Dettingen Der Herr über Zahlen und Finanzen

Der aktuelle Etat war sein letzter Streich: Der scheidende Kämmerer Karl Reusch mit dem Haushaltsplan für 2018.
Der aktuelle Etat war sein letzter Streich: Der scheidende Kämmerer Karl Reusch mit dem Haushaltsplan für 2018. © Foto: Christina Hölz
Dettingen / Christina Hölz 19.07.2018
Karl Reusch ist 40 Jahre im Amt, ein Finanzfachmann vom alten Schlag. Heute wird der Kämmerer in den Ruhestand verabschiedet.

Sein Arbeitsplatz im Dettinger Rathaus ist so alt wie die Neuwiesenhalle mitsamt Hallenbad. Ausrufezeichen. Als Karl Reusch im Frühjahr 1978, zunächst als stellvertretender Finanzchef, bei der Gemeinde anheuerte, stand gleich der Spatenstich für die neue Freizeitanlage an. Und der Zahlenfuchs Reusch bleibt sich treu – er hat die damalige Bausumme noch auswendig parat: „Das 6,3-Millionen-Mark-Projekt war eine Großaufgabe für Dettingen“, sagt der 65-Jährige. Viele Bürger hatten sich damals ein Hallenbad gewünscht. Und um den Bau zu verwirklichen, habe sich sogar ein Förderverein gegründet. „Die Mitglieder füllten mit ihrem Engagement einen Bausparvertrag.“

Wenn einer aus der Rathaus-Belegschaft noch solche Geschichten erzählen kann, dann ist das Dettingens Kämmerer. Wenn einer die Entwicklung der Ermsgemeinde vom einst landwirtschaftlich geprägten Ort zur heute gefragten Industrie-und Wohngemeinde begleitet hat, dann ist das Karl Reusch. Und wenn einer die Ausgaben für sämtliche Großbauten in den vergangenen vier Jahrzehnten gedreht und gewendet hat, dann ist das ebenfalls der scheidende Finanzchef. Nach der Sitzung des Gemeinderates heute Abend (18.15 Uhr) will Bürgermeister Michael Hillert den künftigen Pensionär in den Ruhestand verabschieden. Offiziell. Seinen letzten Arbeitstag hat Karl Reusch erst am 10. August. Und so lange bleibt er Herr über die Zahlen und Finanzen der Kommune. Seit 38 Jahren ist er das an vorderster Front, denn 1980, zwei Jahre nach seinem Start in Dettingen, hatte Karl Reusch den damaligen Kämmerer im Amt beerbt.

Als junger „Inspektor“ war der in Glems aufgewachsene Reusch nach Dettingen gekommen. Gelernt hatte er zuvor in Riederich, noch unter dem dort langjährigen Schultes Alfred Barner. Eine Station beim Landratsamt in Reutlingen, Studium an der Verwaltungsfachhochschule, damals noch in Stuttgart. Und dann begann ein Berufsweg, wie ihn heute nur noch wenige Arbeitnehmer gehen: 40 Jahre im Dienst einer Gemeinde. Klar, dass Karl Reusch ein Zeitzeuge ist, was die Entwicklung Dettingens betrifft.

Als der ehemalige Glemser, der seit 29 Jahren in Dettingen wohnt, sein Amt antrat, war der Ort deutlich kleiner als heute. In der derzeit 9500 Einwohner zählenden Gemeinde lebten damals gut 2000 Menschen weniger. Die Bundesstraße 28 führte mitten durch Dettingen, an einen schmucken Marktplatz wie heutzutage war nicht zu denken. Karl Reusch zimmerte den Investitionsplan unter Altbürgermeister Rudolf Beutler, als nach dem Bau der Umgehung die ehemalige Hindenburgschule zum Bürgerhaus am Anger wurde und dort der Zillenhart-Saal entstand.

1987 siedelte der Kämmerer mit der Verwaltung vom Alten Rathaus ins heutige Schlössles-Domizil neben der Stiftskirche. „Eingezogen sind wir ohne Sitzungssaal, denn der war noch nicht fertig.“

Ob Kirchplatz oder Mühleplatz, alles sollte neu gestaltet werden. Auch mit der Erschließung immer neuer Baugebiete entwickelte sich der Ort immer weiter. So sanierten die Dettinger 1996 für sechs Millionen Mark das Freibad, ebenfalls ein Großprojekt. Das größte Vorhaben in Reuschs Ägide war dann der Neubau der Schillerhalle im Jahr 2009. Das Ganze kostete 9,3 Millionen Euro, was nur getoppt wird vom Umbau der Schillerschule. Veranschlagt ist knapp das Doppelte, abgerechnet wird da aber erst in zwei Jahren.

Kurz, finanziell war Dettingen meist gut gestellt („Grundstückverkäufe haben neben der Gewerbesteuer immer wieder Geld in die Kassen gespült“), urteilt Karl Reusch. Aber der Finanzfachmann hat auch anderes erlebt. Im Krisenjahr 2009 rauschte die Gewerbesteuer von zuvor 8,7 Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro in den Keller. Und nicht nur, wenn es eng wurde, ist Karl Reusch mit klugen Haushaltsreden aufgefallen. Er gab immer wieder den politischen Mahner, scheute nicht die Kritik an Gesellschaft und Zeitgeist. Und mit seinen Prognosen traf er oft ins Schwarze.

Den Kommunalpolitikern wird die sachlich-kompetente und ruhige Art des Kämmerers fehlen. Während Karl Reusch bald mehr Zeit für Gymnastik, Volleyball und seine „Selbstversorgerwirtschaft“ hat, steht sein Nachfolger schon bereit: Im September übernimmt Daniel Gönninger, bislang „Vize“ in der Finanzverwaltung. In einem Punkt schließt sich der Kreis: Auch der neue Finanzchef stammt aus Glems.

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