Begabungen und Gaben

SWP 23.07.2016

„Wenn meine Mama wüsste, was ich schon alles kann, käme ich aus der Arbeit gar nicht mehr heraus.“ sagte der kleine Junge. Trotzdem freute er sich an allem, was er schon konnte. Mit großer Freude entdeckte er seine Gaben und Begabungen.

Viele unserer Begabungen und Gaben haben wir auf unserem Lebensweg schon entdeckt.

Ich finde es interessant, einmal einen Blick auf die eigenen Gaben und Begabungen zu werfen. Wenn Sie in der kommenden Ferien- und Urlaubszeit zur Ruhe kommen, nützen Sie doch die Gelegenheit, einmal darüber nachzudenken, wo Ihre Begabungen liegen, was Sie besonders gut können. Oder noch besser: planen Sie sich bewusst immer mal wieder eine Stunde oder auch zwei dafür ein. Denken Sie einmal darüber nach – und schreiben Sie es auf..

Und wenn Ihnen nichts einfallen sollte, das Sie aufschreiben können, dann fragen Sie die Menschen, mit denen Sie zusammenkommen und bitten Sie diese, Ihnen etwas zu sagen. Bestimmt werden Sie staunen, über das, was da zusammenkommt an Gaben und Begabungen.

Gerhard Schöne beschreibt in einem seiner Lieder ganz unwahrscheinliche Ereignisse. Und dann singt er: „Du hast es nur noch nicht probiert, und darum glaubst du‘s nicht!“ Geht es Ihnen nicht auch immer wieder so: Da stehe ich vor einer herausfordernden Aufgabe, ich denke: Das schaffe ich nicht. Dann probiere ich es trotz meiner Bedenken – und entdecke: das kann ich ja doch! Da habe ich eine Gabe, eine Begabung. Das ist nicht nur in jungen Jahren so, das können wir bis ins hohe Alter erfahren: Neue Gaben und Begabungen entdecken.

Gaben und Begabungen kommen irgendwo her. Ich bin mir sicher, hinter meinen Gaben und Begabungen steckt ein Geber: Gott. Ihm danke ich für das, was er mir gegeben hat.  Und ihm danke ich für das, was er mir sonst noch gegeben hat, für alles, was ich zum Leben brauche.

Der Junge am Anfang hatte das ganz gut beobachtet: Gaben und Begabungen bringen Aufgaben mit sich. Sie wollen eingesetzt werden. Für andere.

Meine Begabungen habe ich nicht für mich allein, und auch nicht dafür, dass nur ich groß herauskomme. Natürlich tut es gut, wenn andere meine Begabungen erkennen und mich loben für das, was ich geleistet habe. Und das darf auch sein. Zuerst aber sind meine Begabungen dafür da, dass ich sie einsetze zum Nutzen der Gemeinschaft. Gott gibt uns Gaben, damit zuerst seine Gemeinde etwas davon hat. Und er gibt uns Gaben und Begabungen, dafür, dass wir alle Menschen um uns herum unterstützen können, wo sie es nötig haben – egal ob sie mit uns in die gleiche Gemeinde gehen oder in eine andere – egal, ob sie Christen sind oder nicht. Gottes Gaben sind für alle da. Und uns fordert Gott auf, diese Gaben für die anderen einzusetzen, sie einzubringen in die Gemeinschaft, in der wir leben.

Jesus sagt: „So wird von jedem, der viel bekommen hat, auch viel erwartet; und wem viel anvertraut wurde, von dem verlangt man um so mehr.“ Dieses Wort steht in der evangelischen Kirche als Wochenspruch über diesem Sonntag und der kommenden Woche. Sie können es nachlesen in der Bibel, im Evangelium nach Lukas, und dort im 48. Vers des 12. Kapitels.

Bevor wir unsere Gaben und Begabungen für andere einsetzen können und sollen, dürfen und müssen wir entdecken, was Gott uns alles gegeben hat. Das ist mir heute wichtig.

Nun lade ich Sie ein zu einer zweiten Runde des Beobachtens: Achten Sie in dieser Ferienzeit einmal auf das, was Sie haben und sind. Und auf das, was Sie erleben dürfen: Ein Dach über dem Kopf, ein schöner Sonnenuntergang, ein Blick in die Weite, ein Blick auf eine Felswand mit ihren verschiedenen Strukturen, das Rauschen des Meeres, das kühlende Nass eines Badesees, das Wogen eines gelben Getreidefeldes – was auch immer Ihnen begegnen mag: versuchen Sie, es in Erinnerung zu behalten. Schreiben Sie es auf.

Es kommt nicht darauf an, wie lange die Liste wird – ganz sicher aber steht etwas darauf, für das Sie dankbar sind. Und ich bin mir sicher, dass Sie staunen werden über all das, was Gott Ihnen schenkt.

Ich lade Sie dann ein, IHM zu danken für all das, was Sie entdecken – an Gaben und Begabungen und an schönen Erlebnissen.

Und wenn Sie in diesem Sommer die Arbeit nicht loslässt, dann schauen Sie doch auf das, was Gott Ihnen auch durch Ihre Arbeit schenkt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Ferienzeit, für die Sie Gott danken können.