Bad Urach Am Rathaus läuft’s wieder rund

Nur noch letzte Handgriffe sind an der Rathausuhr zu erledigen.
Nur noch letzte Handgriffe sind an der Rathausuhr zu erledigen. © Foto: Simon Wagner
Bad Urach / Simon Wagner 28.06.2018

Manchmal verhält es sich mit gewohnten Dingen so, wie mit dem Zucker im Kaffee. Man nimmt ihn so selbstverständlich hin, dass man erst auf die süßenden Kristalle aufmerksam wird, wenn sie fehlen. Ähnlich ist es wohl nicht wenigen Bad Urachern mit der Rathausuhr am historischen Marktplatz der Stadt gegangen.

Dort wo sonst vergoldete Ziffern vom Verrinnen der Zeit kündeten, klaffte seit Anfang März ein (verschaltes) Loch. Gleich mehrmals und immer wieder wurde Bürgermeister Elmar Rebmann von verschiedenen Kurstädtern angesprochen, wie lange man noch zeitlos, also ohne Rathausuhr, leben müsse. Rebmann wunderte sich über die vielen Nachfragen nicht: „Die Uhr gehört zum Rathaus, zum Marktplatz und zur Stadt.“ Jetzt kann er die fragenden Blicke positiv, wohl im Sinne aller, beantworten: Die Wartezeit hat ein Ende.

Hochkarätiges Blattgold

Nur noch wenige Handgriffe sind notwendig, bevor das abgebaute Gerüst den unverstellten Blick auf das blau hinterlegte Ziffernblatt wieder freigibt. Zum Vorschein kommt dann nicht nur der unter anderem mit hochkarätigem Blattgold runderneuerte Ziffernkreis, sondern vor allem die darüber angebrachte Mondphasenuhr.

Dort waren zwar auch schon zuvor die goldene Mondscheibe und funkelnde Sterne zu sehen, doch daran den Lauf der Gestirne abzulesen, musste unweigerlich scheitern. Denn ein Blick hinter die Kulissen zeigte, dass es sich lediglich um eine bemalte aber starr befestigte Holzplatte handelte. Diese Form des Etikettenschwindels mit Hilfe einer Sanierung zu beenden und das Uhrwerk wieder in Gang zu setzen, beschloss der Bad Uracher Gemeinderat anlässlich der 700-Jahr Feier der Stadt.

Diese Willenserklärung nun in die Tat umgesetzt haben, in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt die aus dem bayrischen Biberach stammenden Turmuhrexperten der Firma Hörz. Namentlich Geschäftsführer Andreas Pechmann, der Konstrukteur Markus Willburger und Monteur Jürgen Wöhrle nahmen sich in den vergangenen Monaten den technischen Innereien der Uhr an und warteten sie, sie ersetzten aber vor allem das zuvor still stehende Blendwerk mit einer rotierenden Scheibe, die fortan die Zu- und Abnahmen des Erdtrabanten zuverlässig anzeigt. Die Scheibe fristete bisher, in den weitläufigen Winkeln des Rathaus-Dachbodens, ein kümmerliches Dasein.

Zuverlässig ist die Anzeige nicht zuletzt auch deshalb, weil die Mechanik der Mondphasenanzeige nun entkoppelt ist vom übrigen Uhrwerk und elektronisch gesteuert sein kaum sichtbares aber präzises Werk tut. In kaum sichtbaren Schritten folgt sie dem Lauf des Monds: Er braucht exakt 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten, um wieder an der selben Stelle am Firmament zu stehen. Ablesen lassen sich die Mondphasen nun wieder anhand zweier Höcker, die Teile der aufgemalten Monde verdecken. Ist einer der beiden Punkte in Gänze zu sehen, ist Vollmond.

Wann genau die Uhr samt Mondanzeige in das 1440 erbaute Rathaus eingebaut wurde, darüber schweigen sich die Quellen aus. Vermutet wird allerdings, dass im Zuge einer Erweiterung im Jahr 1562 auch die Uhr an ihren Platz kam. Verbrieft hingegen ist, dass die Mondphasenanzeige noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts lief, ehe die Uhr wohl 1959 aufwendig überholt wurde und man die Scheibe durch eine Holzplatte ersetzte.

Die jetzige Sanierung und Wartung der Uhrwerke wird die Stadt wohl etwa 15 000 Euro kosten, wie Thomas Jaschinski, Gebäudemanager der Stadt, sagt. Dass sie ausgerechnet ab heute wieder im Takt und rund laufen, ist geradezu eine Punktlandung: Um genau 6.53 Uhr wird der goldene Punkt exakt zwischen die beiden Höcker wandern. Ein Blick während des morgendlichen Kaffees lohnt also. Ob nun mit oder ohne Zucker.

450

Jahre etwa ist die Bad Uracher Rathausuhr alt. Nun saniert, tut auch die Mondphasenanzeige wieder ihr Werk. Die Stadt wird sich dies in etwa 15 000 Euro kosten lassen.

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