Dettingen „Wenn keiner zahlt, müssen wir die Straße sperren“

Die Promillesteige wird wohl ab Donnerstag wieder frei. Vorläufig bleibt die Straße offen, die baulichen Mängel seien aber offensichtlich, sagt Dettingens Bürgermeister Michael Hillert.
Die Promillesteige wird wohl ab Donnerstag wieder frei. Vorläufig bleibt die Straße offen, die baulichen Mängel seien aber offensichtlich, sagt Dettingens Bürgermeister Michael Hillert. © Foto: Thomas Kiehl
Christina Hölz 12.01.2019

Die Straße ist der kürzeste Weg zwischen Dettingen und Hülben – ein kleiner Albaufstieg. Umgangssprachlich heißt sie bis heute Promillesteige, obwohl die vielen Berufspendler wohl selten bierlustig auf dieser Strecke unterwegs sind. Schon eher, weil sie eben schneller ins Tal und auf den Berg kommen als über die große Route via Bad Urach. Derzeit bleibt den Autofahrern allerdings keine andere Wahl: Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Dettingen und Hülben ist mal wieder gesperrt. Der Grund sind jährlich anstehende Routinearbeiten – er könnte aber bald ein anderer sein. Die Dettinger Gemeindeverwaltung stellt die Promillsteige mal wieder auf den Prüftstand. Und Bürgermeister Michael Hillert fürchtet größere bauliche Mängel.

Zur Beruhigung aller Staugeplagten gleich vorab: „Dieses Jahr bleibt die Steige offen“, sagt Dettingens Rathauschef. Wie lange er den Autofahrern jedoch freie Fahrt garantieren kann, vermag Hillert nicht zu sagen. Das soll unter anderem der neue Dettinger Ortsbaumeister Felix Schiffner klären, der von Haus aus Bauingenieur ist. „Wir haben ihn beauftragt, sich die Strecke mal genauer anzuschauen.“

Denn dass die Promillesteige mittelfristig saniert werden muss, ist kein Geheimnis. Der Unterbau sei schlecht, die Straße streckenweise marode, so der Bürgermeister. Allerdings will sich die Gemeinde Dettingen nach wie vor nicht alleine in die Pflicht nehmen lassen, was die Kosten angeht. Zumal die, wie Hillert fürchtet, in die Millionen gehen.

Schon vor Jahren hat ein Gutachten ergeben: „Allein die Oberhangsicherung kostet rund 500 000 Euro. Dann haben wir noch keine Leitplanken und keinen Straßenbelag.“

Geht’s nach Michael Hillert, so wären auch die Nachbargemeinden Hülben und Bad Urach gefordert, sich finanziell an der Sanierung zu beteiligen. Aber die haben zuletzt abgewunken. Dass der Landkreis Reutlingen nicht verpflichtet ist, für die Gemeindeverbindungsstraße aufzukommen, das hatte ebenfalls vor Jahren das Verwaltungsgericht entschieden.

Bleibt eben Dettingen, auf dessen Markung die Steige größtenteils verläuft. Aber gerade darüber echauffiert sich Michael Hillert fast seit Beginn seiner Amtszeit: „Wir sind die einzige Kommune, die einen Albaufstieg selbst unterhalten soll“, schimpft er. Und verweist auf die großen Projekte, die die Ermsgemeinde in den kommenden Jahren zu stemmen hat.

Zu nennen sind etwa die Schillerschule (veranschlagte 18 Millionen Euro), der Hochwasserschutz oder der mittelfristig geplante Umbau des Feuerwehrmagazins, der vielleicht auch ein Neubau werden könnte. Kurz: „Wir haben das Geld nicht, um in naher Zukunft eine große Summe in die Steige zu investieren“.

Mit den hohen Ausgaben für die Sicherung der Straße sei die Gemeinde Dettingen allein schlicht überfordert. Dazu kommen Prognosen, die das Gewerbe schwächeln sehen.

Wie’s in Zukunft weiter geht, ist noch offen. Allerdings kündigt der Bürgermeister an: „Wir halten die Straße offen, solange wir das verantworten können. Wenn keiner zahlt, dann müssen wir die Steige eben langfristig schließen.“

Witterung bleibt ein Unsicherheitsfaktor

In der Promillesteige zwischen Dettingen und Hülben herrscht voraussichtlich ab kommenden Donnerstag, 17. Januar, wieder freie Fahrt.

Der Öffnungstermin hängt allerdings auch von der Witterung ab, sagt Bürgermeister Michael Hillert.

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