Der Albershäuser Ortschronist Erich Hänßler meint, jedes Bild sei für ihn eine Geschichte, wenn er seine gesammelten Bildaufnahmen aus fast 80 Jahren Arbeit betrachtet. Seit seinem zehnten Lebensjahr dokumentiert der 86-Jährige den Wandel der Zeit in dem Ort, sodass von 1942 bis heute knapp 6000 Negative entstanden.

Heute ist der frühere Presse­fotograf damit beschäftigt, seine tausenden Negative auszuwerten, zu entwickeln und den alten Fotografien damit wieder neues Leben einzuhauchen. Alle müssen mit Ort, Datum und Anlass beschriftet werden. „Man wird nicht jünger“, scherzt Erich Hänßler, der mit dem Datieren seiner Aufnahmen so schnell wie möglich fertig werden will. Später sollen die Bilder der Gemeinde Albershausen übergeben werden.

„Viele der Motive sind deshalb so wertvoll, weil sie heute im Ort nicht mehr zu finden sind“, erklärt Erich Hänßler. Selbst die ganz unscheinbaren Bilder von einzelnen Straßenzügen Albershausens oder Momentaufnahmen des täglichen Lebens würden mit den Jahren immer besser: „Nach 60 Jahren werden sie interessant“, wenn die Bilder Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen.

Erich Hänßlers Aufnahmen machen die Unterschiede zwischen Nachkriegszeit und dem
21. Jahrhundert deutlich. Er habe Handwerker und Gewerbetreibende während ihrer Arbeit abgelichtet: den Frisör, Bäcker, Metzger, Schmied und Schreiner. Bauern auf den Feldern um Albershausen säen da noch von Hand auf ihren Feldern, ziehen mit von Kühen gezogenen Pflugscharen – nur wenige hatten nach dem Krieg ein Pferd – Furchen in den Boden. Die Kühe waren in Hänßlers Kindertagen Ersatz für Pferde und Traktoren, „sie waren nicht nur Milch- und Fleischlieferant, sondern auch Zugtiere für die schweren Leiterwagen“, erinnert er sich.

Der Chronist nennt ein weiteres Beispiel für den Wandel der Zeit. „Um 1950 gab es fünf Schuhmacher im Dorf, weil die Schuhe, neu besohlt und genagelt, oft Jahre lang getragen wurden.“ Auch was dieses Handwerk angeht haben sich die Zeiten geändert.

Ein weiteres Arbeitsgebiet ergab sich für den Foto-Journalisten durch neu angesiedelte Industrieunternehmen, was ihm internationale Aufmerksamkeit brachte. Dank Kontakt zum japanischen Industrieunternehmen Komatsu, veröffentlichte Erich Hänßler die Reportage „Bilder eines deutschen Dorfes“ in Japan.

Fotoreportagen ergaben sich auch aus der Obsternte und dem anschließenden Mosten. Viele der Leute damals seien teilweise Selbstversorger gewesen: „In jedem zweiten Haus befanden sich durchschnittlich drei Fässer gegorener Apfelsaft, die jährlich geleert wurden.“ Kraut sei für die Winterzeit eingekocht, Obst gedünstet worden, und die Hausfrau habe den Brotteig selbst gemacht, den sie dann zum Herausbacken dem Bäcker vom „Stäffelesbäck“ brachte. Das Albershäuser Landleben, wie Erich Hänßler es mit seinen Fotos beschreibt, ist so heute nicht mehr zu finden, denn „das im letzten Jahrhundert von der Landwirtschaft geprägte Gemeinwesen hat sich grundlegend verändert“.

Wie diese Veränderungen das Ortsbild von Albershausen gestalten, zeigt der Fotograf bis heute in Büchern. Aus seinem Archiv wurden ein Dutzend Heimatbücher, die Aufsatzsammlung „Geschichten eines Dorfes“, der „Heimatbrief für Auswanderer“ (von 1950 bis 2014) bis hin zu Kalendern erstellt. Besonders stolz ist der Foto-Experte auf das von ihm selbst verfasste Buch „Stunde Null – Geschichte und Geschichten aus Albershausen“ mit 160 ausgewählten Fotografien.

Heimatgeschichte in Bildern


Fotobuch „Die Stunde Null – Ende des 2. Weltkrieges: Geschichte und Geschichten aus Albershausen“ gibt es bei Erich Hänßler, Tel. (07161) 33573.