Bad Urach Blumenzier und Gartenpracht

Besucherinnen lassen sich von „Kräuterfee“ Martina Helfert Details des Gartens erläutern.
Besucherinnen lassen sich von „Kräuterfee“ Martina Helfert Details des Gartens erläutern. © Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / Kirsten Oechsner 26.06.2018

Die Kirschen durften ausnahmsweise direkt von den prall gefüllten Bäumen gepflückt und sofort verzehrt werden. Die Fans von Stachelbeeren mussten sich jedoch noch etwas gedulden: Erst in vier Wochen sind sie reif. Macht nichts, dafür konnten sich die Besucher des Tages des offenen Lehr- und Schaugartens am Sonntag ausgiebig in die Welt der Kräuter stürzen: An ihnen riechen, sie reiben und sogar versuchen. Unzählige Menschen nahmen am Sonntag das Angebot wahr, sich umschauen und sich informieren zu können.

Kleines Paradies

Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) hat am Unteren Galgenberg ein kleines Paradies geschaffen, das eines verdeutlicht: Die Pracht eines Gartens berührt viele Menschen regelrecht, die Vielfalt an Obst und Gemüse lässt sie strahlen. „Herrlich“, meint eine Besucherin, die eher zufällig vorbei gekommen ist. Als Kurgast hat sie von der Veranstaltung gehört, einfach umschauen möchte sie sich – zu Hause hat sie keinen Garten, nicht einmal einen Balkon. Das hat das Senioren-Ehepaar aus Dettingen auch nicht, aber: „Wir bewirtschaften den Garten unserer Nichte“, erzählen sie und erhoffen sich bei der Führung durch Gartenmeisterin Gaby Kleih ein paar Tipps für die praktische Arbeit. Konkrete Fragen haben sie nicht, dafür Gartenbesitzer aus der Stuttgarter Gegend: „Der Salbei wird weiß und die Blätter rollen sich ein, was ist da los“, fragt die Freizeit-Gärtnerin. Das weiß Gaby Kleih ganz genau: „Salbei möchte in der Sonne stehen und braucht wenig Wasser“, erklärt sie und sorgt damit für eine Erkenntnis. „Ich gieße ihn jeden Tag, das ist wohl falsch“, weiß die Frau nun und ihr Mann ergänzt. „Den Salbei müssen wir wohl nach vorne ziehen, der steht fast den ganzen Tag im Schatten.“

 Gaby Kleih ist am Tag der offenen Gartentüre eigentlich eher die Frau fürs Gemüse und die Beeren, die Stauden und Rosen – doch eine Ahnung von Kräutern hat sie auch. Die waren am Sonntag indes hauptsächlich das Thema von Martina Helfert aus Neckartailfingen, die sich zur „Allgäuer Wildkräuterfrau“ ausgebildet hat: Sie sieht die Kräuter ganzheitlich – im Prinzip könnte man sich mit dem, was die Natur hergibt ernähren. Doch die Besucher wollten eher in die Welt der Garten- und Küchenkräuter eintauchen, ließen sich inspirieren von den vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten: Als Badesalz oder getrocknet, als Salbe oder auf Pestoart eingelegt.

Hunderte Besucher

Mehrere hundert Menschen bevölkerten am Sonntag bei bestem Wetter das Areal am Unteren Galgenberg: Aus Verbundenheit zum Obst- und Gartenbauverein, weil sie gezielt in die Welt des Gärtnerns eintauchen wollten oder zufällig als Ausflügler auf die Veranstaltung aufmerksam wurden. Schon vor einem Jahr haben die beiden Abiturientinnen Alisa Bequiri und Selin Wacker das nah am Gymnasium gelegene Kleinod für sich entdeckt: In Freistunden oder nach einem anstrengenden Schultag haben sie sich dort umgeschaut und entspannt. Irgendwann trafen sie auf OGV-Mitglied Hans Plankenhorn, der sie in die Materie des Gärtnerns einführte und nun kann’s sein, dass die beiden 18-Jährigen sogar Hand anlegen: „Wir haben schon beim Kirschen pflücken geholfen“, berichtet Selin Wacker.

Jederzeit besuchbar

Am Tag der offenen Tür mischten sich die beiden interessiert unter die zahlreichen Besucher, bald werden sie die Anlage jedoch wieder fast für sich haben. Dabei lohnt es sich, das Kleinod auch außerhalb des Tages des offenen Gartens zu besuchen: Das Tor ist stets geöffnet, Besucher können sich jederzeit dort umschauen. Gelegentlich ist auch ein OGV’ler vor Ort und gibt gerne Auskunft: Der Name ist Programm, handelt es sich doch um einen Lehr- und Schaugarten.

100

Jahre alt wird der Obst- und Gartenbauverein Bad Urach im Jahr 2019. Am 23. Februar 1919 gegründet, wird das Jubiläum mit einer großen Fotoausstellung gefeiert.

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