Freilich, das wichtigste Weiß fehlte am Freitagnachmittag. Statt als Teil eines Winterwunderlandes präsentierte sich die Umgebung der Würtinger Grund- und Werkrealschule in eher gedeckten Farben. Grau verhangen der Himmel, grün-braun der Boden. Schulrektor Klaus Besch ist zwar viel zuzutrauen, aber das Wetter, das kann auch er (noch) nicht beeinflussen. Muss er auch gar nicht. Auch so strömten neben Bürgermeister Eberhard Wolf viele Besucher auf den Würtinger Schulhof und feuerten dort zum Auftakt des Schulfests Schüler, Lehrer und Eltern an, die in sechs Teams auf dem Biathlon-Parcours Bestzeiten jagten und versuchten, beim Büchsenwurf die Zahl der Strafrunden so gering wie möglich zu halten.

Die Würtinger Abwandlung der weißen Sportart war eine, aber bei weitem nicht die einzige Anspielungen auf die Farbe Weiß, die die Schüler aller Klassen in der vorangegangenen Projektwoche vorbereitet hatten. Boten die Neuntklässler also fachmännisch moderierten Sport, ging es im Musik- und Medienraum stiller zu. Dicht gedrängt sahen Neugierige die kunstvollen Schattenspiele der Klasse sieben und "bewegtes Weiß", das die Klassenstufen drei und vier in Szene setzten.

Stichwort Licht und Schatten, beziehungsweise Schwarz und Weiß: Jener Kontrast macht es überhaupt erst möglich, dass diese Zeilen lesbar sind. Wie genau die schwarzen Wörter aufs weiße Papier kommen, das können Interessenten ab sofort bei den Würtinger Zweitklässlern erfragen.

Angeleitet von Konrektor Rolf Kaschub hatten sie sich aufgemacht, gleich zwei Bücher aufzulegen. Und zwar angefangen von der geistigen Vorarbeit und der Entwicklung eigener (Gespenster-)Geschichten, über den Satz mit Bleibuchstaben in Spiegelschrift bis hin zum Druck der Buchseiten mit einer händisch betriebenen Presse. Nebenbei geklärt wurde so übrigens auch, wie ein ganzer Berufsstand zu seinem Namen kam.

Vor vollen Rängen lasen die stolzen Jung-Autoren Kostproben ihrer (Kurz-)Geschichten also wie gedruckt. Sie wurden belohnt durch großen Beifall, neugierige Blicke ernteten sie, als sie sich beim technischen Handwerk über die Schulter schauen ließen.

Doch in den weitläufigen Fluren der Schule gab es noch mehr zu entdecken. Ein Blickfang waren die von den Achtklässlern fantasievoll bearbeiteten Skulpturen aus weißem Ytong-Stein, die Fünfer bereiteten eine Themenschau und ein Quiz zu Tieren in Eis und Schnee vor. Zu spannenden Experimenten mit der Camera Obscura und zur Entdeckung von Sinnestäuschungen, wie etwa Irrlichter, luden die Sechstklässler ein.

Die Jüngsten trugen auf ihre Weise zum Thema bei. Mit Grundschullehrerin Cordula Pawlowski schnitten sie etwa Schneekristalle aus Papier, bastelten Pinguine oder nahmen sich der Geschichte rund um Astrid Lindgrens "Tomte Tummetott" an.

Das, was die Pädagogin während der Projekttage bei ihren Schützlingen beobachtete, darf man wohl auf alle Klassenstufen übertragen: "Es hat ihnen Spaß gemacht" - insbesondere auch, weil der sonst übliche Leistungsdruck für einen Moment außer Kraft gesetzt war. Lernen fürs Leben und nicht für die Schule in Reinform also. Zwar präsentiert sich jenes Leben in Würtingen derzeit recht schneearm und wenig weiß, doch ob es so bleibt, das ist noch längst nicht ausgemacht. Rektor Besch wird sicher auch in dieser Sache noch alle Hebel in Bewegung setzen.