Kein Nachname findet sich in der Bundesrepublik öfter als Müller. Das lässt erahnen, wie häufig der Beruf einst im Land verbreitet war. Auch im alten Urach hielten viele Männer die Ehre dieses Handwerks hoch, Spuren ihres Wirkens zeigen sich noch allenthalben in der stolzen Residenz- und Oberamtsstadt. Diesen spürt die Initiative Kulturach bei einem Spaziergang am Freitag, 8. Juli, ab 19 Uhr nach. Mit Texten, Liedern und Musik beleuchten sie das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. „Kulturach mahlt“ lautet daher das Motto des Abends.

Start der Aktion ist in der Nähe des Altenheims Herzog Christoph, hinter dem die Erms vorbeirauscht und das in der Mühlstraße liegt. Danach marschiert die Gruppe weiter zum Postgelände an der Bismarckstraße und zur Klostermühle. Der Abschluss des etwa anderthalb- bis zweistündigen Spaziergangs ist im Hof der Wilhelmschule, dort tischen die Organisatoren zum Thema Passendes auf. Unterwegs muss ebenfalls niemand verhungern oder verdursten, versprechen die Initiatoren. Wer an den einzelnen Stationen lieber sitzen möchte, der ist angehalten, sich einen Klappstuhl mitzubringen.

Der Gedanke, sich mit der Geschichte der Uracher Mühlen zu befassen, entstand schon vor längerer Zeit, erklärt Johanna Kugele. Zumal sich die Kulturinitiative auch auf die Fahnen geschrieben hat, sich den eher unbekannten Aspekten der Uracher Historie anzunehmen. Wiewohl der Fokus bei weitem nicht allein auf dem Blick in die Geschichte ruht. Wer am Spaziergang teilnimmt, dem wird vielmehr ein Abend für alle Sinne geboten, das Programm reicht von Brecht bis Ringelnatz, vom Volkslied bis zum Blues, vom Sprichwort bis zum viel zitierten Gedicht.

Obschon im Laufe des Programms zahlreiche Größen der deutschen Literatur zu Wort kommen, soll der Abend nicht allein dem künstlerischen Ernst und der Erhabenheit dienen, kurzum: „Es darf auch gelacht werden“, wie Kirsten Oechsner betont. Denn, das Drehbuch enthält durchaus Hintersinnig-Lustiges, wofür etwa Texte von Wilhelm Busch bürgen.

Das Programm für den Mühlenabend haben die Kulturacher selbst erarbeitet. Damit hat die Initiative zwischenzeitlich Erfahrung: Zum ersten Mal wagten sich die Kulturacher 2008 mit „Weibsbilder“ an die Öffentlichkeit, es folgten ein „italienischer Abend“ oder ein Ausflug ins „Rosengässle“.

Vor zwei Jahren befasste sich die Gruppe mit dem Roten Winkel, der einstigen Künstlerkolonie im Seeburger Tal, in der nicht zuletzt Bertolt Brecht und Johannes R. Becher zu Gast waren. „Wir wollten“, sagt Kirsten Oechsner, „Kultur nicht nur anbieten, sondern auch selbst machen.“ Außerdem treibt die zwölfköpfige Gruppe schlicht und einfach der Spaß an der Sache an. Gleichwohl legen die zehn Frauen und zwei Männer Wert auf sauber recherchierte Fakten.

Derzeit proben die Kulturach noch fürs neue Programm, das nach intensiver Arbeit aus einem ganzen Konvolut von Texten entstand, wie Heidemarie Pfeiffenberger schildert. Der Gedanke, sich dem Thema „Mühlen“ während eines Spaziergangs zu nähern, brachten Johanna und Walter Kugele aus einem Frankreichurlaub mit. Wie gewohnt, beteiligen sich auch Gäste am Programm, darunter findet sich beispielsweise Wolfgang Jäger aus St. Johann.

Der Mühlenabend, da sind sich die Initiatoren einig, wird nicht das letzte von Kulturach selbst erarbeitete Programm bleiben. „Bis jetzt“, sagt Johanna Kugele augenzwinkernd, „ist uns ja noch nie ein Zuschauer davongelaufen. Ganz schlecht kann’s also nicht gewesen sein.“