Klassik Auf dem Sprung ins Sängerinnen-Dasein

Lokalmatadorin im internationalen Musiktage-Meisterkurs um Opernlegende Siegfried Jerusalem: Die 24-jährige Sopranistin Paula Jeckstadt aus Bad Urach.
Lokalmatadorin im internationalen Musiktage-Meisterkurs um Opernlegende Siegfried Jerusalem: Die 24-jährige Sopranistin Paula Jeckstadt aus Bad Urach. © Foto: foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / Von Christina Hölz 06.10.2018

Zeugnisse sind Privatsache, aber dieses wollen wir nicht geheim halten. Am Ende des Meisterkurses für Gesang bei den Herbstlichen Musiktagen hatte die junge Bad Uracher Sopranistin Paula Jeckstadt ihren Mentor überzeugt. „Paula wird ihren Weg gehen“, lobte der legendäre Wagnertenor Siegfried Jerusalem die Sängerin.

Der einstige Opernstar muss es wissen. Mit seinen 78 Jahren hat Siegfried Jerusalem viele Nachwuchshoffnungen kommen und gehen sehen. Sieben junge Interpreten versammelte er diese Woche im Rahmen des Musikherbstes in der Kurstadt um sich. Eine erlesene Auswahl. Das Interesse am Meisterkurs sei groß, die Bewerbung sichtet der Kursleiter oft höchstselbst. „Er hat auch meist das letzte Wort“, verrät der Bad Uracher Kulturreferent Thomas Braun.

Gekommen sind die Nachwuchssänger schließlich aus der ganzen Welt. Sogar aus Asien. Eine nur stammt aus dem Ermstal, und das ist Paula Jeckstadt. Insider wundert das nicht, denn die 24-Jährige arbeitet seit Jahren konsequent auf eine Sängerinnen-Laufbahn hin.

Ihre Sopran-Stimme schulte unter anderem der mexikanische Top-Tenor Francisco Araiza, vor Jahren ebenfalls Uracher Meisterkurs-Chef. Und kürzlich legte die Gesangsstudentin Jeckstadt ihren Bachelor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart ab. Eine Art „Prüfungskonzert“ gab die Stipendiatin der Fischer-Stiftung dabei im Juni im Rathaus ihrer Heimatstadt – mit Werken von Brahms, Puccini und Schumann.

Schwebend, lebhaft und leicht klingt ihr Sopran. Mit ihrer Stimme ist die hübsche Brünette auch sonst immer wieder auf den Bühnen im Landkreis präsent – etwa 2017 als Gräfin in Mozarts „Hochzeit des Figaro“ bei der Pfullinger Opera Laiblin.

Kurz, Paula Jeckstadt ist in der Region verwurzelt. Nicht nur in Bad Urach, wo sie für den TSV auch Handball spielte. Als Kind des Dettinger VHS-Orchesters gilt die junge Sängerin obendrein. Paula Jeckstadts Mutter Birgit Kugel spielt dort die Querflöte, die Tochter trällerte schon als Teenager mit den Musikern Arien aus „Cosi fan tutte“.

Und jetzt? Stand Paula Jeckstadt mit den anderen Meisterkursteilnehmern zum öffentlichen Abschlusskonzert auf der Uracher Schlossmühlen-Bühne. Strahlend und gesanglich bestens aufgelegt.

So beeindruckte sie auch unsere Kritikerin, die die junge Uracherin schon zu Dettinger VHS-Orchester-Zeiten hörte – und ihr enorme Fortschritte als Sängerin bescheinigte.

Wer weiß, vielleicht schafft es Paula Jeckstadt ja. Von Bad Urach aus auf die großen Bühnen der Welt. Die Herbstlichen Musiktage sorgten bekanntlich schon bei etlichen Künstlern für einen Karrieresprung. Zum Beispiel in den später 90er-Jahren für den derzeit bekanntesten deutschen Tenor, Superstar Jonas Kaufmann.

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