Bad Urach Das Glück der Züchter

Tobias und Leonie Waimer sind bereits als Züchter erfolgreich. Foto: Simon Wagner
Tobias und Leonie Waimer sind bereits als Züchter erfolgreich. Foto: Simon Wagner
Bad Urach / SIMON WAGNER 05.11.2013
Herbstzeit ist Kleintierzeit. Jedenfalls in Urach. In der Festhalle zeigten Züchter ihre Prachtexemplare auf einer der größten Schauen im Kreis. Der Kleintierzüchterverein sorgt sich dennoch um Nachwuchs.

Es ist nicht nur eine der größten Schauen im Kreis, sondern wohl auch eine mit der größten Artenvielfalt: Kaninchen verschiedenster Gattungen, Größe und Couleur, Tauben mal in Weiß, mal grün schimmernd, Hühner und Hähne, gar 14 Gänse fanden laut schnatternd in den Katakomben der Uracher Festhalle Platz.

Das Kellergeschoss der Halle glich am Wochenende einem kleinen Zoo. Insgesamt brachten 20 Züchter aus der Region 260 Tiere nach Urach, um sie den prüfenden Blicken der Preisrichter zu präsentieren. Die Experten unterschieden am Samstag nicht nur zwischen "Feder" und "Haar", sondern bewerteten und prämierten die verschiedenen Tiere anhand ausgeklügelter Kategorien. Im Blick waren etwa der Wuchs, die Beschaffenheit des Fells oder des Federkleids wie auch der allgemeine Gesamteindruck.

Für die Züchter ist die Schau ein alljährlich wiederkehrender Spannungsmoment, für die auch am Wochenende wieder zahlreich gekommenen Familien hingegen die willkommene Gelegenheit, einen lehrreichen Streifzug durch die heimische Fauna zu unternehmen. Die Vielfältigkeit der Tierwelt zu demonstrieren, aber insbesondere auch zu erhalten, ist das ausgemachte Ziel der Züchter. Dafür nehmen sie die Mühen eines zeitaufwendigen Hobbys gerne in Kauf. Ein Hobby, das in Wirklichkeit eher einer Passion gleich kommt. Denn die Tiere in solch einer Schau zu zeigen, ist ja das eine, ein anderes ist es, sich übers gesamte Jahr um ihr Wohlergehen zu kümmern. Neben der täglichen Pflege investieren die Züchter dabei nicht unerhebliche Geldmittel. Damit etwa das Kaninchen-Ungetüm, der Deutsche Riese, ein Gewicht von rund zehn Kilogramm auf die Waage bringt und auf seinem Bewertungsbogen nicht mehr "eckig" als Makel zu lesen ist, muss so mancher Futtersack geöffnet werden. Den hungrigen Riesen freuts und den so prämierten Züchter sowieso.

Neben dem Umgang mit lebenden Tieren sind dies die dankbaren Momente eines Züchters. Momente allerdings, die etwa Vereinsmitglied Thomas Waimer gerne auch an die junge Generation weitergeben möchte. Als "schwierig" bezeichnete er die Nachwuchssituation des Vereins, der bereits seit 1907 einen Platz in der Uracher Vereinslandschaft hat: "Es wäre wichtig und dringend, das jemand kommt", stellt er fest. Aber er weiß: "Ohne Unterstützung der Eltern geht das nicht." Dabei sieht er durchaus pädagogische Effekte: "Durch den Umgang und die Pflege entwickelt sich ein Verantwortungsbewusstsein, gegenüber den Tieren, aber auch gegenüber der Natur allgemein."

Zumindest in den eigenen Reihen hatte er mit seinem Werben Erfolg. Seine Tochter Leonie (9) und sein Sohn Tobias (12) erzählen fachsimpelnd und mit leuchtenden Augen von ihrem jungen Züchter-Dasein. Tobias hat es mit seinen schwarzen Weißgrannen bereits zum mehrmaligen Württembergischen Jugendmeister gebracht. Leonie mit ihren blau-weißen Holländern immerhin zur Jugendkreismeisterschaft.

Neben der eigentlichen Schau und der Prämierung der Schönsten ihrer Art stand am Wochenende auch wieder die Geselligkeit im Vordergrund. Aus der nahen und fernen Umgebung kamen Gleichgesinnte, um Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. In der bewirteten Halle lockte zudem wieder eine von Sponsoren üppig bestückte Tombola. Wem es also mit seinen Tieren nicht zum Titel gereicht hat, der konnte dort ordentlich Preise kassieren.

Info Eckhard Fietkau war der Abräumer der Lokalschau. Er errang in den Kategorien Kaninchen und Geflügel jeweils die Vereinsmeisterschaft. Zudem belegte er in der Gesamtwertung den ersten Platz. Werner Roth holte mit seinen Tauben den Titel. Jugendmeisterin wurde Denise May vor Tobias und Leonie Waimer. Den Ehrenpreis des Landesverbands erhielten Eckhard und Manfred Fietkau (Kaninchen) sowie Emil Hölz, Hartmut Thumm und Werner Roth (Geflügel).

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