Kinofilm Der Bäckerkrieg wird zum Straßenfeger

Filmgespräch vor ausverkaufter Kulisse im Bad Uracher Kino „forum 22“: „Laible und Frisch“-Erfinder Frieder Scheiffele (rechts) und die Darsteller Simon Licht (Mitte) und Winfried Wagner touren derzeit durch die Kinosäle der Region.
Filmgespräch vor ausverkaufter Kulisse im Bad Uracher Kino „forum 22“: „Laible und Frisch“-Erfinder Frieder Scheiffele (rechts) und die Darsteller Simon Licht (Mitte) und Winfried Wagner touren derzeit durch die Kinosäle der Region. © Foto: Thomas Kiehl.
Dettingen / CHRISTINA HÖLZ 01.01.2018
Die Filmvariante der Bäckerstory „Laible und Frisch“ hat einen Senkrechtstart hingelegt.

Besucherrekorde an einer Tour: Der schwäbische Bäckerkrieg startet zahlenmäßig im Kino so fulminant wie die Geschichte des Spielfilms „Do goht dr Doig“: Im Film nämlich schwebt Schauspieler Simon Licht, alias Großbäcker Manfred Frisch, geradezu königlich mit dem Fallschirm auf dem Bad Uracher Marktplatz ein. Saubere Landung – sauberer Auftakt für die Filmproduktion des Dettingers Frieder Scheiffele: Die Kinovariante seiner Bäckerstory „Laible und Frisch“ (bereits als TV-Serie und Theaterstück erfolgreich) hat zwischen den Jahren für ausverkaufte Vorstellungen gesorgt. Sowohl im Bad Uracher Kino „forum 22“ wie auch im Reutlinger Cineplex „Planie“ plauderten Darsteller und Filmemacher vor rappelvollen Sälen aus dem Set-Nähkästchen.

Produzent Frieder Scheiffele und die Schauspieler Simon Licht sowie Winfried Wagner (er gibt den Bäckermeister Laible) sind dieser Tage auf Promotion-Tour durch Baden-Württemberg, inklusive Autogrammstunde in einer Bad Uracher Buchhandlung. Am 28. Dezember feierte der Film den offiziellen Leinwand-Start – doch zumindest im Landkreis Reutlingen, dem Stammland der Bäckergeschichte, läuft das Kinoprojekt bislang fast von alleine. Rund 600 Laible-Fans waren allein am Freitag in die verschiedenen Vorstellungen des Reutlinger Planie-Kinos geströmt, bilanzieren die Verantwortlichen des Lichtspielhauses. „Und das trotz Konkurrenz der „Star-Wars“-Helden“, freut sich „Laible und Frisch“-Erfinder Frieder Scheiffele.

Blick ins Schäferlauf-Volk

Für ihn gibt es nach den Vorstellungen ein Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährten aus alten Bad Uracher Schulzeiten, die dem Dettinger zum Kinofilm gratulieren. Und klar: Die  Einheimischen entdecken auf der Leinwand viel Vertrautes wieder, denn bekanntlich hat die Crew einen Großteil des Films im Ermstal und in Reutlingen gedreht.

So jagt Drehbuchautor Sebastian Feld seine Protagonisten gleich anfangs in einer etwas anderem Rallye rasant durch die Uracher Wilhelmstraße (bitte anschnallen). Der am Ende doch noch sympathische Bäcker-Clanchef Manfred Frisch blickt vom alten Sitzungsaal des Bad Uracher Rathauses direkt ins Schäferlaufvolk (es war die Kulisse von 2015), und der gewichtige Laible-Senior lässt sich im Hotel auf der Reutlinger Achalm die verspannten Muskeln durchkneten.

Landschaft und Industriekultur gibt es obendrein: Die Kamera umkreist Dettingen, das als Ortsansicht fürs fiktive Örtchen Schafferdingen dient (die Uracher Amanduskirche mutete den Machern zu städtisch an), sie streift  Ermstäler Streuobstwiesen, und auch das Metzinger Henning-Areal wird in Szene gerückt.

Kurz, mehr Lokalkolorit geht nicht. Aber nicht nur das tut dem Film gut. Die Regie haucht der Kinovariante deutlich mehr Tempo ein als der Serie, die hier und da (charmant) behäbig daherkommt. Dass der in vielen TV-Produktionen gefragte Simon Licht (Stromberg) als Unternehmer ohne Imperium zur Hochform aufläuft, ist ein weiteres Plus für die Story.

Mit einem Budget von gut 1,4 Millionen Euro hat Scheiffeles Firma Schwabenlandfilm den Kampf zweier ehemals konkurrierender Bäckerfamilien gegen die Übernahme durch eine Heuschrecke inszeniert. Weil die Berliner Filmförderung knauserte („auf Bundesebene sah man ein schwäbisches Kinoprojekt als nicht wirtschaftlich an“), setzten die Macher auf  ein Crowdfunding, also eine Finanzierung durch Fans und Betriebe. Knapp 60 000 Euro kamen so zusammen, gut 500 Leute brachten sich ein, berichtet Frieder Scheiffele, der von einer „tollen Unterstützung in der Region“ spricht.

Angelaufen ist „Do goht dr Doig“ nun in 46 Kinos ausschließlich im Südwesten. Für einen bundesweiten Kinostart hätten die Filmemacher weitere 100 000 Euro in Werbung investieren  müssen. Doch vielleicht klappt’s überregional ja mit einem zweiten „Laible und Frisch“-Film: Eine Fortsetzung soll folgen – „das Drehbuch steht schon“, verrät Frieder Scheiffele.

Allerdings baut der Produzent da weiterhin auf viele Zuschauer: „Je mehr Leute ins Kino gehen, desto eher gelangen wir an Fördergeld.“

„Do goht dr Doig“ Weitere Vorstellungen

Das Bad Uracher Kino „forum 22“ zeigt den Kinofilm zu „Laible und Frisch“ noch bis zum 4. Januar, täglich um 18.15 und 20.30 Uhr.

Anschließend läuft die Komödie im Metzinger Luna-Theater, und zwar bis Mittwoch, 11. Januar, um 18.15 Uhr und 20.30 Uhr, von Donnerstag bis Sonntag auch um 14.00 Uhr. Bis zum 3. Januar zeigt das Reutlinger Planie-Cinplex den Film mehrmals täglich.

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