Riederich Austauschprogramm für Mütter

Riederich / Anne Laaß 06.06.2018

Es ist wohl die natürlichste und gleichsam eine der wichtigsten Sachen der Welt: das Stillen. Stephanie Beck, in der Gemeinde Riederich zuständig für den Bereich Kinderbetreuung, nahm diesen Aspekt als Grundlage für das Stillcafé. Zudem, so erzählte sie, habe es immer wieder lose Krabbelgruppen von jungen Müttern gegeben, die sich untereinander austauschten. Ein festes Angebote fehlte jedoch. Von der Idee bis zur Verwirklichung dauerte es dennoch. „Den letzten Schubser in Richtung Stillcafé gab es von Irmela Theurer-Weigele“, so Beck. Bei einem Treffen der „Frühen Hilfen“, einer Beratungsstelle des Landkreises, habe man über Angebote für Familien im Erms­tal gesprochen. Theurer-Weigele arbeitet für die evangelische Bildung Reutlingen und hat sich für das Projekt ausgesprochen. Ein weiterer Befürworter des Projektes ist Bürgermeister Tobias Pokrop. Auch für ihn sei es wichtig, in der Gemeinde solche Angebote zu schaffen und somit die Familien in jeder Lebensphase zu unterstützen.

Die Frage nach den Tüchern

Gesagt, getan: Seit April besteht nun das Stillcafé. Es soll Eltern die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Der Alltag mit Kleinkindern ist ein Abenteuer für sich. Oft hilft es, sich Rat zu holen, über Sorgen zu reden und unter Gleichgesinnten zu sein. Stephanie Beck merkte an, dass die Anforderungen an die Eltern im ersten Lebensjahr hoch sind. Viele hätten das Bedürfnis über die Herausforderungen zu reden.

Aber nicht allein der Austausch mit anderen Eltern ist hier möglich. Jana Lehr ist Hebamme und leitet den offenen Treff im Riedericher Bürgerhaus. Sie ist die Fachfrau. Ein weiterer Faktor, der für das Stillcafé spricht, ist dass es kostenlos und unverbindlich ist. Gefördert wird es durch das Landesprogramm Stärke, die Gemeinde Riederich, die die Sachmittel sowie den Raum zur Verfügung stellt, und die evangelische Bildung Reutlingen. Veranstalter ist das Haus der Familie, das zur evangelischen Bildung gehört. Das erste Treffen lockte sieben Mütter, davon fünf aus der Gemeinde, in das Bürgerhaus.

Eine von ihnen ist Christine Feder. Sie besucht mit ihrer fünf Monate alten Tochter regelmäßig das Stillcafé. „Hier trifft man andere Mütter und kann so neue Kontakte knüpfen“, sagte Feder. Ihre Tochter Neomi beweist derweil mehrfach, wie man sich auf den Bauch dreht und erntet dafür anerkennende Rufe der anderen Mamas. Während Feder die Kleine wickelt, tut es ihr Jessica Gross gleich. Auch sie ist schon ein paar Mal beim Treffen gewesen. Hebamme Jana Lehr regt bei dieser Gelegenheit eine Debatte über eine neue Sorte Feuchttücher an. „Welche Erfahrung habt Ihr damit gemacht? Wie findet Ihr das Preis-Leistungs-Verhältnis?“, fragte sie in die Runde. Nach einigem Hin und Her gibt es das Fazit: Die Sorte kann, muss aber nicht sein. „Zuhause tut es auch ein nasser Waschlappen“, sagte Lehr mit einem Schulterzucken.

Jessica Gross’ Tochter Lotta ist bereits acht Monate und neugierig. Sie erkundet ohne Scheu viele der Dinge, die auf den Isomatten liegen. Hier haben es sich Mütter und Töchter bequem gemacht. Die Atmosphäre ist entspannt. Auf einem Tisch stehen, außer Reichweite der Kinder, Obst, Gemüse, Wasser und Kaffee bereit. Die Matten sind ausgebreitet und geben jedem ausreichend Platz.

Positive Rückmeldungen

Zum ersten Mal ist Annette Reinholz aus Mittelstadt beim Stillcafé. Sie hat von dem Angebot gehört und wollte einfach mal vorbeischauen. Ihre Tochter Emilia ist sieben Monate alt. Mit wachem Blick beobachtete sie ihre beiden Mitstreiterinnen und schien sich von Minute zu Minute mehr zu wagen. „Sie fremdelt gerade ein bisschen“, erklärte Reinholz. Dennoch schenkte Emilia den Treffbesucherinnen ein Lächeln. Für alle drei Mütter ist das Stillcafé ein Ort, den sie weiterempfehlen können. Der Austausch untereinander und die Chance, neue Kontakte zu knüpfen, seien wichtig. Willkommen sind aber nicht allein stillende Mütter, sondern auch Fläschchenbabys mit ihren Eltern. Bislang besteht der Treff noch aus Müttern. Und diese beweisen, dass Stillen einfach das Natürlichste der Welt ist.

Somit scheint die Idee von Stephanie Beck, eine Anlaufstelle für Eltern zu haben, aufgegangen zu sein. Die Teilnehmerzahl ist konstant. Der offene Charakter des Treffs ist hierbei wichtig, denn so könne das Angebot dem Alltag der Eltern angepasst werden. Immer mittwochs von 9.30 bis 11.30 Uhr stehen die Türen im Bürgerhaus offen. Damit ist Riederich die erste Gemeinde im Ermstal, die ein solches Angebot für Familien geschaffen hat. Sollte sich das Stillcafé bewähren, könnte die Familienfreundlichkeit in der Gemeinde noch ausgeweitet werden, etwa durch Geburtsvorbereitungskurse.

Familienfreundlicher werden

Das baden-württembergische Landesprogramm Stärke besteht seit September 2008. Unterstützt werden Projekte, die qualitativ hochwertige Familienangebote schaffen. 2014 hat das Programm sein Spektrum aufgestockt. Darunter fällt auch die finanzielle Hilfe bestimmter offener Treffs.

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