Generationen von Dettinger Kindern haben in dem hübschen Altbau mit den Rundbogenfenstern ihre ersten Schreibversuche gemacht. Sie haben dort das Rechnen gelernt, wo man – jedenfalls in den oberen Klassenzimmern – den ganzen Ort samt Ermstal überblicken kann. Und wo viele Erwachsene heute ein bisschen sentimental werden. So nachhaltig verströmt die Dettinger Uhlandschule noch den Charme der guten alten Zeit, die ja, auch  pädagogisch gesehen, alles andere als gut war.

Nun aber ist Schluss, und zwar endgültig. Nach ziemlich genau 104 Jahren (die 1915 eröffnete Schule war ein Kriegskind) hat die Grundschule in der Dettinger Ortsmitte ausgedient. Zum Ende des Schuljahres ziehen Kinder und Lehrer aus. Ihr Domizil wird nach den Sommerferien der neu hochgezogene Bau für die Primarstufe auf dem Gelände der Dettinger Schillerschule.

Die neue Gemeinschaftsschule in der Schulstraße wird Dettingens einziger Bildungsstandort – die Uhlandschule indessen bleibt im Besitz der Gemeinde und soll in Zukunft Arztpraxen beherbergen. Örtliche Mediziner haben wohl bereits Interesse angemeldet. Und eine Machbarkeitsstudie, die das Gebäude mit Blick auf eine Nutzung als Ärztehaus untersucht, läuft bereits, erklärte Dettingens Ortsbaumeister Felix Schiffner gestern gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

Derweil verläuft der Neu- und Umbau an der Schillerschule im im Finanz- und Zeitplan, wie der zuständige Projektmanager Thomas Kaltenmark kürzlich im Gemeinderat mitteilte. Zum Schuljahr kann, wie gesagt, die Grundschule einziehen. Der Rat hat außerdem weitere Arbeiten für den Um- und Neubau vergeben, sodass nur noch gut acht  Prozent der Gewerke ausstehen. Laut Thomas Kaltenmark vom Büro Klotz und Partner, das die Gemeinde Dettingen als Projektsteuerer beauftragt hat, kann auch der auf 18,2 Millionen Euro festgelegte Kostenrahmen eingehalten werden. Das ist eine klare Vorgabe des Gemeinderates. Möglich sei das dank diverser Rückstellungen. Für Luxus ist aber kein Platz erklärt Kaltenmark weiter: „Extras können wir uns nicht leisten.“

Und sonst? Wie sieht es auf dem neuen Schulhof aus? Der Neubau ist schon verputzt, der künftige Pausenhof ist bis aufs Grün soweit angelegt. Die Mensa allerdings ist erst in der Schlussphase des Baus bezugsfertig. Was s noch aussteht, ist die Sanierung des Fachklassentrakts, womit voraussichtlich in den Sommerferien begonnen wird.

Die Schule bliebt, wie berichtet, noch ein weiteres Jahr Baustelle. Dann stehen der alle erforderlichen Räume zur Verfügung, um sie als moderne Gemeinschaftsschule führen zu können. Alle Dettinger Kinder können vor Ort den mittleren Bildungsabschluss machen.

Die Dettinger Uhlandschule


Da Dettingens Schulklassen Ende des 19. Jahrhunderts enorm groß waren, wurde eine weitere Schule notwendig. Im März 1912 besichtigte eine Reisekommission mehrere Schulneubauten, die Münsinger Lösung gefiel gut. Am 1. April reichte Schultheiß Johannes Hauser das Baugesuch für das achtklassige „Gartenschulhaus“ ein, zwischen Schlößle und Karlstraße platziert, konzipiert für je 72 Schüler. Bedingt durch den Kriegsbeginn 1914 konnten die Schulräume nicht fertiggestellt worden. Zudem waren Lehrer im Kriegsdienst. Erst 1915 begann der Schulbetrieb. 1919 war alles fertiggebaut und eingerichtet. 1964 erhielt die Schule den Namen des Dichters Ludwig Uhland.