Fiona ist gerade einmal zwei Wochen alt und damit wohl die jüngste Teilnehmerin an einer Veranstaltung, die von der Stadt nun zum dritten Mal organisiert wird: In großer Runde wurden die Menschen begrüßt, die seit September vergangenen Jahres in die Kurstadt gezogen sind. Das Kommen und Gehen ist enorm, wie Bürgermeister Elmar Rebmann berichtet: Rund 950 Personen - vom Baby bis zum Senior - melden sich im Jahr bei der Meldebehörde an, etwa ebenso viele verlassen die Stadt wieder. Wobei sich laut Rathauschef ein kleiner, positiver Trend abzeichnet: "Wir haben eine leichte Bevölkerungssteigerung", sagt Rebmann erfreut. "Das zeigt, dass die Stadt einiges zu bieten hat."

Das kann Bongiwe Braig nur bestätigen. Die gebürtige Südafrikanerin ist im Sommer mit Ehemann Achim und den Töchtern mitten in die Altstadt gezogen, weil es dort ein Haus für die Familie zu kaufen gab. Schon nach kurzer Zeit fühlen sich die Braigs wohl: "Die Mädchen haben schon viele Freunde gefunden", freut sich die Mutter. Und sie ist auch ganz glücklich mit der Lage: "Die Wege sind kurz, ich kann alles einkaufen, und auch die Schule ist um die Ecke." Nun möchten die aus Metzingen zugezogenen Neubürger wissen, was in Bad Urach sonst noch geboten ist und machen deshalb beim Begrüßungsprogramm mit: Von Stadtführer Otto Rauscher gibt es viele wertvolle Informationen. So manchen der 60 Teilnehmer wird es erst richtig bewusst, wie historisch bedeutend die Stadt ist, in der sie nun leben. Von ihr haben die Heims seit ihrem Zuzug im Mai nämlich noch nicht allzu viel gesehen: "Wir waren seither ständig unterwegs", gibt Werner Heim zu. In Neuhausen auf den Fildern hat er mit der Ehefrau gewohnt: "Nun haben wir uns Bad Urach als Altersruhesitz auserkoren." Zum einen, weil sie die Nähe zum in Münsingen lebenden Sohn gesucht haben, zum anderen wegen der Lage und der Größe der Stadt: "Es ist hier überschaubar und dennoch nicht zu klein."

Nun möchten die Heims wissen, was gerade für Senioren alles geboten ist. Entsprechende Tipps ergeben sich oft en passant, weil die Neubürger beim Gang durch die Altstadt und bei der Busfahrt in die Stadtteile wie auch beim anschließenden gemütlichen Zusammensein im Rathaus rege miteinander ins Gespräch kommen und manche über das Leben in der Stadt schon mehr wissen als andere. Über die Vielzahl an Vereinen beispielsweise - rund 100 sind es.

Anderen ist es wichtig, was kulturell geboten ist, auch hier ist das Angebot reichhaltig: Ein Kino gibt's ebenso wie regelmäßige Konzertreihen, Vorträge und nicht zu vergessen den Schäferlauf. Den haben einige der neuen Bad Uracher schon aktiv miterlebt. Wie die Radickes zum Beispiel, seit November wohnt das Ehepaar in der Wilhelmstraße und fühlt sich richtig wohl mitten in der Stadt. Dass das Auto derzeit nicht funktioniert, ist kein Problem: Mit dem Zug geht es problemlos nach Reutlingen an den Arbeitsplatz.

Ihren Alltag als Hausfrau und Mutter verbringt Bongiwe Braig dagegen in Bad Urach, noch sucht sie Kontakt und erhält einen Tipp: beim Internationalen Frauenfrühstück findet sie ihn sicherlich. "Da werde ich mal hingehen", sagt sich voller Vorfreude. Baby Fiona bekommt von alldem nichts mit, sie verschläft die Neubürgerbegrüßung selig an Vaters Brust. Wegen ihrer Tochter sind Sebastian und Monika Hauser im Januar von der Landeshauptstadt nach Bad Urach gekommen: "Wir wollten ins Grüne ziehen", erklärt der junge Vater. Die Kurstadt sei ein Kompromiss zwischen auf dem Land wohnen und dennoch angebunden zu sein: "Die Lage ist echt gut", sagt der Berufspendler, der jeden Tag mit dem Auto nach Stuttgart fährt. Die Entscheidung an den Fuß der Alb zu ziehen, bereut das Paar nicht: "Es ist einfach toll, nach Feierabend ins Grüne reinzufahren."