Dettingen „Wir brauchen etwas Zeit“

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Gemeinderat-Uhlandschule2-Foto Chr.Hölz Kopie.jpg © Foto: Christina Hölz
Dettingen / CHRISTINA HÖLZ 08.05.2015
Es hat sich abgezeichnet: Im Mai wird keine Entscheidung über die Zukunft der Dettinger Grundschulen fallen. Der Gemeinderat braucht Zeit. Und die Verwaltung will in Ruhe die Briefe der Bürger auswerten.

Herz kontra Verstand. Nüchterne Zahlen in lichtdurchfluteten Klassenzimmern und vor bunt bemalten Kinderbildern: „Hier ist es gut Schüler sein „ – dieser Satz stand oft im Raum beim Rundgang des Dettinger Gemeinderates mitsamt Verwaltung durch die Uhlandschule. Doch Michael Gutmann, Fachmann für Gebäudeunterhaltung bei der Gemeinde, konterte sämtliche Sentimentalitäten („hier ist unsere ganze Familie zur Schule gegangen“) mit Fakten, an denen wohl keiner vorbeikommt.

Erstens: Der Brandschutz in der Uhlandschule lässt sich nicht auf die lange Bank schieben. Zweitens: Was ansteht, um für mehr Sicherheit zur sorgen, ist aufwendig. So sind die Dettinger auf Dauer verpflichtet, in der Schule einen zweiten Rettungsweg einzubauen. Das fordert die Kreisbrandmeisterstelle, die sich dabei auf gesetzliche Vorgaben beruft.

Kurz, eine kleine Lösung gibt es nicht, sollte das Gebäude als Grundschule in der Ortsmitte erhalten bleiben. Mindestens 1,4 Millionen Euro kostet nach jetzigem Stand allein der Brandschutz. Aber damit wäre es in der Uhlandschule nicht getan. Bekanntlich müsste das Haus auch dringend energetisch saniert und in Sachen Elektrik auf Vordermann gebracht werden. Erstmals hat die Verwaltung auch diese Kosten grob beziffert: Rund vier Millionen Euro würde eine komplette Sanierung der Dettinger Uhlandschule kosten, rechnet Bürgermeister Michael Hillert nach Erhebungen der Bau-Fachleute im Rathaus vor. Aber das sei nur ein vorläufiger Richtwert, betont der Verwaltungschef: „Bei Altbauten weiß man nie. Die Ausgaben können auch weiter in die Höhe steigen.“

Dennoch: Selten hat sich der Dettinger Gemeinderat so schwer getan, wie mit dem Beschluss über Schließung oder Fortbestand der Uhlandschule. Das zeigt das Ergebnis der nicht-öffentlichen Sitzung am Donnerstagabend: Zum zweiten Mal ist jetzt die Entscheidung darüber vertagt worden, ob es in Dettingen künftig einen oder zwei Schulstandorte geben soll. Sie hätte eigentlich schon im April fallen sollen, wurde dann aber – auch auf Wunsch einiger Redner bei der Bürgerversammlung – zunächst um einem Monat verschoben.

Jetzt geben sich Rat und Verwaltung erneut mehr Zeit – auch mit Blick auf die rund 70 Stellungnahmen von Dettingern, die das Rathaus im Rahmen der Bürgerbeteiligung erreicht haben (wir berichteten ausführlich). „Wir wollen die Schreiben der Bürger in Ruhe durcharbeiten“, begründet Michael Hillert. „Manche Bürger haben uns ihre Positionen sehr ausführlich dargelegt.“ Noch nicht klar ist indes, wann genau die Entscheidung über die künftigen Grundschulstandorte in Dettingen fällt, erklärt Hauptamtsleiter Ralf Barth. Auf einen neuen Termin vermochten sich Rat und Verwaltung am Donnerstag nicht einigen.

Drei Varianten:
Es bleibt spannend, was die Schulpolitik in Dettingen angeht. Drei Möglichkeiten stehen im Raum. Erstens: Es gibt weiterhin zwei Grundschulstandorte. Dann bliebe die Uhlandschule erhalten, müsste aber „zeitnah“ für gut vier Millionen Euro (Brandschutz, Energie, Elektronik) saniert werden, so Bürgermeister Michael Hillert.
Zweitens: Rat und Verwaltung treffen in absehbarer Zeit keine Entscheidung über die Zukunft der Schulen. Auch dann müsste in der Uhlandschule zumindest der Brandschutz für 1,4 Millionen Euro verwirklicht werden. In beiden Fällen erwägt der Bürgermeister, die Kinder übergangsweise (vermutlich für ein Jahr) an der Schillerschule zu unterrichten. Sie ist als dreizügige Einrichtung genehmigt, wird momentan aber zweizügig geführt, weswegen eventuell Räume frei sind. Und drittens: Mittelfristig ziehen alle Grundschüler an die Schillerschule, die ohnehin zur Gemeinschaftsschule ausgebaut wird. Dafür stehen derzeit Kosten von 15 Millionen Euro im Raum.<QM>ch

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