Hengen Altes Sorten, neu entdeckt

Über „Gartenschätze im Südwesten“ kennt Felicitas Wehnert (2.v.r.) viele Geschichten und hat darüber ein Buch geschrieben, das großes Interesse weckte.
Über „Gartenschätze im Südwesten“ kennt Felicitas Wehnert (2.v.r.) viele Geschichten und hat darüber ein Buch geschrieben, das großes Interesse weckte. © Foto: Mara Sander
Hengen / Mara Sander 05.06.2018

Wenn Lonie Geigle ihren Naturgarten in Hengen öffnet, ist immer viel los, denn ihr Pflanzen- und Tierparadies ist so etwas wie Wohlfühloase und Informationsquelle zum Wissen über Kräuter, Blumen, Nutzpflanzen, Bienen, Umweltbewusstsein  und natürliche Lebensweise.

So war es auch am Sonntag wieder – und dieses Mal im doppelten Sinne märchenhaft. Denn in einer der idyllischen Sitzecken verzauberte Märchenerzählerin Margrit Liebe die Zuhörer regelrecht mit den ausgewählten Texten. Kein Märchen waren allerdings die Informationen der Imker des Bienenvereins Urach über die erschwerten Bedingungen für die fleißigen Bienen, die immer weniger Nahrung finden, weil  in Steinwüsten, zu denen manche Vorgärten gemacht wurden, nun mal keine Blumen wachsen und kurzgeschnittener Rasen ebenfalls keine Nahrung bietet. Die Imker, zu denen auch Rolf Geigle gehört, klärten über die Bedeutung der Bienen auf und überzeugten nicht nur mit Worten und Taten, sondern auch mit köstlichem Honig.

 Wahre Geschichten über „Sortenretter aus dem Südwesten und ihre spannenden Entdeckungen“ hat Felicitas Wehnert für  ihr neuestes Buch „Wahre Gartenschätze im Südwesten“ gesammelt und davon in der märchenhaften Umgebung den Besuchern in Geigles Garten erzählt. Wenn sie dabei von Schätzen in traditionellen Hausgärten und auf Streuobstwiesen schreibt, meint sie keine Gold- oder andere materiellen Funde, sondern alte regionale Gemüse- und Obstsorten wie „Langenauer Stangenbohnen“, die Donauschwaben Mitte des 19. Jahrhunderts mit nach Banat nahmen. Die waren dann hier nicht mehr „schick“, werden aber in jüngster Zeit doch wieder als Rarität in einigen Gärten angebaut. „Hinter jedem alten Gemüse und Obst steckt eine Geschichte“, so die Autorin, die viele Jahre Redaktionsleiterin im Bereich Landeskultur und Feature beim SWR Fernsehen war. So sind die Pflanzen Zeitzeugen von sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen, wie die Expertin am Beispiel der alten Tomatensorten aufzeigt. „Das ist eine Einwanderungsgeschichte, denn die Tomate brachten Italiener, die Fachleute für Tunnelbau waren, im 18. Jahrhundert aus ihrer Heimat mit, um eine gescheite Soße für ihre Pasta machen zu können.“ Heute seien Tomaten das beliebteste deutsche Gemüse, so Wehnert. Geändert habe sich aber der Anbau, denn wie bei vielen Gemüse- und Obstsorten haben Sortenreinheitsgebot, wirtschaftliches Denken und Verbraucheransprüche an Lagerfähigkeit und Aussehen dazu geführt, dass die Früchte möglichst gleichmäßig, robust und transportfähig sein müssen. Damit sind viele Sorten verschwunden.

„Aber jetzt tut sich langsam eine Szene auf, die den Wert alter Sorten wieder erkennt“, so die Autorin der vielen gesammelten Geschichten rund um die alten Sorten. In ihrem Buch, zu dem Manfred Schäffler aussagekräftige Fotos gemacht hat, beschreibt Felicitas Wehnert auch Lonie Geigles Naturgarten, denn der ist einer ihrer Fundgruben bei ihrer zeitintensiven Recherche.

„In Aufzuchttöpfchen aus gepresstem Zeitungspapier wächst Magentaspinat mit seinen inneren lila Trieben heran“, sei ein Beispiel von vielen für das Wirken Geigles als „Sortenretterin“, so die Autorin des etwas anderen Gartenbuchs. Wie Wehnert kann auch Lonie Geigle zu jeder ihrer Pflanzen eine Geschichte erzählen, die kein Märchen ist: vom „Seifenkraut“ bis zur „Perle von Schwaben“, einer alten Salatsorte, die wegen uneinheitlichen Wuchses nicht mehr den modernen Regeln entspricht.

Lesestoff für Gärtner und Historiker

Wer mehr über „Ulmer  Spargel“, „Stuttgarter Riesen“ oder die „Ermstäler Knorpelkirsche“ und andere alte Sorten und ihre Geschichten wissen möchte, kann das Buch von Felicitas Wehnert, „Unsere Gartenschätze im Südwesten“, im örtlichen und Online-Buchhandel beziehen.

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