Bad Urach Jetzt heißt es nachsitzen

An der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule ist der Umschlag mit den Abschlussprüfungen im Fach Deutsch mit gebrochenem Siegel aufgetaucht. Nun musste das Kultusministerium den Prüfungstermin verschieben.
An der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule ist der Umschlag mit den Abschlussprüfungen im Fach Deutsch mit gebrochenem Siegel aufgetaucht. Nun musste das Kultusministerium den Prüfungstermin verschieben. © Foto: Simon Wagner
Bad Urach / Simon Wagner 17.04.2018

Die Abschlussprüfung in Deutsch für alle Realschulen finden in ganz Baden-Württemberg nicht wie vorgesehen am heutigen Mittwoch statt, sondern erst am 27. April. Grund ist eine Panne an einer Uracher Schule. Wie das Kultusministerium mitteilte, hat die Schule entgegen den Sicherheitsvorgaben keine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben sichergestellt.

Siegel geöffnet

Bereits am 13. April wurde ein vollständig geöffneter Umschlag mit beschädigtem Siegel festgestellt. Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE passierte die Panne an der Bad Uracher Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule. Der Rektor der Schule, Danilo Böttcher, wollte dies im Gespräch mit dieser Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Ebenso wie Eberhard Gruner, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts in Tübingen, verwies Böttcher auf die Informationen des Ministeriums.

„Nach Abwägung aller Umstände können wir nicht sicher ausschließen, dass die Prüfungsaufgaben schon im Vorfeld der Prüfung verbreitet wurden und noch verbreitet werden“, begründete die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann den Schritt. Auch wenn dies für die Schüler mit großen Unannehmlichkeiten verbunden sei, was sie ausdrücklich und in hohem Maße bedauere, habe man sich dazu entschlossen, den Termin zu verschieben. Auch um eine ordnungsgemäße Prüfung durchführen zu können, die auch einer rechtlichen Überprüfung standhält. Nun werde ein anderer Aufgabensatz verwendet, der nun zentral gedruckt und dann versiegelt an die Schulen gebracht werden.

Unterlagen waren bei Lehrkraft

Wie eine Sprecherin des Kultusministerium am Dienstag auf Nachfrage weiter mitteilte, seien die Prüfungsunterlagen am 12. April beim Staatlichen Schulamt in Tübingen abgeholt und anschließend von mehreren Personen verwahrt worden. Zeitweise hätten sich die Unterlagen unter anderem bei einer Lehrkraft zu Hause befunden. Demzufolge seien die Schriftstücke nicht unverzüglich unter Verschluss gebracht worden, obwohl die Schule über einen Tresor verfügt. Zudem hätten die beteiligten Personen nicht über alle Zeitfenster hinweg Sichtkontakt zu den Unterlagen gehabt.

Stand heute, so das Ministerium am Dienstag, lasse sich jedoch nicht rekonstruieren, von wem und wann der Umschlag mit den Prüfungsaufgaben für das Fach Deutsch geöffnet worden sei.

Der Sachverhalt werde derzeit von der Schule, dem zuständigen Schulamt, dem Regierungspräsidium Tübingen und dem Kultusministerium aufgearbeitet. Zur vollständigen Klärung werde das Ministerium zudem die örtlichen Ermittlungsbehörden einschalten. Stattfinden sollen  zudem Gespräche mit der Schule und den Vertretern der Schulverwaltung, um neben der Aufarbeitung gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten.

40 000 Schüler betroffen

Leidtragende der offensichtlichen Sorgfaltspflichtverletzung sind rund 40 000 Schüler, die sich für heute auf die Deutschprüfung vorbereitet hatten. „Umso ärgerlicher ist es, wenn die Verantwortlichen vor Ort nicht mit der gebotenen Sorgfalt und Sensibilität agieren“, so Ministerin Eisenmann auf das zu Tage getretene Fehlverhalten.

In die selbe Kerbe schlägt Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg. Sollte es sich gar um Vorsatz gehandelt haben, sei dies ein schwerwiegender Fehler, der auch zum Zwecke der Abschreckung, disziplinarrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen müsse.

Für verfehlt hielte er nun falschen Aktivismus in der Gestalt, dass die zentralisierten Prüfungen als solche in Frage gestellt werden. Auch Stimmen, die nun einen digitalen Versand der Aufgaben über das Internet fordern, erklärt er im Sinne der Datensicherheit eine Absage.

Stattdessen fordert Rees eine Sensibilisierung der Verantwortlichen, wie auch stark ritualisierte Abläufe,  um die Fehlerhäufigkeit zu minimieren. „Zum Wohle der Schüler.“

Öffnung unter Aufsicht

Der jetzige Ablauf sieht vor, dass die Schulen die versiegelten Aufgaben durch eine autorisierte Person (Schulleiter oder Vertretung) frühestens fünf Arbeitstage vor dem Beginn der Prüfungen bei den Schulämtern abholen und im Anschluss unverzüglich sicher in der Schule verwahren. Eine sichere Verwahrung ist beispielsweise durch einen Tresor, einen Stahlschrank oder einen abschließbaren Raum gegeben.

Am jeweiligen Prüfungstag ist der Umschlag frühestens ab sechs Uhr zu öffnen. Danach tragen die Schulleitung, die Fachlehrkräfte und alle aufsichtführenden Lehrkräfte Sorge dafür, dass keinerlei Informationen zu den Prüfungsaufgaben weitergegeben werden.