Bad Urach Anregungen, Anliegen, Antworten

Bad Urach / Simon Wagner 28.06.2018

Immer wieder griff er zum Stift. Bernd Malls Notizblock war am Ende eines lebendigen Abends um einige Einträge reicher. Der Leiter der städtischen Öffentlichkeitsarbeit in Bad Urach war am Dienstagabend, ebenso wie Bürgermeister Elmar Rebmann selbst, Gast im Bad Uracher Hotel-Restaurant Café Buck. Dorthin hatte unsere Zeitung erstmals Vertreter der Stadtverwaltung, aber insbesondere auch unsere Leser eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, kommunalpolitische Themen anzuschneiden, Ärgernisse los zu werden und Sichtweisen auszutauschen.

Ein Angebot, das offenbar einen Nerv getroffen hat. Redaktionsleiter Peter Kiedaisch, selbst lange Jahre zuständig für die Kurstadt, konnte auf Anhieb rund 30 Gäste zur Bad Uracher Premiere des SÜDWEST PRESSE Leserstammtischs begrüßen. Es entwickelte sich schnell eine muntere Gesprächsrunde bei kühlen Getränken in einer lockeren Atmosphäre, sodass sich Bernd Malls Block im Laufe der Zeit mit allerlei Kritik, Anregungen aber auch Lob füllte.

Großen Raum nahm unter den am Dienstagabend angesprochenen Themen der leidige Verkehr und Bad Urachs Status als Nadelöhr ein. Insbesondere beobachtet Rebmann eine deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs. Hoffnungen setzt er auf die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen, wie der B 28. Ab dem 1. Juli sind Brummer ab 7,5 Tonnen dort mautpflichtig. Die Wasserfallkreuzung, mit rund 30 000 Fahrzeugen pro Tag, bewege sich derzeit an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Zusammen mit Dettingen will er deshalb mit dem Regierungspräsidium Lösungen diskutieren. Grundsätzlich, so sagt er, sei es das Ziel, den Individualverkehr zu beschleunigen. Dabei müsse die Lösung nicht zwangsläufig Kreisverkehr heißen. „Der funktioniert nicht überall.“

Weit mehr, gar eine „Zeitenwende“, verspricht er sich von der ab 2022 elektrifizierten Regionalstadtbahn, die dann im 30-Minuten-Takt verkehren könnte. Den Bereich des Bahnhofs kann er sich vor diesem Hintergrund als Mobilitätsdrehscheibe vorstellen, an der verschiedene Verkehre auch aus dem Umland zusammenfinden. Sollte dies gelingen, verspricht er sich gleichzeitig eine Belebung des Stadtzentrums. Die Ansiedlung zweier Einkaufszentren im Dunstkreis der Altstadt, statt auf der grünen Wiese, macht er jedenfalls nicht verantwortlich für den manches Mal beklagten Frequenzrückgang. Auch Sabine Hunzinger, Buchhändlerin, glaubt, dass der Handel insgesamt von den Ansiedlungen profitiert. Die eigentliche Konkurrenz für den örtlichen Einzelhandel macht der Schultes ohnehin im Onlinegeschäft aus.

Beklagt wurde von einem Stammtischbesucher die mangelnde Anbindung von Unter- und Oberstadt. Eine Lanze brach Rebmann in diesem Zusammenhang für den Stadtbusverkehr und seine enge Taktung. Es gebe Kommunen, so weiß er, die unverhohlen neidisch auf das funktionierende System in städtischer Hand schielen. Jene 70 000 Euro, die man dafür jährlich in die Hand nehme, seien bestens und weitsichtig angelegt: „Wir sind gewappnet für den Bewusstseinswandel.“

Zu einer sicheren Mobilität für Fahrradfahrer könnte hingegen ein Schutzstreifen entlang der Stuttgarter Straße beitragen, wie in Richtung Rathaus angeregt wurde. Einig war man sich, über alle Tische hinweg, über die Verdreckung der Stadt. Sei es durch wilde Müllkippen, verklebte Laternenmasten oder aber achtlos weggeworfene Kippen oder Kaugummis. Der Ruf nach Zivilcourage wurde laut, um dieses gesellschaftliche Problem zu lösen.

An diesem Abend war auch die Gestaltung des Bad Uracher Marktplatzes Thema. Es wurden verschiedene Ideen und Ansätze diskutiert, den zentralen Fokus etwa mit einer Skulptur zu bestücken, die an die reiche Tradition des Schäferlaufs erinnere. Mehr grün, mehr Sitzgelegenheiten: „Wir werden darüber nachdenken“, versprach Rebmann. Er stellte aber fest: „An der in den 90er Jahren festgelegten Gestalt will ich nicht rütteln“ – sie allenfalls punktuell verändern und auflockern, besitze man doch einen der schönsten Marktplätze Süddeutschlands.

Verkehr, die Gestaltung des städtischen Raums, das Problem der Vermüllung, eine sich verändernde Mobilität: Ein Thema das all jene Bereiche bündele, könne man im Rahmen einer möglichen Gartenschau in Angriff nehmen. Man habe eine gute Bewerbung in den Ring geworfen, habe es aber mit einer starken Konkurrenz zu tun, so der Rathauschef. „Ob wir zum Zug kommen, werden die nächsten drei bis vier Wochen zeigen.“

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