Riederich Ade, Schattendasein

Doppelt hält besser: Fabian Kenner und Christina Zepf bringen neue Ideen für den Riedericher Jugendtreff ein. Sie werden dabei von der Gemeinde unterstützt.
Doppelt hält besser: Fabian Kenner und Christina Zepf bringen neue Ideen für den Riedericher Jugendtreff ein. Sie werden dabei von der Gemeinde unterstützt. © Foto: Anne Laaß
Riederich / Anne Laaß 20.07.2018

Trist, dunkel, löchrig: So stellt sich der derzeitige Jugendtreff in Riederich dar. Der ehemalige Bauhof wurde 1995 für eine offene Jugendeinrichtung genutzt. Die Gemeinde unterstützte das Vorhaben, ob Verwaltung oder Bürger. Die meisten Gegenstände, wie der Fernseher, Sofas und der Billardtisch sind Spenden, die von Riederichern für die Jugendlichen zur Verfügung gestellt wurden. Seitdem sind nun  einige Jahre vergangen, die Abnutzung deutlich sichtbar. Und davon überzeugten sich die Gemeinderäte, die 2006 das letzte Mal vor Ort waren, am Mittwochabend selbst. Sie erhielten von den Mitarbeitern Fabian Kenner, staatlich anerkannter Jugend- und Heimerzieher, und Christina Zepf, die einen Abschluss in Erziehungswissenschaften hat, eine kurze Führung.

Bislang war das Gebäude in der Industriestraße da, um den Jugendlichen einen Treffpunkt zu bieten. Der feste Kern besteht aus zehn bis 15 Besuchern, aber es gibt auch Tage, da sind es bis zu 25 Jugendliche. Viele von ihnen kommen aus der Gemeinde und sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Betreut werden sie seit 2002 von Fabian Kenner. „Seitdem hat sich viel getan“, sagt der 42-Jährige. Allein was die energetische Sanierung anbelangt. Trotzdem fiel das Gebäude in der Energiebilanz negativ auf. Im Winter verbraucht der Jugendtreff schlicht viel Energie, um die Räume auf Temperatur zu bringen. Das ehemalige Bauhofgebäude ist groß und in fünf Bereiche untergliedert. Neben einer Kochnische und den Sanitärräumen gibt es Aufenthaltsräume. Die beiden großen Räume trennt zwar ein Türrahmen, mehr aber nicht. Die Maße sind individuell und eine Tür schwer zu finden. „Das wäre aber ein Anliegen der Jugendlichen“, sagt Kenner und erhält Zustimmung von den Treffbesuchern.

Prinzipiell sei der offene Charakter gewünscht. So gab es keine Programmpunkte, sondern lediglich das Angebot, mehrfach in der Woche vorbeizukommen und unter Gleichgesinnten zu sein. „Die Jugendlichen chillen gern“, so Kenner. Der Treff war dafür eine passende Alternative. Aber wer glaubt, dass die jungen Menschen lediglich Billard spielen, Musik hören oder mit der Spielekonsole Autorennen veranstalten, der irrt. „Wir hatten hier schon viele Diskussionen“, sagt der 42-Jährige. Ob Bundestagswahl, die Ergebnisse des „Wahl-O-Maten“ oder kürzlich die Fußball-Weltmeisterschaft: die Jugendlichen debattieren über Politik, Sport und scheuen sich nicht, ihre Ansichten kundzutun. Die Wichtigkeit einer solchen Einrichtung, die Arbeit Kenners und seiner neuen Kollegin Christina Zepf ist dem Rat klar. Daher kam schnell die Frage nach einer anderen Räumlichkeit für den Jugendtreff auf.

Mit der neuen Konzeption waren die Ratsmitglieder zufrieden. Vom reinen offenen Treff geht es nun in Richtung Programmangebot für verschiedene Altersklassen. Da Christina Zepf zu 50 Prozent als Schulsozialarbeiterin in der Gutenbergschule arbeitet, bot es sich an, diesen Kontakt zu nutzen. Die Altersgrenze für den Treff liegt nun bei zehn Jahren. Wobei die regulären Treffs für die Älteren bestehen bleiben. Bettina Löffler vom Gemeinderat lobte in der Sitzung die Vorschläge und sprach sich klar dafür aus, merkte dann aber an, dass sich ein solches Konzept „dort nicht umsetzen lässt“.

Einstimmig entschieden

Dem stimmte auch ihre Kollegin Kathrin Müller zu. „Ich finde es absolut toll, aber es geht nicht in diesen Räumlichkeiten.“ Bürgermeister Tobias Pokrop nahm die Anmerkungen nicht nur entgegen, sondern stellte einen neuen Standort für den Jugendtreff vor. Die Verwaltung habe sich Gedanken gemacht, und es sei klar, dass der Treff näher in die Ortsmitte gehört. Pokrop schlug daher ein Gebäude in Gemeindebesitz vor: die alte Hausmeisterwohnung. Der Rat nahm die Idee durchweg positiv auf und stimmte dafür.

Im Rahmen des Bürgerfestes am 1. Juli 2019 könne dann der neue Jugendtreff „eröffnet“ werden. In der Wohnung gebe es verschiedene Räume, die unterschiedlich genutzt werden können, und, für Zepf und Kenner sehr wichtig, ein Büro für die Leiter des Jugendtreffs. Damit wäre der Weg aus dem Schattendasein, wie es Bettina Löffler beschrieb, gemacht.

Neues Konzept des Jugendtreffs

Christina Zepf stellte folgende Ideen vor:
Montags:
Von 16 bis 18 Uhr ein offener Treff für Zehn- bis 13-Jährige und von 18 bis 21 Uhr für die 14- bis 17-Jährigen. Dienstags: Verschiedene Programmangebote im Wechsel, wie Kreativwerkstatt, Kochen, Sport und Spieleabende, und zwar für die Zehn- bis 13-Jährigen von 16 bis 18, und für die 14- bis 17-Jährigen von 18 bis 20 Uhr, danach schließt sich der offene Treff bis 21 Uhr für die über 13-Jährigen an. Donnerstags: Zum Reinschnuppern soll es alle zwei Wochen, außer in den Ferien, einen Viertklässler-Treff zwischen 16 und 18 Uhr geben. Zudem einen zweiwöchigen offenen Treff für Zehn- bis 13-Jährige. Gefolgt vom offenen Treff für die 14- bis 17-Jährigen von 18 bis 21 Uhr.

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