Infrastruktur Alles für den täglichen Bedarf

Der rollende Supermarkt von Siegfried Guggolz kommt gut an. Inzwischen kommt er mit seinem Sortiment auch nach Besigheim, Walheim und Kirchheim und wer will, bekommt Lebensmittel auch direkt Nachhause gefahren.
Der rollende Supermarkt von Siegfried Guggolz kommt gut an. Inzwischen kommt er mit seinem Sortiment auch nach Besigheim, Walheim und Kirchheim und wer will, bekommt Lebensmittel auch direkt Nachhause gefahren. © Foto: Inga Stoll
Kreis Ludwigsburg / Von Susanne Yvette Walter 05.12.2018

Nicht in jedem kleinen Ort baut eine Discounterkette den Wunschsupermarkt in Spaziergangnähe. Für Menschen, die kein Auto  haben und womöglich schlecht zu Fuß sind, hat Siegfried Guggolz aus Sulzfeld vor fünf Jahren einen Lieferbus angeschafft, der mit Lebensmitteln, Haushalts- und Hygieneartikeln für den täglichen Bedarf über das Land fährt  und sogar bedürftige Menschen zuhause beliefert - Siegfrieds rollender Supermarkt. Er kommt auch nach Besigheim, Walheim und Freudental.

Wenn der Metzger mobil wird, freuen sich alle die nicht mobil sind, vor allem auf dem   Land, wo es erst in kilometerweiter Ferne den nächsten Supermarkt gibt. Siegfried Guggolz, Metzgermeister aus Sulzfeld bei Eppingen, entdeckte vor  fünf Jahren diese Lücke. „Er war als Angestellter bei einem Metzger mit dem Fleisch- und Wurstmobil unterwegs und kam dabei auf diesen Gedanken“, erzählt seine Frau Miriam Guggolz. Seit Ende 2013 ist Siegfried Guggolz nun mit seinem eigenen Verkaufsmobil unterwegs und beschränkt sein Angebot nicht etwa auf Wurst und Fleisch. Er bietet alles an, was der Mensch so täglich braucht, von der Nylonstrumpfhose bis zum Fahrradschlauch. Zweiteren muss man allerdings bei ihm bestellen.

„Auf Bestellung kann mein Mann so gut wie alles besorgen“, erklärt Miriam Guggolz. Ansonsten bietet der rollende Supermarkt frisches Obst und Gemüse, Backwaren aus Kraichgaukorn nach alten Rezepturen , Fleisch, Wurst, Milchprodukte und sämtliche Hygieneartikel. Besser einen „Einkaufswagen“ mit dem Nötigsten, als gar keine Möglichkeit, für den täglichen Bedarf einzukaufen, sagen sich viele Kunden.

Wer sich hier einmal um die eigene Achse dreht, erspart sich den Gang durch endlos lange Regalketten im Supermarkt. Zwar ist das Sortiment beschränkt – man hat nicht die Auswahl zwischen 20 verschiedenen Shampoosorten und findet vielleicht nur drei Deodorants statt 35 – dafür gibt es  auch kein langes Stehen an überfüllten Kassen und umständliche Anfahrtswege.

„Es dauerte kein halbes Jahr, da hatte sich unser rollender Supermarkt etabliert“, berichtet Miriam Guggolz. Besonders ältere Menschen, rund 80 Prozent des Kundenkreises von Siegfried Guggolz, sind sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt. „Das merken wir an den zahlreichen Anfragen von Bürgermeistern oder Ortsvorstehern“, erzählt Miriam Guggolz.

Anfragen kommen sogar aus Stuttgart und den dort angrenzenden kleineren Gemeinden. „Das können wir alleine gar nicht alles abdecken“, bedauert Miriam Guggolz und ergänzt: „Dafür müsste man einen zweiten rollenden Supermarkt anschaffen.“

Wer in Siegfrieds rollendem Supermarkt den Blick schweifen lässt, entdeckt auch Sekt,  Tabak und Wein. Der Großeinkauf im Supermarkt kann also getrost nach hinten verschoben werden - die Preise sind angepasst. „In der Regel ein bisschen teurer“, beschreibt der Betreiber selbst seine Waren. Er muss ja auch seine Spritkosten mit einrechnen, und die sind immens. „Im Moment sind wir bei einem Radius von 40 Kilometern und mehr“,  berichtet Miriam Guggolz.

In den ersten Monaten belieferte der Metzgermeister mit seinem rollenden Supermarkt die Gemeinden in der Umgebung seines Wohnortes Sulzfeld. Von Sulzfeld und den umliegenden Gemeinden aus vergrößerte Guggolz schnell seinen Radius und fuhr  nur auch in Richtung Mühlacker, weiter nach Sinsheim, dort vor allem in die Dörfer drumherum, wie Adersbach.

Dann kam eine Anfrage aus Besigheim von Bürgermeister Steffen Bühler und eine weitere aus Freudental von Bürgermeister Alexander Fleig. Seit März 2014 beliefert der Vollsortimenter nun auch die Gemeinden rund um Bietigheim-Bissingen. Walheim gehört dazu, und auch in Kirchheim machte Siegfrieds rollender Supermarkt eine Weile Station. „Das war allerdings bevor dort der Dorfladen aufgemacht hat“, sagt Miriam Guggolz. Mit der Kundenresonanz ist das Ehepaar mehr als zufrieden. „Es zog kontinuierlich an. Das Interesse an dieser Art der Versorgung ist extrem hoch“, betont Miriam Guggolz. Auch jüngere Menschen kommen immer wieder die Stiegen hinauf und statten dem Supermarktbus einen Besuch ab.

 Wenn „Siegfrieds rollender Supermarkt“ kommt ist das für ältere Menschen  ein Wochenereignis. „Vor allem für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, ist das ganz arg wichtig“, betont Miriam Guggolz.  „Das sind 85 Prozent meiner Kunden“, erklärt Siegfried Guggolz.

Keine Tüten schleppen

Seine Marketing-Idee schließt eine weitere klaffende Lücke im täglichen Leben:  Siegfried Guggolz fährt Lebensmittel auch direkt nach Hause. In manchen Orten fährt er über zehn Stationen an, damit es seine Kunden nicht so weit haben und keine Tüten nach Hause schleppen müssen. Denn auch letzteres gehört zu Siegfried Guggolz‘ Service. „Bei mir braucht keiner Einkaufstüten schleppen, der nicht möchte.“

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