Dettingen an der Erms "Ein tolles Berufsfeld"

Mareike Wurster ist die beste Gesellin des Maler- und Lackiererhandwerks in Baden-Württemberg. Foto: Thomas Kiehl
Mareike Wurster ist die beste Gesellin des Maler- und Lackiererhandwerks in Baden-Württemberg. Foto: Thomas Kiehl
Dettingen an der Erms / CAROLA EISSLER 30.11.2013
Wände streichen war gestern. Heute ist der Beruf des Malers und Lackierers vielschichtiger. Wer sein Metier beherrschen will, muss kreativ sein. So wie Mareike Wurster, die jetzt Landessiegerin wurde.

Mareike Wurster kann sich glücklich schätzen. Sie wurde Landessiegerin Baden-Württemberg im Ausbildungsberuf Maler-und Lackierer. Und dies bedeutet nicht weniger, als dass sie baden-Württembergs beste Maler-Gesellin ist. Nicht weniger glücklich ist ihr Chef Wolfram Beck von der Farbgestaltung Beck. Zum einen, weil er bereits vor drei Jahren beim Einstellungsgespräch spürte, dass Mareike Wurster "eine besondere Hand und einen besonderen Blick für Oberflächen und Farben hat". Zum anderen, weil Beck sich seit Jahren für eine qualitative Ausbildung und damit verbunden für eine Veränderung des Berufsbildes einsetzt.

Mareike Wurster ist Abiturientin, war in ihrem Gymnasium sogar als Streitschlichterin aktiv. Eine akademische Laufbahn kam für sie allerdings nicht in Frage. "Ich wollte etwas Praktisches machen", sagt sie. Das Maler- und Lackiererhandwerk hatte es ihr gleich angetan. "Ein tolles Berufsfeld." Die 22-Jährige wurde zunächst Kammersiegerin und nahm dann am Landeswettbewerb teil. Mit Erfolg. Gegen starke Konkurrenz konnte sie sich bei Flächentechniken, Farbgebung und Ausführung zum Thema "Gestaltung der Sternwarte in Mannheim" durchsetzen. Ihre Arbeit überzeugte die Jury.

Das Sprichwort, dass Handwerk goldenen Boden hat, wurde vor einigen Jahren noch belächelt. Doch inzwischen sind es gerade die Maler, Schreiner oder sonstige Handwerker, die die besten Zukunftsperspektiven haben. "Handwerker werden überall gebraucht. Aber es gibt zu wenige, die solche Berufe erlernen."

Mit außergewöhnlichen Gestaltungstechniken werden Maler und Lackierer heutzutage herausgefordert. Fachmännische Ausführung der Arbeiten ist eine Selbstverständlichkeit, aber auch die Gestaltung von Wohn- und Lebensräumen, wie Beck betont. Beck setzt deshalb gerade als Ausbildungsbetrieb auf diesen besonderen Akzent der Aufwertung seines Metiers. "Um im Beruf erfolgreich zu sein, braucht man auch den richtigen Ausbildungsbetrieb", bestätigt Mareike Wurster.

Frauen sind im Berufsfeld der Maler und Lackierer zwar immer noch in der Minderheit, dennoch wollen immer mehr Frauen diesen Beruf erlernen. Bei der Farbgestaltung Beck sind derzeit zwei Malerinnen beschäftigt, insgesamt hat der Betrieb 25 Mitarbeiter. "Frauen sehen Farben besser als Männer", sagt Beck und verweist auf Studien amerikanischer Wissenschaftler. Deshalb, und weil Frauen anders gestalten, sei es für ihn wichtig, auch Malerinnen im Team zu haben. Der Erfolg seiner Mitarbeiterin spornt Beck an, weiter am Image seines Metiers zu feilen. "Das Malerhandwerk muss es verstehen, Menschen für Farbe und Material zu begeistern." Beck beklagt, der Maler sei heutzutage nur Ausführungsgehilfe der Industrie. Aber diese Rollenverteilung müsse man durchbrechen. "Der Maler soll kreativer Gestalter sein."

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