Wirtschaft Dietz schließt Standort Heroldstatt

Die Firma Dietz gibt die Produktion im Heroldstatter Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“ auf.
Die Firma Dietz gibt die Produktion im Heroldstatter Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“ auf. © Foto: LENK JOACHIM
Joachim Lenk 20.03.2017

Vor einem Jahr wurde schon einmal gemunkelt, die Firma Dietz werde die Zubereitung von Fertiggerichten von Heroldstatt in die Feneberg-Zentrale ins bayerische Kempten verlagern. Das Gerücht von damals hat sich zwölf Monate später nun bewahrheitet. Vergangene Woche haben die 30 Mitarbeiter davon erfahren, dass die Produktion im Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“ Ende des Jahres eingestellt wird.

Man werde vom 1. Januar 2018 sowohl die Produktion als auch die Mitarbeiter in Kempten integrieren, bestätigt am Wochenende Dietz-Geschäftsführer Dirk Urland auf Anfrage dieser Zeitung. Auf den Produktionsstandort Schopfloch im Nachbarlandkreis Esslingen und die dort produzierten regionalen Produkte habe diese Entscheidung keinerlei Auswirkungen, fügt er in diesem Zusammenhang hinzu.

Durch die Produktionsverlagerung von Baden-Württemberg nach Bayern werden Synergien die Prozesse „noch effizienter gestalten“, erklärt der Geschäftsführer seine Entscheidung. Der Standort Heroldstatt weise „einige große Nachteile“ auf, wie zum Beispiel ein schlechtes Energiemanagement. „Um diese Nachteile zu beseitigen, wären hohe Kosten entstanden“, so Urland, der im gleichen Atemzug verspricht, dass keiner der 30 Beschäftigten seinen Arbeitsplatz verliere. „Wir wollen alle Mitarbeiter im Boot behalten, um unsere Kunden auch weiterhin in der gewohnten Qualität bedienen zu können.“

So hätten alle Mitarbeiter das Angebot bekommen, in Kempten weiter beschäftigt zu werden. Die Hans Dietz GmbH & Co. KG werde ihnen bei der Suche nach Wohnungen zur Seite stehen und die Umzugskosten übernehmen. Was mit dem Gebäude in Heroldstatt passiert, steht laut Urland derzeit noch nicht fest. Rahmgeschnetzeltes Zürcher Art, asiatisches Wokgemüse, Sauerbraten mit Semmelknödeln und ein frischer Krustenschinken. Diese und viele andere Fertiggerichte werden seit zehn Jahren in Heroldstatt produziert. Zuerst von Firmengründer Hans Dietz aus Schopfloch, der 2012 Insolvenz anmelden musste.

Die Lebensmittelgruppe Feneberg im Allgäu sowie die Lipp Markenvertriebs GmbH aus dem bayerischen Erding übernahmen die neu gegründete Hans Dietz GmbH & Co. KG. Neben den Fabrikationsstätten in Schopfloch und Heroldstatt wurden vor knapp fünf Jahren die zwölf Filialgeschäfte sowie alle 248 Mitarbeiter übernommen. Da das Unternehmen einen hohen Bekanntheitsgrad habe und für Qualität stehe, wurde der Firmenname beibehalten, teilte damals der Insolvenzverwalter mit.

Einige Heroldstatter freuen sich indes über die Schließung des Werks. In der Vergangenheit gab es immer wieder Klagen von Anwohnern, denen es gestunken hat. Im wahrsten Sinn des Wortes. Seit 2007 leiden sie, bei entsprechenden Windverhältnissen, unter Geruchsbelästigungen, verursacht durch die Firma Dietz. „Technische Lösungen zur Beseitigung des Geruchsproblems wurden intensiv geprüft, mussten aber als unverhältnismäßig teuer oder zu wenig erfolgversprechend verworfen werden“, teilte das Unternehmen vor zwei Jahren mit. Durch eine Prozessänderung sollte die Hauptursache der Geruchsbelästigung, das Anbraten von Zwiebeln, beseitigt werden könne. Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus.