Bad Urach Das helle Licht des Lebens

Diana Schmid-Knöpfler, Ulrich Vöhringer, Toni Lenge und Amanduskirchenpfarrer Wilhelm Keller (v.l.) mit der neuen Osterkerze. Foto: Thomas Kiehl
Diana Schmid-Knöpfler, Ulrich Vöhringer, Toni Lenge und Amanduskirchenpfarrer Wilhelm Keller (v.l.) mit der neuen Osterkerze. Foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / PETER KIEDAISCH 07.04.2012
Jetzt heißt es wieder aufatmen. Wer sich seit Aschermittwoch dem Verzicht unterworfen hat, darf sich ab morgen wieder etwas gönnen. Osterfeuer und Kerzenschein begrüßen diesen dem Leben gewidmeten Tag.

Warum bloß sind die Mitglieder der Malgruppe der Behindertenhilfe Ermstal so voller Freude, wenn sie, wie jedes Jahr in der Karwoche ihre Osterkerze präsentieren? Man könnte meinen, dass es ja doch nur eine Kerze ist. Ein Stück Wachs um einen Docht, schön verziert, zugegeben, aber doch nur ein Gegenstand, wenn auch sakraler Natur. Nein. So einfach ist das nicht. Und diese Begeisterung ist auch nicht dem vermeintlich kindlichen Eifer der Künstlergruppe zu schulden. Das Engagement für die Osterkerze geht tiefer. Und wenn schon das Attribut "kindlich" bemüht werden muss, dann, um die Freude zu beschreiben, die das Osterfest den Mal- und Bastelkünstlern bereitet. Und steht es nicht geschrieben, dass sich ein jeder daran ein Beispiel nehmen möge? Bärbel Ruopp, Gertrud Böhringer, Ulrich Vöhringer und Toni Lenge sind der harte Kern dieser Malgruppe, und sie freuen sich tatsächlich wie Kinder. Symbole des Lebens haben sie sich ausgesucht, wie jedes mal, wenn sie aus dem Rohling jene Kerze machen, die in der Amanduskirche ab Ostern an jedem Sonntag angezündet wird.

Die güldene Sonne, ein grünes Band, das die Erde symbolisiert. Und ganz wichtig: Das Abendmahl, dargestellt in Form von Ähren, aus denen Brot wird, ein Kelch für den Wein. Dennoch ist Toni Lenge nicht ganz zufrieden: "Fisch und Taube hätten hergemusst." "Nächstes Mal", wenn sie die zehnte Kerze basteln, verspricht Diana Schmid-Knöpfler, die Leiterin der Malgruppe. Das Alpha und das Omega, das A und O, der Anfang und das Ende stecken wie Mahnwachen der Gelassenheit an der Kerze, als würden sie sagen: Alle Zeit ist absehbar. Kurzum: Die Osterkerze ist mal wieder rechtzeitig fertig geworden, obwohl der erste Kerzenrohling während des Transports Schaden nahm und repariert werden musste. Die Gefahr, dass diese Kerze während des Gottesdienstes auseinanderbrechen könnte, veranlasste die Malgruppe, eiligst eine zweite Kerze zu basteln. Die mit den Rissen steht am Ostersonntag im Saal des Bonhoeffer-Hauses, die neue kommt in die Amanduskirche. Dort ist die Ostermorgenfeier sicher etwas für Frühaufsteher, aber sie ist es auch wert, extra wegen ihr gegen alle Gewohnheiten zeitig aufzustehen.

Das Holzfeuer wird um kurz nach fünf Uhr angezündet, danach schreiten die Gottesdienstbesucher in die dunkle Kirche. Pfarrer Wilhelm Keller wird das Osterlicht hineintragen. Lesungen, Gesang, alttestamentalische Texte verkürzen das Warten aufs Licht, und wenn die ersten zögerlichen Sonnenstrahlen im Zwielicht der Dämmerung erscheinen und durch die bunten Fenster im Chor fallen ist es Zeit: Dann, etwa um 6 Uhr, liest der Pfarrer das Osterevangelium, und die seit Karfreitag 15 Uhr schweigenden Kirchenglocken melden sich mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Kraft. Volles Geläut, während draußen noch alles still ist.