Bad Urach Als das Hochwasser die Schnitzelgrube füllte

Die Halle in der Zittelstatt hat unter dem Hochwasser gelitten. Foto: Thomas Kiehl
Die Halle in der Zittelstatt hat unter dem Hochwasser gelitten. Foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 16.11.2013
Immer noch beschäftigen den TSV Urach die Folgen des Juni-Starkregens: Die Zittelstatthalle kann seit zwei Wochen zwar wieder benutzt werden, nicht aber die Schnitzelgrube. Für die Instandsetzung fehlt Geld.

"Wir hatten keine Chance mehr", meint Vorstandsmitglied Anette Dreher rückblickend auf den Starkregen im Juni und berichtet von dem schockartigen Zustand, als die Zittelstatthalle komplett unter Wasser gestanden war. "Wir hatten Tränen in den Augen" beschreibt sie ihren damaligen Gemütszustand.

Ohne Gummistiefel und Muskelkraft ging da gar nichts, denn in Bad Urach herrschte Pumpen-Notstand - man hätte mehr brauchen können, als der Verein aufgetrieben hat. Allein 20 000 Liter Wasser mussten aus der Schnitzelgrube abgepumpt werden. "Wenigstens konnten wir die Überflutung stoppen", heißt die nüchtern-positive Bilanz von Anette Dreher.

Nachdem die Feuerwehr sich um den Bach in der Nähe der Halle gekümmert und kritische Stellen frei gemacht hatte, habe niemand mit einer Flutung gerechnet. Aber: Ein in der Nähe der Halle liegender Schacht lief nicht mehr richtig ab, das Oberflächenwasser konnte ungehindert ins Gebäude dringen. Nach diesem Schreckenswochenende herrschte für die Nutzer der Halle der Ausnahmezustand, nichts lief mehr wie gewohnt. Am wenigsten betroffen waren die Kletterer, die im Sommer sowieso im Freien trainieren. Anders die Situation für Turner, Mutter-Kind- Gruppen und die Seniorengymnastik, sie fanden Trainingsmöglichkeiten auf Zeit in anderen Hallen. Innerhalb von kurzer Zeit hatten Carola Walter vom Sportamt und die städtische Gebäudemanagerin Julia Gekeler Alternativen aufgetan: "Uns wurde auf dem kurzen Dienstweg intensiv geholfen", freut sich Vorstandsmitglied Harry Lenknereit. Die Verwaltung sei sogar in Sachen Freienregelung sehr kulant gewesen: "Die Leistungsgruppe konnte auch in den Ferien trainieren."

Seit vier Wochen nun ist in der Zittelstatthalle ein neuer Boden drin, der alte konnte nicht gerettet werden: "Der komplette Boden war draußen bis auf den Beton", beschreibt er die Baustelle. Vor zwei Wochen gabs nun endlich grünes Licht für die Wiedereröffnung, wurden die an verschiedenen Orten eingelagerten Geräte wieder geholt und startete der Trainingsbetrieb - mit Einschränkungen: Die entkernte Schnitzelgrube ist nach wie vor nicht benutzbar, darin lagern im Augenblick die Kunststoffschnitzel in großen Kunststoffsäcken. "Wenigstens die konnten wir retten", meint Anette Dreher. Die Trainingsmöglichkeiten für die Leistungsgruppen sind daher nach wie vor eingeschränkt: "Sie können nicht auf ihren üblichen Niveau trainieren." Wann das wieder der Fall sein wird, ist nicht klar: "Wir müssen die Instandsetzung selbst finanzieren", beschreibt Harry Lenknereit die Situation. Denn der Schaden wird nicht durch die Versicherung im Schadensfall Oberflächenwasser abgedeckt, dem TSV sind finanziell die Hände gebunden: "Wir stehen Hemd ohne Hose da", meint Anette Dreher, der Verein könne gerade mal die laufenden Kosten stemmen. "Wir müssen unseren normalen Sportbetrieb durchbringen", bestätigt Vorstandskollege Lenknereit.

Erklärtes Ziel sei, die Schnitzelgrube so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Dafür werden derzeit die unterschiedlichsten finanziellen Quellen aufgetan: So haben TSV-Mitglieder beim Konzert von Christina Stürmer die Aufbauarbeiten übernommen oder bewirteten sie jüngst bei der Bürgerversammlung. Auch wird nach Sponsoren gesucht, wie Harry Lenknereit ausführt: Über der Schnitzelgrube sei genug Platz für Werbung, sie selbst könne durchaus den Namen des Sponsors erhalten. Eine Sika-Wall gibt es in der Zittelstatthalle immerhin bereits.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel