Gemeinde Zwiefalter Friedhof im Wandel

Bei der Infoveranstaltung standen (von links) Pfarrer Paul Zeller, Landschaftsarchitekt Christoph Stöldt, Architektin Monika Veser und Bürgermeister Matthias Henne den Bürgern Rede und Antwort.
Bei der Infoveranstaltung standen (von links) Pfarrer Paul Zeller, Landschaftsarchitekt Christoph Stöldt, Architektin Monika Veser und Bürgermeister Matthias Henne den Bürgern Rede und Antwort. © Foto: Reiner Frenz
Reiner Frenz 09.06.2018

Auf großes Interesse stieß am Donnerstagabend der Informationsabend im Zwiefalter Feuerwehrgerätehaus, bei dem es zum einen um die Sanierung der Friedhofskapelle, zum anderen um die künftige Gestaltung des Friedhofs selber ging. Rund 40 Bürgerinnen und Bürger zumeist älteren Jahrgangs hatten sich eingefunden, um sich von Bürgermeister Matthias Henne, Pfarrer Paul Zeller, Architektin Monika Veser sowie Landschaftsarchitekt Christoph Stöldt über den Stand der Dinge informieren zu lassen.

Henne zeigte sich erfreut, dass das „Interesse an diesen wichtigen Maßnahmen“ so groß war. Es handle sich um „sehr kostenintensive Maßnahmen“, die im Bereich von einer Million Euro liegen würden. Es sei mit rund 450 000 Euro an Zuschüssen zu rechnen, womit ein erheblicher Finanzierungsanteil an der Gemeinde hängenbleiben würde. Es bestehe aber kein Zweifel an der Notwendigkeit der Maßnahmen: „Der Friedhof hat erheblichen Nachholbedarf“.

Zunächst aber war die Friedhofskapelle Thema. Monika Veser erklärte, dass ihr Büro bereits verschiedene Kirchensanierungen betreut habe. Sie sei bei der Friedhofskapelle im vergangenen Jahr ins Boot gekommen, habe in Rottenburg den Sanierungsantrag gestellt, sich mit dem Denkmalschutz ins Benehmen gesetzt. Was muss getan werden? Dach und Deckenkonstruktion werden saniert, ebenfalls die Fassade, außerdem wird die Außenmauer trocken gelegt und schließlich muss auch der Innenraum saniert werden. Veser betonte, dass sich die Arbeiten auf den reinen Kirchenbereich beschränken.

Im Mai ist mit den Arbeiten begonnen worden. Zuerst ging es dem Holzwurm an den Kragen, als der Innenraum von einer Fachfirma begast wurde (wir berichteten). Mittlerweile wurde die Dachsanierung in Angriff genommen, auch mit der Trockenlegung hat man begonnen. Mitte Juli wird die Fassade an der Straßenseite saniert. Die Fertigstellung der Arbeiten sei auf Mitte Oktober geplant.

Anhand von Fotos unterstrich sie ihren Vortrag, zeigte schadhafte Stellen im Dachgebälk, berichtete, dass statt Nägeln Holzverbindungen verwendet werden, um die Statik zu verbessern. Am Fundament werden Drainagen eingebaut, dennoch werde man nicht das ganze Wasser wegbekommen, auch künftig Ausblühungen haben. Die Arbeiten im Innenbereich würden von einem Restaurator begleitet. Bei der Sanierung werden die Bänke ausgebaut, sodass ein Gerüst aufgestellt werden kann. Die Innenraumsanierung werde rund 136 000 Euro, die restlichen Arbeiten 366 000 Euro kosten.

Dem Vortrag schlossen sich zahlreiche Fragen der Bürger an. Das alte Gestühl werde wieder eingebaut, beantwortete Veser eine der Fragen. Vom Geschichtsverein wurde angeregt, eine Infotafel zum alten Fundament anzubringen. Angeregt wurde auch, ein Stück des Steinwerks auf der Friedhofsseite sichtbar zu machen. Das werde man mit dem Landesdenkmalamt klären, sagte die Architektin. Gemeinderat Bruno Auchter sprach die „desolate“ Empore und die Treppe zu ihr an sowie den Fliesenboden. Man könne keine neue Empore einbauen, so Matthias Henne. Der denkmalgeschützte Fliesenboden werde bleiben, aber man werde ihn überarbeiten, sagte Monika Veser. Eine längere Diskussion entspann sich über die Gräber an der Kirchenaußenseite. Fazit: Die Kirchengemeinde muss entscheiden, ob diese entfernt werden können.

Landschaftsarchitekt Christoph Stöldt betonte, dass man eine Neuordnung und Umgestaltung des Friedhofs vornehmen wolle, neue Grabformen anbieten, alles aber unter der Beachtung des Charakters der Anlage. Das Ganze solle abschnittsweise umgesetzt werden. Generell würde sich der gesellschaftliche Wandel auf den Friedhöfen widerspiegeln. Weil die Angehörigen immer weiter verstreut leben würden, müsse der Aufwand gering gehalten werden. Eine Folge: Die Gräber sind nicht mehr so groß wie früher, es gibt immer mehr frei werdende Flächen auf dem Friedhof. Gefragt seien immer mehr Urnenstelen, wobei Alternativen zu den wuchtigen Urnenstelenanlagen im Trend seien. Das Ganze gehe in Richtung Urnengarten. Weitere neue Formen sind Urnenbaumgräber, Rasenurnengräber sowie Baumgräber, die die Friedwaldidee aufnehmen. Man wolle in jedem Fall eine gleichmäßige Belegung des Friedhofs erreichen.

Stöldt sprach die teilweise eingestürzte Friedhofsmauer an, die vor allem im Bereich an der Aach schadhaft sei. Hier müsse etwas getan werden. Auch die Wegesicherung sei nötig, wobei es auch um die Barrierefreiheit gehe. Eine Idee sei, den Friedhof zur Aach hin zu öffnen, Sitzplätze am Wasser einzurichten. Überhaupt soll es mehr Sitzmöglichkeiten geben, einen zentralen Sitzplatz um die Ehrenanalge. Stöldts Kostenprognose: 575 000 Euro, wobei die Maßnahmen über Jahre umgesetzt werden sollen.

Neben Mauersanierung und Wegenetz sei die Erweiterung der Urnenstelenanlage vordringlich, erklärte Stöldt auf Anfrage. Angesprochen wurde eine zentrale Wasserstelle. Die werde kommen, antwortete der Landschaftsarchitekt.

Ob es denn noch normale Begräbnisse geben werde, wollte ein besorgter Bürger wissen. „Selbstverständlich“, so Henne, wobei der Trend klar in Richtung Urnenbestattung gehe. Susanne Baumgartner erinnerte daran, dass große Bäume als Schattenspender fehlen würden. Stöldt gab ihr recht: „Es ist ein baumarmer Friedhof“. Das werde sich aber ändern, versprach er.

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