Bücher mit einem eigenen Klang

Buchbindermeister Thomas Kiefer aus Vaihingen-Riet an einer Presse in seiner Werkstatt.
Buchbindermeister Thomas Kiefer aus Vaihingen-Riet an einer Presse in seiner Werkstatt. © Foto: MARTIN KALB
Vaihingen / Michaela Glemser 13.10.2018

Ganz genau legt Thomas Kiefer die Buchseiten aufeinander, bevor er sie mit Nadel und Faden zusammenheftet, er ist einer der letzten Handwerks-Buchbindermeister im Landkreis Ludwigsburg.

„Diese alte Handwerkskunst stirbt langsam aus. Nur noch in der Nähe von Universitäten und Hochschulen können selbständige Buchbindermeister gut von ihren Einkünften leben, da es dort viele Studenten gibt, die ihre Abschlussarbeiten noch von Hand binden lassen möchten“, erzählt Thomas Kiefer. Seine Leidenschaft für das Buchbinden wie in längst vergangenen Zeiten betreibt der Vaihinger inzwischen nur noch als Hobby und im Nebenerwerb. Hauptberuflich ist Thomas Kiefer als Buchbinder bei der Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim beschäftigt.

Altes Handwerk erhalten

„Auch wenn ich jetzt in der Industrie tätig bin, ist es mir wichtig, dass das alte Handwerk erhalten bleibt und an die kommenden Generationen weitergegeben wird. Daher werde ich meine kleine Werkstatt zuhause nicht aufgeben. Schon mein Vater war Buchbindermeister, und die Arbeit mit dem Werkstoff Papier ist einfach sehr erfüllend“, macht Thomas Kiefer deutlich.

Zu seinen Kunden zählen natürlich auch Studenten, die für ihre Abschlussarbeiten etwas Besonderes wollen und sich auch die Buchdeckel ihrer Werke von Thomas Kiefer prägen lassen. Häufig kommt dabei die sogenannte „Klebebindung“ mit Leim zum Einsatz.

Viel aufwendiger ist dagegen die Fadenheftung. Dabei fügt Thomas Kiefer die einzelnen Bögen mit Nadel und Faden zusammen, wobei die Nadel mindestens sechs Mal durch die aufeinander gelegten Seiten gezogen werden muss. „So ein gebundenes Buch hält aber auch nahezu allen Belastungen stand. Ich sage immer, dass ein gutes Buch zuklappen muss wie eine Mercedes-Tür. Es muss seinen ganz eigenen Klang haben“, schildert Thomas Kiefer.

Die zusammengehefteten Buchseiten werden anschließend noch an drei Seiten beschnitten, dass sie absolut passend übereinander liegen. Zum Schluss kommt der dreiteilige Einband an die Reihe, der auch Buchdecke genannt wird. Dafür hat Thomas Kiefer unterschiedliche Materialien vom Kunstleder bis zum Fell zur Hand. „Der Buchblock wird in die dreiseitige Buchdecke geklebt. Bis ein Buch mit rund 160 Seiten so gebunden ist, bin ich bis zu fünf Stunden beschäftigt“, betont Thomas Kiefer.

Aber er repariert auch in die Jahre gekommene Bücher, mit denen seine Kunden spezielle Erinnerungen verbinden. Sei es das Lieblingsbuch aus Kindertagen, die historische Familienbibel, das alte Tagebuch oder das längst im Handel vergriffene Notenbuch: Der Vaihinger Buchbindermeister versucht die bisweilen arg in Mitleidenschaft gezogenen Werke mit ihren vergilbten Seiten möglichst originalgetreu zu reparieren. „Dafür suche ich manchmal ziemlich lange nach den passenden Materialien, um den Buchdeckel ausbessern zu können, damit dies möglichst wenig auffällt“, erläutert Thomas Kiefer. Ein weiteres großes Standbein von ihm ist das Binden von Einzelausgaben von Zeitschriften zu einem großen Jahrbuch.

Artikel über Jahrbände

Nachdem in einem bundesweiten Magazin ein kleiner Artikel über den Vaihinger erschienen ist, senden ihm Menschen aus ganz Deutschland ihre übers Jahr gesammelten Ausgaben einer Zeitschrift zu, um sie von Thomas Kiefer zu einem originellen Jahrband zusammenheften zu lassen. „Die Resonanzen darauf sind wirklich toll. Ich freue mich, wenn die Menschen das alte Handwerk zu schätzen wissen. Die Wertigkeit eines Buches sowie des Papiers und des Einbands wird heute meist kaum noch wahrgenommen. Das ist wirklich schade“, unterstreicht Thomas Kiefer.

Um den Menschen sein Handwerk noch näher zu bringen, gibt er für Interessierte auch Buchbinde-Kurse. Dabei kommen Menschen aus dem gesamten Landkreis zu Thomas Kiefer in seine Werkstatt im Vaihinger Stadtteil Riet und werkeln mit Pappschere, Schneidemaschine, Buchpresse und Co. Auch in der eigenen Familie hat Thomas Kiefer Hoffnung, dass er sein Können weitergeben kann, denn Tochter Sandra arbeitet ebenfalls gerne mit Papier und stöbert immer wieder in der Werkstatt ihres Vaters.

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