Bad Urach Demokratie verstehen lernen

Bereits im März traf sich die SPD-Fraktion mit Bad Urachs Schülersprechern. Der Dialog soll fortgesetzt werden. Möglichst im Rahmen eines kommenden Jugendforums.
Bereits im März traf sich die SPD-Fraktion mit Bad Urachs Schülersprechern. Der Dialog soll fortgesetzt werden. Möglichst im Rahmen eines kommenden Jugendforums. © Foto: Privat
Von Simon Wagner 07.07.2018

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“ Was wie eine missgünstige Bestandsaufnahme aus heutigen Zeiten klingen mag, stammt tatsächlich aus der Feder eines griechischen Philosophen, namens Sokrates. Wie sich doch die Zeiten gleichen: Auch schon etwa 400 vor Christus hatte man sich nichts Gutes über die nachfolgende Generation zu berichten.

Damals wie heute geht man also kopfschüttelnd auf Abstand und lobt lieber die eigene Vergangenheit. Einen anderen Weg hingegen hat die SPD-Fraktion im Bad Uracher Gemeinderat im Sinn. Statt über, will sie mit der Jugend reden, ihr auf Augenhöhe begegnen und ihre Anliegen ernst nehmen. Gelingen soll das mithilfe eines Jugendforums, das nach Wunsch der Sozialdemokraten erstmals in Bad Urach stattfinden soll. Einen entsprechenden Antrag haben die Genossen bereits bei der Stadtverwaltung eingereicht. Voraussichtlich im Herbst soll er im Gremium beraten werden, damit das Forum – bei Zustimmung der übrigen Räte – spätestens im Frühjahr stattfinden kann.

Anlass ist nicht nur, aber auch, Paragraf 41a der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Dort heißt es: „Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen.“ Ganz im Sinne von Fraktionschefin Marlene Eggert und ihrem Parteikollegen Martin Lorenz. „Jede Generation hat ihre eigenen Vorstellungen, wie sie ihr Leben und ihre Lebensbereiche gestalten wollen“, unterstreicht Lorenz und betont: „Wir wollen allen Gehör verschaffen.“

Auch weil – abseits von Jugendschelten – ein gesellschaftlicher Trend abzulesen sei, der unter anderem von Populismus, Aggressivität und Politikverdrossenheit geprägt sei. Deshalb sei es angezeigt, Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich zu zeigen, wie Demokratie funktioniere und wie wichtig sie für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft sei, so die Meinung der Fraktion. Interessen abwägen, Kompromisse erarbeiten, mitgestalten: „Wir wollen die Jugendlichen für Demokratie begeistern.“

Und mit einem projektbezogenen Jugendforum sei genau das zu erreichen. Mehr noch als mit einem zeitaufwendigen Jugendgemeinderat. Eingebunden dabei vielfältige Akteure, die mit Jugendlichen regelmäßig zusammenarbeiten und um deren Einstellungen und Sichtweisen wissen. Dabei sollen die fünf Top-Themen identifiziert und später natürlich auch die Jugendlichen selbst zu Wort kommen. Mit der Unterstützung von Paten aus dem Gemeinderat oder der Verwaltung, sollen die in Arbeitsgruppen erarbeiteten Themen später auch umgesetzt werden. Denn, so heißt es in dem SPD-Papier: „Ein Jugendforum hat nur Sinn, wenn der Gemeinderat ernsthaft bereit ist, den Jugendlichen Gehör zu geben.“

Gehör verlieh die Bad Uracher SPD-Fraktion bereits im März den hiesigen Schülersprechern. Sie zeigten durchaus Interesse, sich politisch einzubringen. Auch wurden schon erste Themen genannt: Unter anderem schlechte Busverbindungen und fehlende Treffpunkte wurden beklagt.

Es war dies nur ein erstes Beschnuppern, möglichst viele Gelegenheiten sollen noch kommen. Möglicherweise können so auch Missverständnisse geklärt werden, die einst schon Sokrates anleiteten – und mit ihm alle folgenden Generationen.

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Themengebiete sollen identifiziert werden, die später im Rahmen eines Jugendforums von den Jugendlichen bearbeitet werden. So die Idee der SPD-Fraktion.

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