Kulturgeflüster Auf dem richtigen Weg

Kulturredakteurin Christina Hölz über die Zukunft der Herbstlichen Musiktage in Bad Urach.
Kulturredakteurin Christina Hölz über die Zukunft der Herbstlichen Musiktage in Bad Urach. © Foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / Christina Hölz 04.10.2018
Bad Uracher Musiktage: Festivalchef Florian Prey muss Neues wagen.

Der Top-Star der Bad Uracher Musiktage hatte ganz kurzfristig abgesagt. Keine Frage, das versetzte den längst katastrophengeeichten Festivalmanager Thomas Braun und seinen künstlerischen Leiter Florian Prey in eine kurze Schockstarre. Wie gesagt, in eine kurze. Denn zwar gilt der 35-jährige Salzburger Schlagzeugstar Martin Grubinger als Publikumsmagnet für die jüngere Konzertgeneration, und sein Auftritt in der Reutlinger Stadthalle sollte unbestritten auch ein Zeichen für die Erneuerung des Musikherbstes sein. Doch erstens haben die Verantwortlichen den krankheitsbedingten Ausfall des international gebuchten Trommlers am Sonntag gut gemanagt – der Nachholtermin am 8. März 2019 stand sofort. Und zweitens sorgte ein anderes Konzert für neue Gesichter in den Reihen des Musiktage-Publikums. Ja, sogar für die jugendliche Verstärkung, um die die Festspiele schon lange werben.

Die Rede ist vom Gastspiel des Berliner Stegreif-Orchesters in der Festhalle (siehe untenstehender Artikel). Junge Musiker, die sich barfuss und ohne Noten zur Musik wiegen, sanft ihren Brahms summen und am Ende das Publikum zum Tanzen bewegen – inklusive Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann. Nein, das war noch nie da. „Aber da liegt Potential drin“, bringt Kulturreferent Thomas Braun die Jubelstürme am Ende wieder einmal diplomatisch auf den Punkt.

Konzerte im Stil der innovativen Brahms-Interpretation seien zwar „nicht die Richtung in die Herbstlichen Musiktage ausschließlich gehen werden“, so relativierte Braun am Rande des Festivals. Doch das Experiment ist gelungen. Und die ausverkaufte Halle beim Stegreif-Abend gibt vor allem Programm-Macher Florian Prey recht. Nicht immer nämlich ist der künstlerische Leiter der Festspiele zu beneiden. Der Musikherbst versteht sich traditionell als Festival der menschlichen Stimme; Liederabende gehören zum Kern. Dafür steht in diesem Jahr etwa der Abend mit der renommierten Mezzosopranistin Vesselina Kasarova (heute 19.30 Uhr, Festhalle). Die Krux: Ausgerechnet für dieses Konzert ist die Nachfrage bislang bescheiden, bedauert Braun.

Festivalchef Florian Prey muss also Neues wagen. Und das tut er behutsam, ohne allzu harte Brüche. Seit 2006 ist er künstlerischer Leiter, seine Handschrift ist klar erkennbar. Innovatives kommt, Traditionelles bleibt dennoch – damit ist Florian Prey auf dem richtigen Weg. Auch der Blick auf das Programm 2019 scheint vielversprechend: Der berühmte Leipziger Thomanerchor wird in Bad Urach gastieren, außerdem ist seit längerem einmal wieder ein größerer Opernabend geplant, verrät Thomas Braun. Auch das ist ein Mosaik des Festivals: Der Uracher Sängertreff ist sogar bekannt dafür, dass er immer wieder vergessene Opern zu neuem Leben erweckt.

Übrigens 2019 nach einer Pause wieder auf dem Uracher Orchesterpodium: Die Württembergische Philharmonie Reutlingen, die dort in den Jahren zuvor bereits als eine Art „Orchestra in Residence“ auftrat. Damit engagiert sich Florian Prey auch für die regionale Vernetzung der Herbstlichen Musiktage. Und die spiegelt sich auch in den Auswärts-Gastspielen, die bleiben sollen. „Metzingen und Dettingen sind Alternativen“, erklärt Thomas Braun. Im März 2019 geht es erst einmal mit Topseller Martin Grubinger in die Reutlinger Stadthalle, wo Thomas Braun jüngst Zeuge der Stahlkraft des Uracher Festivals wurde: Um den Schlagwerker zu hören, war ein Ehepaar aus dem Vorarlberg angereist. Es hat, wie gesagt, nicht geklappt. Aber im März wollen die beiden wieder kommen.

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