Feuerwehrwesen Zahl der Feuerwehrleute im Kreis steigt

Einer der Großbrände im vergangenen Jahr: Auf dem Gestütshof St. Johann brannte ein Lagerhaus ab. Hier war Überlandhilfe gefragt: Viele Wehren aus der Nachbarschaft unterstützten die Freiwillige Feuerwehr St. Johann.
Einer der Großbrände im vergangenen Jahr: Auf dem Gestütshof St. Johann brannte ein Lagerhaus ab. Hier war Überlandhilfe gefragt: Viele Wehren aus der Nachbarschaft unterstützten die Freiwillige Feuerwehr St. Johann. © Foto: Alexander Thomys
Trochtelfingen / Alexander Thomys 14.03.2018

Der Freiwilligen Feuerwehr anzugehören, bleibt im Landkreis Reutlingen ein attraktives Ehrenamt, das immer mehr Menschen zu einem Engagement motiviert. „Seit Jahren steigt die Zahl der Feuerwehrangehörigen“, freut sich Reutlingens Kreisbrandmeister Wolfram Auch. Zum Vergleich: 1995 war die Zahl der Feuerwehrangehörigen auf 2777 gesunken, im vergangenen Jahr taten 3109 Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen ihren Dienst. Die allermeisten davon ehrenamtlich in den Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden des Landkreises.

Die steigenden Mitgliederzahlen in den Einsatzabteilungen sind zugleich bitter nötig, denn auch die Zahl der Einsätze steigt seit Jahren an. Im vergangenen Jahr wurden die Feuerwehren zu 7507 Einsätzen gerufen, wobei 3720 Einsätze allein auf die Werkfeuerwehr Bosch entfallen. Aber auch die Zahl der klassischen Brandeinsätze, bei denen zumeist die Freiwilligen Feuerwehren gefordert sind, steigt weiter an: 791 Brände führt die Statistik für das vergangene Jahr an.

2016 lag die Zahl noch um 91 Brände niedriger. „33 Menschen konnten die Feuerwehren bei diesen Brandeinsätzen retten, für zwei Personen in Betzingen und Grafeneck kam jede Hilfe zu spät“, erinnerte Auch an die wichtigste Aufgabe der Wehren: Leben zu retten.

Im Bereich der technischen Hilfeleistung wurden 423 Personen bei 5023 Einsätzen aus bedrohlichen Lagen gerettet, 68 Personen konnten die Feuerwehren nur noch tot bergen – etwa nach Verkehrsunfällen oder Türnotöffnungen. „Besonders belastende Einsätze zehren an der Psyche“, betonte der Kreisbrandmeister an dieser Stelle und warb einmal mehr für die etablierte Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), die den Feuerwehrangehörigen im Landkreis zur Verfügung steht. „Wir müssen uns schon im Vorfeld mit möglichen psychisch belastenden Einsätzen beschäftigen“, mahnte auch Gunter Hespeler, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes. Hespeler betonte: „Keiner muss alleine mit den Belastungen umgehen.“

Um den Feuerwehren die Arbeit in Zukunft möglichst zu erleichtern, habe der Landkreis Reutlingen einiges auf den Weg gebracht, betonte Landrat Thomas Reumann in seiner Rede. So sei für alle Gemeindefeuerwehren eine kartengestützte Informationssoftware angeschafft worden, um bei Großschadenslagen, etwa nach Gewitterstürmen, viele Einsätze koordinieren zu können. „Das Arbeiten mit Zetteln sollte langsam der Vergangenheit angehören“, erklärte Reumann. Die neue Software, die bei der Feuerwehr Reutlingen bereits seit 2008 verwendet wird, soll eine „Vernetzung von der Leitstelle bis zur Führungskraft vor Ort“ ermöglichen und kostet den Landkreis 45 000 Euro.

In dieselbe Richtung geht es auch bei der angestrebten Einführung des Digitalfunks. „Die Leitstelle ist bereits digitalfunkfähig“, betonte Reumann. Nun gelte es, die Feuerwehren vor Ort mit neuer Funktechnik auszustatten. Pro Gerät hat das Land Baden-Württemberg hierbei einen Zuschuss von 600 Euro angekündigt. „In den nächsten vier bis fünf Jahren sollten wir den Austausch schaffen“, zeigte sich Reumann zuversichtlich.

Ein weiteres Pilotprojekt wurde durch das Regierungspräsidium Tübingen kürzlich auf den Weg gebracht: Das auf Wettervorhersagen spezialisierte Unternehmen von Jörg Kachelmann soll radargestützte Starkregenwarnungen ermöglichen. Reumann erhofft sich hierdurch „gezielte und schnelle Warnungen“, die den Feuerwehren schnellere Reaktionen, etwa zum Hochwasserschutz, ermöglichen sollen.

Dass auf die Feuerwehren künftig neue Aufgaben hinzukommen können, zeigte für Reumann eine Veranstaltung in Sachen kommunales Krisenmanagement, indem unter anderem der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch von der Hochwasserwelle berichtete, die seinen Ort 2016 schwer getroffen hatte. Der Brandoberamtsrat Dr. Rolf Erbe berichtete zudem über die Erfahrungen der Feuerwehr Berlin während des Terroranschlages am Breitscheidplatz.

Intensive Ausbildung

Um sich auf solche Sondersituationen oder auch auf die alltäglicheren Aufgaben vorzubereiten, ist ständiges Üben und Lernen für die Feuerwehrleute essenziell. „Eine leistungsfähige Feuerwehr bedingt eine intensive Ausbildung“, brachte es Kreisbrandmeister Auch auf den Punkt. Auch hier zeigte sich der Kreis gut aufgestellt: So ließen sich 90 Feuerwehrangehörige im vergangenen Jahr an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal schulen, an einem zweitägigen Seminar an der LFS nahmen zudem 107 Führungskräfte der Feuerwehren teil. Fast 300 Wehrleute nahmen zudem an Fortbildungen auf Kreis­ebene teil.

„Sie sind ein wesentlicher Teil der sozialen Infrastruktur in unseren Gemeinden“, lobte Reumann die Feuerwehrleute ob deren Leistungen im Einsatz und bei der Weiterbildung und sprach von einem „außerordentlichen Engagement“.

Jannik Strobel der heimliche Held

Heimlicher Held bei der Dienstbesprechung der Feuerwehren war Jannik Strobel. Der 14-jährige gehört der Jugendfeuerwehr Trochtelfingen an und moderierte die Veranstaltung unterhaltsam, frech und schwäbisch. Dafür gab es viel Applaus. Ein neues Löschfahrzeug für Mägerkingen allerdings nicht. Wie es um den Förderantrag bestellt sei, fragte Strobel Kreisbrandmeister Wolfram Auch. Der bat um Verständnis, über die Anträge sei noch nicht entschieden. So viel allerdings verriet der Kreisbrandmeister: 13 Anträge gingen im vergangenen Jahr leer aus.

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