„Das hat uns gerade noch gefehlt“, meinte eine Uracher Närrin und blickte verzweifelt zum Himmel. Kurz vor offiziellem Beginn der Häserweckung am Dreikönigstag begann es zu regnen, zogen sich die Zuschauer unter die Sonnenschirme und die Eingänge zu den Läden zurück oder blieben gleich im Mini-Festzelt. Ralf Wunsch sah’s eher pragmatisch: „Man kann sowieso nichts dagegen machen, es ist halt so“, sagte der Vorsitzende der 1. Narrenzunft Bad Urach und blickte angesichts der Wetterprognosen skeptisch in die nahe Zukunft. „Das wird in den nächsten Wochen bestimmt noch öfter so sein.“ Doch eines ist Narren-Ehrensache: Von widrigen Umständen lässt man sich die gute Laune nicht verderben und erst recht nicht die Stimmung – Party pur herrschte denn auch gestern bei der Häserweckung auf dem Marktplatz. Wenn auch mit kleinen Einschränkungen: „Das war aber schnell geklatscht“, stellte eine Hexe nach der ersten fetzigen Runde der Guggamusiker fest. Kein Wunder: Mit dem Regenschirm in der Hand applaudiert es sich nicht so leicht.

Im Jahr 2002 von in Bad Urach lebenden Fasnets-Enthusiasten gegründet, sind die Mitglieder nach der 1. Narrenzunft Bad Urach nach anfänglichen Akzeptanzproblemen in der Welt der Narren angekommen: Sie stoßen einerseits mit ihren Aktionen in der Stadt selbst auf immer mehr Interesse bei der Bevölkerung und sind andererseits unter den Zünften inzwischen bestens vernetzt. Das zeigt auch die Präsenz von Gastzünften bei der Häserweckung: Für musikalische Unterhaltung sorgten die Bärafezza aus Sonnenbühl, für Fasnetstimmung Vertreter von den Waldgeistern Eningen, der Narrenzunft Wannweil, der Gaiser Madl Laichingen, der Dancing Shoes Reutlingen, der Narrenzunft Buttenhausen, der Freien Hexen Rottenburg, der Kandl Ahna su Reutlingen, der Gelgenberg-Hexen Buttenhausen, der Zigeunerhexen Riederich, der Städtles Hexa Reutlingen und der Esslinger Spätzlesfresser.

Gestern also wurde das am Aschermittwoch 2015 vergrabene Häs wieder zum Leben erweckt und mit den Masken auch der Uracher „Ober-Narr“, Ralf Wunsch, und seine Stellvertreterin, Veronika Vöhringer, die waren nämlich aus Versehen auch mit in der Versenkung verschwunden. Nach langer Suche wurden sie gefunden und konnten ihres Amtes walten: Die aufwendig hergestellte Maske darf nun wieder getragen werden und es erklingt der Ruf „Alafanz-fall-et-ra“ in der Kurstadt und darüber hinaus. Gerade mal vier Wochen bleibt den Narren Zeit, bis das Häs wieder in der Versenkung verschwindet: Da heißt es, den Turbo zu zünden und fast pausenlos zu feiern.

Eine Uracher Närrin verrät: „Wir sind eigentlich jeden Freitag, Samstag und Sonntag unterwegs.“ Die Uracher Narren sind bei Brauchtumsabenden und Narrenbällen mit dabei, laufen auf Umzügen mit und zeigen sich trotz des vollen Programms auch noch einmal in Urach: Am schmutzigen Donnerstag findet traditionell die Erstürmung des Rathauses statt, danach wird zum Kinderfasching in die Festhalle eingeladen.

Etwas mehr als 30 junge, jung gebliebene und vom Jahrgang etwas ältere Narren sind bei der Uracher Narrenzunft aktiv, mit einer Mama und ihren beiden Kindern sind diese Saison drei neue hinzugekommen. Sie bestanden gestern ihre „Aufnahmeprüfung“, mussten dafür einige knifflige Aufgaben lösen. Geehrt wurde zudem die Familie Wunsch – Vater Ralf, Mama Susanne und die Töchter Svenja und Laura – für ihre Treue zur Narrenzunft, die sie seit elf Jahren entscheidend mitprägen: „Wir wissen, was wir an euch haben, auch wenn wir's nicht immer sagen“, meinte Veronika Vöhringer und überreichte jedem Wunsch-Narr eine Narrenehrennadel.