Bad Urach / REGINE LOTTERER Hugo und seine Freunde haben es gut getroffen: Ihre Besitzerin weiß, wie sie ihren Wellensittichen ein angenehmes Leben bereiten kann. Fürs Wohl der Vögel engagiert sich Simone Leisentritt auch in einem Verein.

Die Liebe begann schon in jungen Jahren, als Kind erhielt Simone Leisentritt ihre ersten beiden Wellensittiche. Faszinierende Tiere, findet die 26 Jahre alte Uracherin. "Jeder Vogel hat seinen eigenen Charakter." Allein deshalb sei es immer spannend, die Tiere zu beobachten. Damit die Sittiche artgerecht leben können, schufen Simone Leisentritt und ihre Schwester Stefanie ein selbstgebasteltes Sittichparadies im elterlichen Haus. Aus Ästen, Kork und Seilen entstanden ideale Sitz-, Spiel- oder Rückzugsmöglichkeiten für die Vögel, eine kreative Arbeit, die auch dem Menschen Spaß bereitet.

Ihr Wissen um die Wellensittiche teilt Simone Leisentritt regelmäßig mit anderen. Für den deutschlandweit tätigen Verein der Wellensittichfreunde leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit. Die Sittichfreunde sind beispielsweise auf Messen präsent, helfen anderen Tierhaltern mit Ratschlägen im Internetforum des Vereins, geben Flyer heraus und gestalten jedes Jahr einen begehrten Kalender mit vielen Tipps für Wellensittichhalter.

Über das Internet-Forum stieß auch die Uracherin Simone Leisentritt erstmals auf den Verein. Sie suchte Rat und fand Freunde. Das Forum, sagt sie, werde rege genutzt, obschon sich das Wissen um das Wesen der Wellensittiche deutlich vergrößert habe. Dennoch müssen immer noch manche Vögel ihr Leben allein und einsam in einem Käfig fristen. Für Schwarmvögel wie die ursprünglich aus Australien stammenden Wellensittiche eine Qual. Zwei Tiere sollten mindestens zusammen leben dürfen, besser wären vier, sagt Simone Leisentritt. Ein Plastikvogel oder ein Spiegel im Käfig bilden kein Ersatz für einen echten Partner. Im Gegenteil. Sie frustrieren die Vögel nur, sagt die Expertin, weil diese immer wieder versuchen, Kontakt zum Gegenüber aufzubauen. Vergebene Liebesmühe.

Simone Leisentritts Verein hilft auch dabei, Vögel an neue Besitzer zu vermitteln, darunter Tiere, deren Halter mit der Pflege überfordert waren. Der krasseste Fall, erzählt Leisentritt, in den ihr Verein involviert war, ereignete sich in Berlin. Dort hielt ein Mann 1000 Wellensittiche in einer Wohnung. Andere Vögel wurden einst als Geschenk für die Kinder gekauft, die verloren irgendwann das Interesse oder die Familie störte sich am Lärm, den die Wellensittiche produzieren. Schließlich sind die Vögel ausgesprochene Plaudertaschen. Wenn sie erschrecken oder Angst haben, können Wellensittiche auch kräftig loszetern. Alles Geräusche, sagt Simone Leisentritt, von denen sich manche Halter so gestört fühlen, dass sie die Sittiche loswerden wollen: "Es sind kleine Tiere, deshalb denken manche, sie hätten auch kleine Bedürfnisse." Das freilich ist Blödsinn.

Wer sich Wellensittiche anschaffen will, sollte unter anderem für ausreichend Freiflugmöglichkeiten sorgen, sagt die Expertin. Das hält die Vögel gesund und schlank. Manche Futterfertigmischung, weiß Simone Leisentritt, enthält viel Zucker oder Honig. Dasselbe gilt für die beliebten Knabberstangen. Fehlt ausreichend Bewegung, ergeht es dem Vogel wie dem Menschen: Er setzt Speck an.

Und noch etwas haben Tier und Halter gemeinsam: Sie langweilen sich ungern. Um dem Vogel Abwechslung zu bieten, kann ein Teil seines Futters versteckt werden, im Heu etwa oder unter einer Box. Als Sittichdusche eignet sich beispielsweise Petersilie, ein tropfender Stängel im Käfig und der Vogel hat seinen Spaß. Auch ein nasses Salatblatt oder eine flache, mit Wasser gefüllte Schale erfüllt diesen Zweck hervorragend. Gesunde Knabbereien bereichern den Speisezettel der Tiere ebenfalls: Karotten im Käfig oder an einer Sitzstange befestigt, erlauben es den Vögeln, regelmäßig daran zu knabbern.

Außer Körnerfutter, Vitaminen und Mineralien, die der Sittich von einem Wetzstein erhält, benötigen die Vögel Grit. Das sind kleine Kiesel, die sie schlucken und die im Magen wie Miniatur-Mühlsteine wirken. Wer seinem Vogel Sand als Unterlage in den Käfig streut, kann auf den Grit-Zukauf indessen verzichten.

Falls ein Sittich trotz aller Fürsorge doch krank wird, sollte sich sein Halter nach einem vogelkundigen Tierarzt umsehen, sagt Simone Leisentritt. Dieser verfüge, ähnlich wie ein Facharzt, über eine zusätzliche Ausbildung.

Info Wer Fragen hat, kann sich an den Verein der Wellensittich-Freunde Deutschland (VWFD) wenden unter Telefon: (01 63) 4 73 93 18 von Montag bis Freitag von 19 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 16 Uhr. Ein Rückruf ist nicht möglich. Fragen beantworten die Vereinsmitglieder außerdem im Internet, die Homepage ist zu finden unter www.vwfd.de.