Bad Urach Am besten nochmal 50 Jahre

Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 28.07.2014
Überraschende Begegnungen und Erinnerungen an längst vergessene Erlebnisse: Beim Realschul-Jubiläumsfest kamen unzählige Schüler, Lehrer und Eltern aus den vergangenen 50 Jahren zusammen.

Die Vergangenheit war allgegenwärtig: Weil alte Filme von Schullandheim-Aufenthalten gezeigt wurden, sich die Besucher in eine Ausstellung vertiefen konnten oder weil den Gästen ständig alte Bekannte über den Weg liefen - ehemalige Lehrer, Mitschüler oder auch die Eltern von Freunden. Manche sahen sich und die Schule seit Jahren erstmals wieder, hatten entsprechend viel zu erzählen - darunter auch mit dem Grünen-Politiker Cem Özdemir, der wohl berühmteste Absolvent der Geschwister-Scholl-Realschule.

Doch das Schulfest aus Anlass des 50-jährigen Bestehens war alles andere als ein reiner Nostalgie-Trip, auch die Gegenwart präsentierte sich eindrucksvoll: Die einen Schüler hatten Kosmetik selbst hergestellt, eine andere Gruppe Gummibärchen und Mini-Gugelhupfs oder Cup Cakes fürs gleichnamige Café. Das war so gut besucht wie das Spieleparadies. Beliebt unter den Besuchern war auch das Tischkicker-Turnier oder die unzähligen Vorführungen unter anderem von der Band "Annanika" oder der Musical AG. Die Aktionen und Angebote unterstrichen die intakte Schulgemeinschaft, in der sich auch Schülersprecherin Ceyda Tutar wohl fühlt: "Die Schule hätte es verdient, hier noch lange bleiben zu dürfen", meinte sie. "Ich wünsche ihr noch viele Stunden."

Denn um die Zukunft der Realschulen gibt es viele politische Diskussionen: "Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf", bedauerte der ehemalige Rektor Dr. Günther Trautner. Dabei stehe die Realschule im besten Lebensalter, es gebe keinen Grund sie in den Ruhestand zu schicken: "Der Bildungsauftrag wurde vorbildlich wahrgenommen", meinte er. Und zwar so gut, dass "weitere 50 Jahre frohen Mutes in Angriff genommen werden können."

Auch der derzeitige erste Mann der Geschwister-Scholl-Realschule sieht keinen Grund, diese Schulart "zu opfern:" "Hinter uns liegen 50 Jahre solide Arbeit", machte Stefan Dietz deutlich. Einen wesentlichen Anteil daran habe sein Vorgänger Dr. Trautner: "Von ihm habe ich 1996 eine wohlgeordnete Schule übernommen."

Die hatte sich bei der Gründung noch mitten in der Stadt in der Wilhelmschule befunden und wurde schnell zu klein: "Sie platze bald aus allen Nähten", rief Dr. Trautner in Erinnerung. Auf 16 Unterrichtsstätten war die Realschule in Spitzenzeiten verteilt, unter anderem wurde in Hülben unterrichtet. Von einer "richtigen und zukunftsorientierten" Entscheidung spricht Bürgermeister Elmar Rebmann heute noch, nämlich als der Gemeinderat einem Neubau direkt neben dem Gymnasium zustimmte und der zu Beginn der 80er-Jahre bezogen werden konnte.

Die Namensgebung im Rahmen der Einweihung würde laut Rebmann bis heute unterstreichen, dass die Geschwister-Scholl-Realschule mehr sei als eine Anstalt zur Wissensvermittlung: "Es wird damit unterstrichen, Werte wie freie Meinungsäußerung, Respekt und Demokratie zu achten und zu wahren."

Die Realschule zeichne sich seit der Gründung 1964 durch Kontinuität und ein gutes Lernklima aus, was laut Rebmann eines eindeutig unterstreichen würde: In den 50 Jahren gab's gerade mal zwei Schulleiter sowie je drei Sekretärinnen und Hausmeister. "Das sind Zahlen, mit denen sich nur wenige Schulen schmücken, können", so der Bürgermeister. Statt eines realen Geschenks hatte er eine Zusage mit dabei: Die Vorbereitungen für den dritten Bauabschnitt der Renovierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes werden laut Rebmann im Herbst anlaufen.

Ein dringend notwendiges Unterfangen, wie bei den Feierlichkeiten deutlich wurde: Von der Decke fielen Regentropfen auf die im Atrium sitzenden Zuschauer oder in eigens aufgestellte Auffang-Eimer. Der Freude am Schulfest und dem Spaß unter Jung und Alt tat dies keinen Abbruch, gefeiert wurde im großen Kreis - und zwar ausgiebig und ausgelassen.

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