Ein süffiger Tropfen, geschmückt mit dem Wappen der Kurstadt, das könnte eine fruchtbare Verbindung ergeben, dachten sich die Uracher Brüder Bürker und reichten einen entsprechenden Antrag im Rathaus ein. Am Dienstag landete ihr Ansinnen, ein stilisiertes Hifthorn als Logo für ihr Bier nutzen zu dürfen, auf dem Tisch des Gemeinderats. Dieser erwärmte sich zwar ausdrücklich für den Gedanken, einen eigenen Uracher Gerstensaft genießen zu dürfen, der Vergabe des Wappens zur kommerziellen Nutzung begegnete die große Mehrheit des Gremium jedoch skeptisch.

Ein Zufallsfund verlieh der sich darüber entfaltenden Debatte allerdings ungeahnte Dynamik: Die beiden verbliebenen Grünen-Stadträte erhielten kürzlich ihr neues Fraktionszimmer, ihren Einzug wollten sie gemeinsam mit den Damen und Herren der FDP feiern, weswegen einer der Anwesenden eine Sektflasche aus einem im Raum stehenden Kühlschrank angelte. Womit er plötzlich ein Corpus Delicti in Händen hielt. Gut verstaut in der Handtasche von FDP-Stadträtin Irmgard Naumann gelangte es am Dienstag zunächst ganz unauffällig ins Rathaus, um anschließend höchst öffentlichkeitswirksam durch die Reihen der Stadträte zu kreisen. Freilich nicht zum Zwecke der Erheiterung vermittels eines kräftigen Schlucks aus der Pulle, sondern um ein hübsch gestaltetes Etikett zu betrachten. Es zeigt eine Ansicht der alten Grafenstadt nebst deren Wappen. Ein Anblick, der Irmgard Naumann in Erklärungsnotstand versetzte, wie sie bekannte. Falls die Stadt ihr Hifthorn bereits freigegeben habe, müsse auch der Antrag der Brüder Bürker genehmigt werden, verlangte sie: "Was dem einen erlaubt ist, darf dem anderen nicht verboten sein."

Bürgermeister Elmar Rebmann als auch Hauptamtsleiter Eberhard Knauer blickten zunächst etwas verdutzt aufs Etikett, betonten dann aber unisono, ihres Wissens liege keine Erlaubnis vor, Sektflaschen mit dem Hifthorn zu schmücken. Die Stadt nehme deshalb umgehend Kontakt mit der betroffenen Firma auf und bitte darum, das Wappen zu entfernen.

In der Folge äußerten insbesondere Liberale und Grüne Sympathien für den Gedanken, Geld mit der Vergabe des Uracher Hoheitszeichens zu verdienen. Marcus Vogel (Grüne) stellte den Gedanken an eine Lizenzvergabe als erster zur Diskussion. "Wir würden doch heute Juhu schreien, wenn große Firmen das Hifthorn in ihrem Logo führen würden." Mit der Lizenzidee fand er in Michael Schweizer (CDU) rasch einen, womöglich unerwarteten, Sympathisanten. Schweizer sprach sich zwar gegen den Antrag der Brüder Bürker aus, regte jedoch an, der Gemeinderat möge in Ruhe über eine Lizenzierung nachdenken. Petra Mayer-Bock wollte die Entscheidung in Sachen Bürker wegen zu vieler offener Fragen ganz vertragt sehen und trug einen dementsprechenden gemeinsamen Antrag der FDP und der Grünen-Stadträte vor. Damit blieb sie freilich erfolglos. Die breite Mehrheit der Räte votierte schließlich gegen eine Freigabe des Wappens für kommerzielle Zwecke.

Rathauschef Elmar Rebmann hatte sich zuvor vehement gegen den Gedanken gewehrt, mit dem historischen Wappen Geld verdienen zu wollen. Außerdem bat er darum, der seitherigen, sehr restriktiven Haltung des Gemeinderats in Sachen Hifthorn treu zu bleiben. Zuspruch erhielt er dabei unter anderem von Walter Damzog (FWV). Dieser verwies auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb: Verbraucher dürften nicht getäuscht werden, ein offizielles Wappen auf einem Produkt signalisiere eine klare Verbindung zur Stadt: "Der Verbraucher denkt, wo Stadt drauf ist, ist auch Stadt drin." Kurzum, würde das Hifthorn freigegeben, gerate die Kommune auf gefährliches Terrain. Horst Vöhringer (SPD/AB) sprach sich gleichfalls mit Verve dagegen aus, "ein jahrhundertealtes Wappen gegen ein paar Euro zu verkaufen. Wenn wir das tun, sind wir ganz tief heruntergekommen". Sein Fraktionskollege Martin Lorenz dachte noch in eine andere Richtung: Ein Wappen lege einen offiziellen Hintergrund nahe. Weswegen durchaus auch solche Geschäftsleute auf die Idee verfallen könnten, das Hifthorn für ein Gewerbe zu nutzen, das nicht, wie im Falle des Uracher Bieres, das allgemeine Wohlwollen der Stadträte besitze.