"Sie kennen ihn alle", sagte Bernd Wacker, Vorsitzender der Bürgerstiftung, die Winfried Wagner erneut zu einem Abend des schwäbischen Humors eingeladen hatte. Und nicht nur das zahlreiche Publikum kennt ihn als Buch- und Drehbuchautor, als Kolumnist und von Bühnenauftritten, und nicht zuletzt als Schauspieler in der Fernsehserie "Laible und Frisch". Winfried Wagner ist nicht nur körperlich ein Schwergewicht, sondern auch eines des Humors. Und da verbinden sich wacher Geist, selbstironische Betrachtung, schwäbische Befindlichkeit und wortreicher Ausdruck nur allzu menschlicher Erfahrungen. Ja, es ging an diesem Abend wieder um die Wahrnehmung aus eigener Perspektive, was die Hörer doch so gut nachvollziehen können.

Natürlich geht es immer wieder ums Essen, diese lebenserhaltende und doch so lustvolle Tätigkeit, diese, wenn auch kurzzeitige, Freude über noch so kleine Siege standhafter Behauptung. Mit den Briefen an einen "liaben Fraind" hat der Humorist ein ideales Medium gefunden, sich in Gestalt des Eugen Emberle und dessen Frau Elfriede zu offenbaren mit seinen Vorstellungen, Wünschen, Begegnungen. Und, was Winfried Wagner von der Elfriede liest, wie sie in ihrem schwarzen Badeanzug im Thermalbad das Kneippfußbad zum Überlaufen bringt, das mag wohl übertrieben sein, doch gerade die Überhöhung gestattet, individuelle Befindlichkeit nachempfinden zu können. Ja, es braucht schon mal etwas länger, sich in Schlanke hineindenken zu können.

So entwickelt sich der Zahnarztbesuch zur Offenbarung einer ganzen Skala von Gefühlen, die den meisten Menschen nicht fremd sein dürften. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, heißt es gemeinhin. Eine "dramatische Geschichte" kündigte Winfried Wagner an. Die hat es denn auch in sich, geht es doch um seine Hüftoperation. Sein Tagebuch darüber gibt Auskunft über Schmerzen, Befürchtungen, Operationen, Komplikationen. Aber auch hier bleiben sie nicht aus, die humoristischen Auslegungen empfundener Qualen, befürchteter Wendungen, erlittener Sorgen. Da drohen Keime von der Raumdecke, die nur auf gewichtige Patienten warten, bei denen sie die größte Angriffsfläche haben. Da scheint die Schwester eine Voodoo-Puppe zu traktieren, wenn sich stechende Schmerzen bemerkbar machen.

Bei allen Schmerzen und Befürchtungen: Ein Humorist lässt sich nicht unterkriegen, verliert seine innere Stärke nicht. Die ist nämlich gespeist aus einem unverwüstlichen Optimismus, aus einem Quell komischer Situationen, was dem Lachen so wohl tut. Nach solch einer leidgeprägten Darstellung gesundheitlicher Ausnahmesituation waren es wieder die rein vergnüglichen Geschichten, die Winfried Wagner darbot. Der Besuch im Sportstudio, der nächtliche SEK-Einsatz im Wohngebiet, die Erfahrungen im Schnellrestaurant der 80er Jahre, der Discotheken-Besuch und der Anfängerkurs bei der Skiausfahrt - das Publikum amüsierte sich köstlich.

"Ich brauche immer Geschichten" konstatiert der Humorist. Die gehen ihm wohl auch nicht aus. Schließlich gibt es immer wieder Situationen im Leben, deren Komik man wohl erst erfassen kann, wenn man über ein solches Talent wie Winfried Wagner verfügt. Winfried Wagner ist dem Publikum so vertraut, dass es mühelos für Zugaben Vorschläge machen kann. Da war dann auch noch vom Sauna-Besuch zu hören, bei dem die Schamgrenze bis ins Äußerste belastet wird. Natürlich gab es viel Beifall, natürlich signierte er seine Bücher im Anschluss. Und natürlich kann man ihn in der Komödie im Marquardt erleben. Und man kann sich freuen auf einen Kinofilm über "Laible und Frisch".