Bad Urach Blick in die Musikgeschichte

Jürgen Knöpfler (Klavier) und Elisabeth Auer (Saxophon). Foto: Wieland Lehmann
Jürgen Knöpfler (Klavier) und Elisabeth Auer (Saxophon). Foto: Wieland Lehmann
Bad Urach / WIELAND LEHMANN 26.11.2013
Anspruchsvolle Werke, junge Künstler und Hommage an einen unvergessenen Tenor: Das Konzert der Bürgerstiftung bot ein Programm, das die zahlreichen Zuschauer begeistert applaudieren ließ.

Vor sieben Jahren wurde die Bürgerstiftung gegründet. In ihrem Wirken unterstützt und fördert sie nicht nur Projekte in Bildung, Kultur, ehrenamtlichem Engagement und Sozialem, sie lädt zugleich auch immer wieder zu Veranstaltungen ein, die sowohl den finanziellen Rahmen der Stiftung bereichern, als auch künstlerische Erlebnisse bieten. Das Benefizkonzert am Sonntag machte abermals deutlich, welche Wirkung von der Stiftung ausgeht, welche Wirkung künstlerische Leistungen zu zeigen vermag.

Das Programm hatte es in sich. Es bestand aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen. Der erste Teil war der instrumentalen Musik zugedacht, der zweite dem Gesang und einer Hommage an einen unvergessenen Sänger. Yvonne Funk (Klavier) und Martin Jantzen (Cello), zwei junge Künstler hatten sich sehr anspruchsvolle Kompositionen gewählt. Bereits die dreiteilige Sonate in d-Moll von Claude Debussy, dem französischen Komponisten, der zwischen Romantik und Moderne angesiedelt ist, ließ aufhorchen. Kraftvoll, drängend und auch einfühlsam interpretierten sie die Sonate.

Nicht weniger intensiv spielten sie den ersten Satz der Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll von Frédéric Chopin. Ihr Zusammenspiel verdiente alle Achtung, loteten sie doch gemeinsam die Höhen und Tiefen musikalischer Gestaltung aus.

Jürgen Knöpfler (Klavier) und Elisabeth Auer (Saxophon) setzten dem modernere Kompositionen entgegen. Mit den Stücken der englischen Komponisten Colin Cowles und Philip Sparke sowie dem Spanier Pedro Iturrale wechselten sie musikgeschichtlich ins 20. Jahrhundert. Und doch blieben sie dabei auch beim vorherigen klassischen Duktus des Auslotens des Zusammenspiels, nutzten die unterschiedlichen Klänge ihrer Instrumente zur Gestaltung einheitlichen Hörgenusses. Auch die Stücke von Jacob de Haan, dem niederländischen Saxophonisten und Komponisten, und Bob Mintzer, dem Amerikaner, machten deutlich, welche Kraft, welch Gefühl ihrer Musik innewohnt und durch die Interpretation geweckt werden kann.

Der zweite Programmteil galt Joseph Schmidt, dem wohl bekanntesten lyrischen Tenor der 30er Jahre. Klaus Kächele, an der Stuttgarter Staatsoper tätig, erinnerte nicht nur gesanglich an diesen jüdischen Sänger, er bettete die Lieder in einen Überblick über dessen Schicksal. Von der Umbenennung des Films "Der Sänger des Volkes" zum Titel "Ein Lied geht um die Welt" bis zu Schmidts Tod im Internierungslager ging Kächele auf wichtige Lebensstationen ein. Vor allem aber sang er, begleitet von Jürgen Knöpfler, die Lieder, die einst so viele Menschen vor die Volksempfänger und ins Kino gelockt haben. Die Älteren werden sich erinnern an "Heute Nacht oder nie" und vor allem an "Ein Lied geht um die Welt". Klaus Kächele vermittelte mit seinem Gesang nicht nur die Erinnerung an Joseph Schmidts Stimme, sondern zeigte auch im gesanglichen Ausdruck, welche Wirkung in diesen Liedern noch immer steckt. Welche hohen stimmlichen Anforderungen an diese Interpretationen gestellt werden, wurde deutlich, als Kächeles Stimme dann doch nicht auf der Höhe war. Das schmälerte aber keinesfalls die Stärke des Beifalls des sehr zahlreichen Publikums. So bot das Konzert ein besonderes Hörerlebnis, zeigte die musikalische Stärke der Interpreten, war zugleich ein Blick in die Musikgeschichte.

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