Per Definition handelt es sich bei einer Zyste um einen "flüssigkeitsgefüllten Raum, umgeben von einem Häutchen". "Was solls?", möchte man als Laie denken. Hört sich an, als gäbe es Schlimmeres im Leben.

In der Tat: In 95 Prozent der Fälle sind Zysten vollkommen harmlos, bestätigt Dr. Michael Lorenz, Frauenarzt mit Praxis in Metzingen. Er gehört zu jenen Experten, die am Donnerstag, 18. Oktober, beim Frauengesundheitstag in Bad Urach referieren werden.

Fast täglich sucht er diese eine Zyste von zehn, die eben nicht harmlos ist. Wenn er sie findet, dann kann das "eine echte Scheißprognose" sein, sagt er. "Nichts, was man unbedingt haben müsste." Ein Ovarialkarzinom etwa. Bildet sich an den Eierstöcken, ist anfangs immer schmerzlos, und wenn es streut, dann streuts überall. Gebärmutter, Blase, Leber oder Niere könnten dann befallen sein, oft bildet sich auch ein Wasserbauch. Für die Patientinnen beginnt eine Leidenszeit; sie müssen Cheomtherapien mit fraglosem Ausgang überstehen. Es stimmt: Nichts, was man haben müsste.

Gynäkologen haben es gewöhnlich mit zwei Arten von Zysten zu tun. Mammazysten in der Brust und eben jene an den Eierstöcken. Harmlos oder nicht, das ist die Frage, denn Zysten sind eigentlich für Frauen ganz normal, sofern sie sich im Zyklus von Regel und Eisprung befinden. Wenn sie also älter als zehn, aber nicht wesentlich älter als 50 Jahre sind, sofern sie nicht die Pille nehmen. Dann nämlich bildet sich ein Mal im Monat an den Eierstöcken ein Eibläschen, das zum Eisprung führt und durchaus mit eine Zyste verwechselt werden könnte. Ist die Frau aber seit einigen Jahren in der Menopause, dann gibt es nichts, was einer Zyste nur ähnlich ist, dasselbe gilt für Mädchen, die noch keine Regel haben: Dann sind Bauchschmerzen oder im Rahmen der Früherkennung entdeckte Zysten auffällig. Ehe der Gynäkologe die Zyste übrigens ertasten kann, muss sie schon vier bis fünf Zentimeter groß sein, deswegen empfiehlt Dr. Lorenz auch bei der Früherkennung die Vaginal-Ultraschall-Sonographie. Darauf betrachtet der Experte den Rand der Zyste. Glatt ist gut, und wenn das schwarze Ding auf dem Ultraschall-Bild keine eigene Blutversorgung entwickelt hat, ist vermutlich alles in Ordnung. Andernfalls überprüft der Arzt die Blutwerte, eventuell ordnet er eine Kernspinnuntersuchung oder eine Computertomographie an. Michael Lorenz ist seit 15 Jahren niedergelassener Gynäkologe. Krebs war in all den Jahren immer ein Hauptthema, sagt er. Wenn sich beispielsweise eine 60-jährige Frau telefonisch meldet, sie habe einen Knoten in der Brust entdeckt, "dann bekommt sie noch am gleichen Tag einen Termin", sagt er. Da darf man keine Zeit verlieren. Ja nicht abwarten. Auch Dr. Lorenz ist nur ein Mensch, er weiß: Mancher Tag ist erstmal gerettet, wenn der Arztbesuch auf morgen verschoben wurde. Aber es bringt nichts zu denken, "komm lass mal". So schön es auch sein kann, den Problemen wegzulaufen. "Ganz wichtig", sagt Dr. Lorenz: "Früh zum Arzt gehen". Und die 40 Euro für die Vaginal-Sonographie auszugeben, empfiehlt er obendrein.

Es ist nicht alles Krebs, was nicht in Ordnung ist. Ein so genannter "Borderline-Tumor" wächst zwar und verdrängt gesundes Gewebe, streut aber nicht. Und ein Dermoid ist allenfalls unangenehm bis eklig: Dabei handelt es sich um eine Zyste am Eierstock, in der sich Zähne und Haare sowie Schilddrüsengewebe befinden. Oft entdeckt man es, weil die Patientin eine Schilddrüsenüberfunktion beklagt, das Organ selbst aber völlig normal ist. Das Dermoid ist eine embryonale Fehlentwicklung, und doch schafft es das fehlgeleitete Gewebe, Hormone zu bilden. Zubeißen freilich, kann es nicht.

Frauengesundheitstag

Bis zum Frauengesundheitstag am 18. Oktober im Kursaal des Haus des Gastes (Bad Urach) wollen wir einige der Themen in Form einer kleinen Serie aufgreifen:

Der nächste Artikel widmet sich dem Thema "Endometriose", der unbekannten Krankheit. Schließlich erfolgt nächste Woche ein Artikel über Verhütung.

Das Programm: 17 Uhr: "Kleiner Piekser - große Wirkung", Impfen nicht nur gegen Gebärmutterhalskrebs. Workshop für Mädchen und junge Frauen (Anmeldung bei hildegard.kusicka@med.uni-tuebingen.de)

18.30 Uhr: Begrüßung durch Schirmherr Elmar Rebmann

18.40 Uhr: Vorstellung der Teilnehmer und Referate zu den Themen Frauenheilkunde heute, Früherkennung und Vorsorge, Myome, Endometriose: die unbekannte Krankheit.

19.45 Uhr: Frauen fragen - Experten antworten

20 Uhr: Thema Hormone: Verhütung, Kinderwunsch, Wechseljahre

20.45 Uhr: Frauen fragen - Experten antworten