie auch die Männer des Bautrupps, verschönern nicht nur die Stadt, sondern sorgen auch für den Zusammenhalt unter den Einwohnern: Im Winter ist die Glühweinhütte ein beliebter Treffpunkt.

 Über all diesen Aktionen stand 15 Jahre Initiator, Motivator und Ideenlieferant Gerhard Schwenninger: „Sie haben der Stadt einen Mehrwert beschert“, führte Bürgermeister Elmar Rebmann aus. „Sie haben immer verstanden, ihre Leute zu motivieren und waren die treibende Kraft für die vielen Aktionen.“ Ein ehrenamtliches Engagement, das in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich sei: „Die Leistungen von Menschen, die sich für andere einsetzen sind wichtig“, betonte er. Gerhard Schwenninger sei geradezu ein Paradebeispiel dafür – nicht zuletzt weil zu seinen Charakterzügen Beharrlichkeit zähle und er sich, so der Bürgermeister, „durch einen im positiven Sinne Dickkopf“ und viel Leidenschaft auszeichne. Das „große und dicke Dankeschön“ verband Rebmann mit einer Würdigung, ausgesprochen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Der Bürgermeister überreichte Gerhard Schwenninger die Ehrennadel des Landes. Eine Überraschung, die den sonst wortgewandten Geehrten fast sprachlos machte: „Das muss ich jetzt erst einmal verdauen“, meinte er sichtlich gerührt. Seinen Dank gab Schwenninger an seine Mitstreiter weiter, er sei zwar „der Mann der verrückten Ideen“ wie einem SWP-Artikel gestanden war: „Aber man braucht dazu auch Leute, die sie umsetzten“, führte er aus. „Ich verneige mich vor Euch, denn ohne Euch wäre es nicht gegangen.“

 Den Dank gaben ihm die Mitglieder postum wieder zurück, indem sie Gerhard Schwenninger zum Ehrenvorsitzenden wählten. Er sei 15 Jahre lang nicht nur das Gesicht des Verschönerungsverein und Ideenlieferant gewesen, so der zweite Vorsitzende Wilfried Gollmer, sondern habe den Verein auch aufgefangen, wenn er ins Straucheln geraten sei, habe ihn vor Angriffen geschützt und auch in schweren Zeiten nie den Glauben an ihn verloren. Er sei zwar der engagierte Mann an der Spitze gewesen, aber: „Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass der Verschönerungsverein seinen Platz in der Stadt hat“, meinte Schwenninger. „Mit Stolz kann ich einen funktionierenden Verein in andere Hände übergeben.“ Geführt wird er künftig von Helmut Leopoldt, der einstimmig zum zweiten Vorsitzenden in der Vereinsgeschichte gewählt wurde. Der kann mit einem eingespielten Vorstandsteam arbeiten. Die Verantwortlichen stellten sich wieder zur Wahl: „Nur mit Euch gemeinsam kann ich meine neue Aufgabe erfüllen und in sie hineinwachsen“, so Leopoldt.

 „Das war’s“, fasste Gerhard Schwenninger am Ende einer bewegenden Hauptversammlung seine 15 Amtsjahre zusammen. Doch ganz zurück zieht er sich (noch) nicht, er wird sich als „Hausmeister“ um das 2006 eröffnete Vereinsgelände Merzhausen kümmern.

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Jahre lang führte Gerhard Schwenninger die Geschicke des Bad Uracher Verschönerungsvereins. Nun gab er den Staffelstab an seinen Nachfolger Helmut Leopoldt weiter.

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