Bad Urach Das Unangenehme einfach vergessen

Der Blick auf den Lichthof zeigt, dass viele Ehemalige zusammen gefeiert haben.
Der Blick auf den Lichthof zeigt, dass viele Ehemalige zusammen gefeiert haben. © Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / Kirsten Oechsner 23.07.2018

Die rund 800 Festgäste trennten Generationen – und doch hatten die ausgelassen Feiernden vom Jung-Rentner bis zum Mittzwanziger eines gemeinsam: Sie besuchten einst das Graf-Eberhard-Gymnasium (GEG).

Die meisten verließen die Schule mit dem Abitur in der Tasche – 1972 die ersten und damit ältesten des Ehemaligen-Treffens, vor wenigen Wochen die diesjährigen Abiturienten. Am Freitag kamen sie alle in locker-entspannter Runde zusammen: Der etwas in die Jahre gekommene Professor und die Bachelor-Studenten, der Firmeninhaber und die Auszubildenden, der einstige Streber und diejenigen, die sich mit Ach und Krach zum Abitur geschleppt hatten.

Die Schule war nicht für alle stets ein Hort der Glückseligkeit und des inneren Friedens, viele Kämpfe wurden mit den Lehrern ausgefochten. Doch wer sich aufs Ehemaligentreffen eingelassen hatte, der ließ verunglückte Vokabeltests, Tagebucheinträge und Blackouts bei Klassenarbeiten hinter sich. „Das Unangenehme vergessen sie einfach“, hatte auch Schulleiter Friedemann Schlumberger bei der Begrüßung geraten. Er selbst freue sich auf die Zeitreise, verkündete er: Seit 1981 am GEG, hatte er 1983 seinen ersten Jahrgang zum Abitur gebracht. „Ich kenne also fast alle hier“, machte er 35 Jahre später deutlich und hatte dennoch eine Bitte. „Helfen sie mir, falls ich sie doch nicht erkenne.“ Das ging indes nicht nur ihm so, selbst ehemalige Klassenkameraden mussten sich erst einmal orientieren und ihre Identität lüften: „Manche haben sich gar nicht verändert, andere total“, hieß das Fazit eines Besuchers, der in den 80er-Jahren sein Abitur gemacht hat.

Für viele der Ex-GEG’ler war es der erste Besuch des Gebäudes nach zum Teil 40 Jahren und die Überraschung war groß: Die „Aua“, das einstige Strafzimmer, gibt es längst nicht mehr. Und auch die Zeiten des Sprachlabors sind schon ewig vorbei. Kaum geändert haben sich indes die Fachräume – Physik, Chemie und Biologie. So manche Erinnerungen kamen hoch, nicht immer positiv. Unverändert auch der Lehrerzimmertrakt: „Da hat doch mal ein Abi-Jahrgang eine Mauer hochgezogen“, erinnert sich ein Besucher. Klar, die 1981‘er waren es, angelehnt an Pink Floyds „The Wall“. Stets umlagert von Menschen war die Fotowand mit den Lehrerbildern, und auch mit dem Abstand von Jahrzehnten, fiel der Blick ins Lehrerzimmer ehrfürchtig aus. Und dann tauchte auch das ein oder andere aus dem Unterricht bekannte Gesicht auf: Vor allem Lehrer, die längst in Rente sind, mischten sich unter die Feiernden.

Aufgrund des Regens hatten die Organisatoren umdisponieren müssen. Der geplante Hock im Schulhof musste ausfallen – zum allgemeinen Treffpunkt aller Jahrgänge entwickelte sich der überdachte Freilufttrakt vor dem Lichthof. Ein überraschtes „Hallo“ hier, heftige Umarmungen dort und immer wieder Erstaunen, was aus den einstigen Mitschülern so geworden ist. In kleineren Einheiten konnten sich die Jahrgänge dann in ihnen zugewiesenen Klassenräumen treffen: Adressenlisten wurden aktualisiert, Fotoalben angeschaut und verbal in Erinnerungen geschwelgt.

Zehn Jahre nach dem ersten Ehemaligen-Treff hatte der Förderverein des Gymnasiums nun die zweite Auflage veranstaltet – ein organisatorischer Kraftakt für die kleine Truppe um den Vorsitzenden Rainer Bürck. Unterstützt wurde sie von einigen Lehrern. Deren Engagement und der Einsatz wurden allgemein gewürdigt und gelobt. Es entwickelte sich im Lauf des Abends von ganz Jung bis etwas älter eine einzigartige Atmosphäre, ein Wir-Gefühl: Die Schulzeit am GEG hat eben doch geprägt.

Zu reden gab’s viel, zum Zuhören aber auch: Im Lichthof spielten neben einer namenlosen Lehrerband auch Schulbands von einst und heute – „Deadline“, „Blueskraft“ und „Deface“. Dessen Sänger Luis Blankenburg begrüßte die Gäste zum „Oldtimer-Treffen“: Dazu gehören sie inzwischen alle – auch diejenigen, die wie er erst in den letzten Jahren ihr Abitur gemacht haben. Die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern: Nun geht es für die Schüler von heute, die an den Verpflegungsstationen geholfen haben, erst einmal in die Ferien.

46 Jahre GEG

Das Graf-Eberhard-Gymnasium hat bereits einige Jahre Schulgeschichte hinter sich. Seit 1972 kann hier das Abitur abgelegt werden. Momentan besuchen über 800 Schüler das Gymnasium. Namensgeber war Graf Eberhard im Barte, der einst im Uracher Schloss wohnte.

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